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Irankrieg: Das mediale Zerrbild und die Realität vor Ort

Der Kommandeur des für den Irankrieg zuständigen amerikanischen Central Command, Brad Cooper
Der Kommandeur des für den Irankrieg zuständigen amerikanischen Central Command, Brad Cooper (© Imago Images / piemags)

Es ist wieder einmal bemerkenswert, wie die hiesige Medienberichterstattung über den Irankrieg mehr von eigenen Wünschen und Ressentiments geleitet ist als von Tatsachen.

Seit knapp vier Wochen ist der Großteil unserer Medien damit beschäftigt, den amerikanisch-israelischen Krieg gegen das iranische Regime als ein einziges Desaster zu zeichnen. Auf Basis der Berichterstattung könnte man fast den Eindruck gewinnen, die USA und Israel stünden kurz vor der Kapitulation.

Kümmern wir uns einen Moment lang nicht um dieses Zerrbild, sondern hören wir, was Brad Cooper, Kommandeur des für den Krieg zuständigen amerikanischen Central Command (CENTCOM), in seinem ersten Interview seit Beginn der Kämpfe zum aktuellen Geschehen zu sagen hatte. Cooper zufolge konzentrierten sich die US-Streitkräfte auf »drei wesentliche militärische Ziele: die Beseitigung der ballistischen Raketen, die Beseitigung der Drohnen und die Versenkung der Marine«.

In jedem dieser drei Bereiche liegt man im oder gar vor dem Zeitplan: »Die iranische Marine ist nicht mehr auf See.« Die iranische Luftwaffe fliegt nicht mehr. Die Luftabwehr feuert nicht mehr, und die massiven Salven von Drohnen und Raketen, die Sie zu Beginn des Kriegs gesehen haben, sind mittlerweile weitgehend auf ein oder zwei Exemplare zurückgegangen.«

An die Bevölkerung gerichtet, sagte Cooper: »Wir greifen das Regime der Islamischen Republik an, nicht die wunderbaren Menschen«, für deren Wohlergehen sich das Regime nicht interessiere. Die Menschen müssten »vorerst« noch in ihren Häusern bleiben, aber es werde »irgendwann ein eindeutiges Signal geben, dass sie wieder nach draußen gehen können«. Was Cooper nicht sagte, aber vermutlich meinte: nach draußen gehen, um das Regime zu stürzen.

Um den Weg zu ebnen, greift Israel offenbar vermehrt den Repressionsapparat des Gottesstaates an: Einrichtungen der Revolutionsgarde, Quartiere der Basidsch-Miliz usw. Dem Vernehmen nach erfolgen einige der Luftschläge auf Schergen des Regimes nach direkten Zielhinweisen aus der iranischen Bevölkerung.

Währenddessen verlagern die USA Spezialeinheiten in die Region, die eine breite Palette von Bodenoperationen unternehmen könnten, von der Besetzung strategisch bedeutsamer Orte (wie der Insel Kharg mitsamt ihren Ölanlagen oder Inseln bei der Straße von Hormus) bis zu Einsätzen an Standorten des iranischen Atomwaffenprogramms. Wie schon angesichts des amerikanischen Aufmarschs vor Kriegsbeginn gilt auch für diese Truppenverlegungen: Das macht man nicht als bloße Showeinlage.

Was bislang feststeht

Auf der rein militärischen Ebene wirkt das alles andere als planlos, sondern mutet, auch angesichts der bisher minimalen eigenen Verluste, beeindruckend effektiv an. Natürlich wäre es hilfreich, stünde an der Spitze des erfolgreichen militärischen Vorgehens eine politische Führung, die in der Lage wäre, die Gründe und Ziele des Kriegs in halbwegs zusammenhängenden Sätzen zu erklären.

Dass Donald Trump dieses Anforderungsprofil nicht erfüllt, konnte allerdings niemanden mehr überraschen. Der US-Präsident irrlichtert seit Kriegsbeginn genauso herum, wie er es zuvor schon getan hat: An einem Tag behauptet er etwas, am nächsten Tag sagt er das Gegenteil und am dritten Tag bestreitet er, sich überhaupt jemals geäußert zu haben, und wettert gegen »Fake News«, die nur Lügen verbreiten würden.

Vielleicht gibt es gegenwärtig tatsächlich Gespräche zwischen den USA und ungenannten Vertretern des Irans, wie von Donald Trump behauptet und von Teheran dementiert wird. Aber sollte auch nur annähernd das stimmen, was über die angeblichen Positionen der beiden Seiten kolportiert wird, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass daraus nichts wird: Weder wird das iranische Regime einer vollständigen Aufgabe des Atom- und Raketenprogramms sowie einer Beendigung der Unterstützung seiner Handlangergruppen in der Region zustimmen, noch werden die USA Entschädigungen für Kriegsschäden zahlen, sämtliche Stützpunkte in der Region aufgeben und dem Mullah-Regime garantieren, nie mehr wieder gegen es vorzugehen.

Unabhängig davon, wie der Krieg letztlich zu Ende gehen wird, steht schon jetzt fest: Selbst, wenn das iranische Regime, was keineswegs ausgemacht ist, vorerst noch überleben sollte, wurden seine militärischen Kapazitäten massiv geschwächt und ist es nach den wahllosen Angriffen auf seine Nachbarstaaten so isoliert wie nie zuvor. Das mag nicht das Ergebnis sein, das insbesondere Millionen Iraner sich erhofft haben, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Das ist ein Auszug aus dem jüngsten Mena-Watch-Newsletter vom 25. März. Wenn Sie unseren Newsletter künftig immer schon am Mittwochnachmittag erhalten wollen, melden Sie sich hier an.

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