Seit März kommt es im Iran zu einem starken Anstieg an Exekutionen, bei denen mindestens 24 Gefangene hingerichtet wurden, sechs davon allein am vergangenen Wochenende.
Der Iran führt laut Menschenrechtsgruppen fast täglich heimliche Hinrichtungen von Gefangenen durch und weigert sich in einigen Fällen, die Leichen der Getöteten an ihre Familien zu übergeben. Viele der Angehörigen erfahren erst von den Exekutionen, nachdem diese bereits vollstreckt wurden, und sind Schikanen und Druck ausgesetzt, nicht öffentlich darüber zu sprechen.
Seit März hat das iranische Regime mindestens 24 Menschen hingerichtet, wobei jüngst sechs Hinrichtungen innerhalb von zwei Tagen vollstreckt wurden, wie die in Norwegen ansässige Beobachtungsgruppe Iran Human Rights (IHRNGO) meldete. Die vermehrten Exekutionen schüren Ängste um Hunderte von Menschen, denen wegen der Proteste im Januar die Todesstrafe droht, sowie um diejenigen, die während des Krieges mit den USA und Israel wegen Spionagevorwürfen inhaftiert wurden.
Dem Bericht des UN-Sonderberichterstatters für Menschenrechte im Iran zufolge, der sich auf lokale Menschenrechtsgruppen beruft, soll der Iran im Jahr 2025 mindestens 1.639 Menschen hingerichtet haben. Die meisten wurden wegen Drogen- oder Mordvorwürfen hingerichtet, während Menschenrechtsgruppen erklären, die Behörden nutzten das Chaos des Krieges, um Regierungskritiker zu töten.
Folter und Vertuschung
Zu den Personen, die laut Berichten am Wochenende hingerichtet wurden, gehörte der der kurdischen Minderheit angehörende Demonstrant Mehrab Abdollahzadeh, der während der »Frau, Leben, Freiheit«-Proteste von 2022 festgenommen worden war. Der ebenfalls kurdische Nasser Bakerzadeh sowie Yaghoub Karimpour, ein Häftling mit einer körperlichen Behinderung aufgrund einer Wirbelsäulen- und Lungenoperation, wurden hingerichtet, weil ihnen Spionage für Israel vorgeworfen wurde. Alle drei waren im Zentralgefängnis von Urmia im Westen des Landes inhaftiert.
Briefe und aufgezeichnete Sprachnachrichten, die einige Häftlinge im Vorfeld ihrer Hinrichtung verschickten, deuten auf ein Muster psychischer und physischer Folter hin. In Mitteilungen an das in Frankreich ansässige Kurdistan Human Rights Network (KHRN) gaben Abdollahzadeh und Bakerzadeh an, sie seien physischer und psychischer Folter ausgesetzt gewesen, darunter Drohungen gegen ihre Familien.
Das KHRN-Vorstandsmitglied Rebin Rahmani sagte, die Behörden hätten die Leichen nicht an die Familien zurückgegeben. »Sie bringen sie an unbekannte Orte, richten sie hin und informieren die Familien nicht. Wenn Familien zum Gefängnis gehen, wird ihnen die Übergabe der Leichen verweigert.« Vor ihrer Hinrichtung seien die Gefangenen isoliert worden. »Sie wurden zunächst in gesicherte Haftanstalten verlegt, um Geständnisse zu erzwingen, und dann in Einzelhaft, um das Urteil zu vollstrecken«, schilderte Rahmani.
In einer vor seiner Hinrichtung verschickten Sprachnachricht wies Abdollahzadeh die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und erklärte, er sei 38 Tage lang gefoltert worden, um ein Geständnis zu erzwingen. In einem Brief beschrieb Bakerzadeh eine ähnliche Behandlung und den Druck auf seine Familie.
Laut IHRNGO wurden in einem separaten Fall drei weitere Demonstranten, die im Zuge der Proteste im Januar in Mashhad festgenommen worden waren, an einem unbekannten Ort gehängt. Eine Quelle aus der iranischen Stadt berichtete, dass die Familien der Hingerichteten unter Druck gesetzt wurden, zu schweigen, um zu verhindern, dass Informationen an die Öffentlichkeit gelangen.
Angesichts des Anstiegs an Hinrichtungen fordern Menschenrechtsgruppen die Weltmächte zum Handeln auf und warnen davor, dass Hunderten weiteren die Todesstrafe droht. »Viele Inhaftierte wurden physischer und psychischer Folter ausgesetzt, um Geständnisse zu erzwingen. Wir sind zutiefst besorgt, dass Hunderten von ihnen Anklagen drohen, die mit der Todesstrafe geahndet werden«, sagte Mahmood Amiry-Moghaddam von IHRNGO. »Die Menschenrechtsverletzungen des Regimes und die Anwendung der Todesstrafe wurden vom Krieg überschattet, und die Behörden scheinen diese Situation auszunutzen, um die Unterdrückung der Bevölkerung zu verschärfen, die sie als ihre größte existenzielle Bedrohung ansehen.«






