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Irans Revolutionsgarden: Die Anatomie einer staatsterroristischen Organisation

Einhiet der Revolutionsgarde auf einer Militärparade zum Jahrestag des Iran-Irak-Kriegs
Einhiet der Revolutionsgarde auf einer Militärparade zum Jahrestag des Iran-Irak-Kriegs (© Imago Images / ZUMA Press)


Die Revolutionsgarde hat sich jahrzehntelang dafür eingesetzt, den islamistischen Imperialismus und Eroberungsdrang des Regimes in die Region und die ganze Welt zu exportieren.

Reza Parchizadeh

Die Armee der Wächter der Islamischen Revolution, auch bekannt als Revolutionsgarde (IRGC), ist die ideologisch getriebene militärische Kraft der Islamischen Republik Iran. Die Organisation hat die Aufgabe, die revolutionären Werte des islamistischen Regimes sowohl im eigenen Land zu schützen, als auch in andere Teile der Welt zu exportieren.

Ideologische Elitetruppe des Regimes

Die Garde unterscheiden sich von der iranischen Armee. Der Iran hat seit dem frühen 20. Jahrhundert eine reguläre Armee nach dem Vorbild moderner westlicher Armeen. Nach der islamistischen Revolution von 1979 wurde die Armee jedoch von den neuen Führern des Landes als unzureichend revolutionär eingestuft. Die Mullahs beschlossen deshalb, eine ideologische Miliz zu schaffen, die den vermeintlichen Mangel an ideologischem Eifer der Armee ausgleichen sollte. So wurde die Revolutionsgarde geboren.

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Trainiert wurde der Kern der Garde, der sich aus Hardline-Islamisten und Linken zusammensetzte, bereits vor der Revolution in Syrien und im Libanon, wo er während ständigen internen und grenzübergreifenden Konflikten Kampferfahrung sammelte – allen voran ab 1975 im libanesischen Bürgerkrieg. Tatsächlich rühren das regionale und später globale Interesse sowie die Reichweite der Garde daher, dass sie ihren Kampf als Teil eines internationalen antiwestlichen und antiisraelischen Unterfangens begann, das bis heute andauert.

Im Laufe des Iran-Irak-Krieges (1980-88) löste die Garde nach und nach die reguläre Armee als wichtigste militärische Kraft des Iran ab. Nach dem Krieg, der in einer Pattsituation mit leichten Vorteilen zugunsten des Irak endete, wendeten sich die als Pasdaran bekannten Kämpfer der Garde anderen ausländischen Aufgaben zu: Sie wurden zum Hauptinstrument der Bemühungen des Regimes, seine Art von Imperialismus und islamistischen Eroberungen in die Region des Nahen Ostens und in den Rest der Welt zu exportieren.

Revolutionsexport

Der berüchtigte Quds-Brigade der Revolutionsgarde wurde formell Anfang der 1990er Jahre gegründet, um dem Vorhaben des islamistischen Regimes zur Ausweitung seines ideologischen und politischen Einflusses über die Grenzen des Iran hinaus zu dienen. Seit ihrer Gründung war die Quds-Brigade gemäß ihrem Auftrag in einige der blutigsten Konflikte der Welt verwickelt, darunter den Bosnienkrieg (1992-95), den afghanischen Bürgerkrieg (1992-96), den Israel-Hisbollah-Krieg (2006), den syrischen Bürgerkrieg (seit 2011) und den jemenitischen Bürgerkrieg (seit 2015).

Die Quds-Brigade hat die Aufgabe, nichtstaatliche pro-iranischer Akteure wie die Hisbollah im Libanon, den Islamischen Dschihad in den palästinensischen Gebieten, die Huthis im Jemen und die schiitischen Milizen im Irak, in Syrien, Bahrain, Saudi-Arabien und Afghanistan zu organisieren und zu unterstützen. Bekannt ist darüber hinaus, dass die Quds-Brigade gelegentlich mit sunnitischen islamistischen Kräften, die nicht direkt dem schiitischen islamistischen Regime im Iran verbunden sind, zusammenarbeitet und deren Operationen unterstützt. Zu diesen Gruppen gehören al-Qaida, die Hamas, die Taliban und der Islamische Staat. Ausschlaggebend für diese Kooperationen ist die gemeinsame Feindschaft gegenüber dem Westen, arabischen Machthabern, Israel und Juden weltweit.

Die Garde nahm anfänglich kaum offen an der Politik im Iran teil. Ayatollah Khomeini, der Revolutionsführer und Gründer der Islamischen Republik, verbot den Revolutionswächtern per einstweiliger Verfügung, die politische Arena zu betreten. Nach dem Iran-Irak-Krieg, dem Tod Khomeinis und dem Aufstieg Ali Khameneis an die Spitze, der einen innenpolitischen Machtkampf auslöste und eine grundlegende Änderung der strategischen Prioritäten im Ausland bewirkte, begannen die Revolutionsgardisten jedoch, sich offen in die iranische Politik einzumischen.

Mit allen Mitteln

Wie alle Streitkräfte in ideologischen, totalitären Regimen, wie die Braunhemden der SA oder die SS in Nazideutschland, die Rote Armee in der Sowjetunion und die chinesische und kubanische Armee, versteht sich die Revolutionsgarde als Verkörperung einer revolutionären Ideologie und betrachtet es als ihren Auftrag, diese Ideologie mit allen erforderlichen Mitteln durchzusetzen und voranzubringen.

Im Falle der Revolutionsgarde gebietet die Ideologie die Errichtung einer globalen schiitisch-islamistischen Regierung, in deren Zuge die Pasdaran alle ideologisch-mythologischen Widersacher unterwerfen und die ganze Welt erobern, mit den Vereinigten Staaten (Großer Satan), Israel (Kleiner Satan) und Saudi-Arabien (wahhabitische Ungläubige) als Erzfeinde. Es versteht sich von selbst, dass die Garde von Natur aus antisemitisch und antisunnitisch eingestellt ist.

Politische und wirtschaftliche Macht

Um ihre Ziele zu erreichen, dominieren die Revolutionsgardisten nicht nur das Militär, sondern auch die Wirtschaft und Politik im Iran. Heute sind praktisch alle wichtigen iranischen Funktionsträger in irgendeiner Form der Garde verbunden, sei es als ehemalige oder als gegenwärtige Mitglieder. Schätzungen gehen davon aus, dass rund drei Viertel der iranischen Abgeordneten Mitglieder sind oder waren. Der prominenteste Ehemalige ist der derzeitige Sprecher des Majlis (des Parlaments), Muhammad Bagher Ghalibaf, der Brigadegeneral und Kommandeur der Luftwaffe der Revolutionsgarde war.

Darüber hinaus werden fast der gesamte Handel, die Industrie und das Bankwesen des Iran von der Garde oder ihren Angehörigen betrieben. Sie hat auch ein striktes Monopol auf den Import/Export und auf Auslandsinvestitionen, die die bevorzugten Kanäle für Geldwäsche auf der internationalen Bühne darstellen.

Im Laufe ihrer Geschichte hat die Revolutionsgarde im Einklang mit ihrem Ziel, die islamistische Ideologie zu exportieren, die „Feinde des Islam“ zu unterwerfen und Einflusszonen in der ganzen Welt zu schaffen, einige der abscheulichsten Terrorakte begangen, die die Welt je gesehen hat. Man kann sagen, dass die meisten der großen Terrorakte gegen westliche Bürger, Juden und sunnitische Araber entweder direkt oder indirekt von der Revolutionsgarde durchgeführt oder orchestriert wurden.

Anschläge weltweit

Einige der bekannteren dieser Terroranschläge durch die Revolutionsgarden selbst oder oder unter ihrer Beteiligung sind die Bombenanschläge auf die Beiruter Kaserne (1983) während des libanesischen Bürgerkriegs, bei denen 307 amerikanische und französische Friedenstruppen ums Leben kamen; der Bombenanschlag auf die jüdische Wohlfahrtsorganisation AMIA (1994), bei dem 85 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden; der Bombenanschlag auf die Khobar-Türme (1996), bei dem die Wohnquartiere der Koalitionstruppen in Saudi-Arabien ins Visier genommen wurden und bei dem 19 Angehörige der US Air Force getötet und fast 500 verletzt wurden.

Zusätzlich zu diesen großen Terroranschlägen sind die Revolutionsgarde und ihre Stellvertreter verantwortlich für die fortgesetzte Tötung von Koalitionstruppen im Nahen Osten, für Unruhen und massenhaften Drogenhandel in Lateinamerika, für die Geiselnahme westlicher Bürger im Nahen Osten, für Kriegsverbrechen in Syrien und im Jemen – und sie stellen die größte Bedrohung für Israel dar. Als Teil ihrer „Kampagne zwischen den Kriegen“ hat die israelische Armee seit mindestens einem Jahrzehnt die Stützpunkte und Einheiten der Pasdaran im ganzen Nahen Osten unter Beschuss genommen.

Als Reaktion auf die zunehmend bedrohliche Tätigkeit der Garde wurde sie 2019 von der Trump-Administration schließlich als staatliche Terrororganisation eingestuft. Um jedoch den Nahen Osten und die Welt ein für alle Mal von dem Blutvergießen und den Verwüstungen zu befreien, für die die Revolutionsgarde verantwortlich ist, muss sie vollständig zerschlagen werden – genau wie einst die militärische Maschinerie der Nazis.

(Der Artikel „Iran’s Revolutionary Guards: The anatomy of a state terrorist organization“ ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Florian Markl.)

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