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Irans Führung fordert auch weiterhin Ermordung Rushdies

Salman Rushdie, hier auf der Frankfurter Buchmesse 2015. Wegen seiner Teilnahme boykottierte der Iran die Buchmesse. (© imago images/epd)
Salman Rushdie, hier auf der Frankfurter Buchmesse 2015. Wegen seiner Teilnahme boykottierte der Iran die Buchmesse. (© imago images/epd)

Um zu behaupten, der Iran habe sich vom Todesurteil gegen Salman Rushdie distanziert, muss man ein sehr selektives historisches Gedächtnis haben und Tatsachen ausblenden.

Nach dem Mordanschlag auf den Schriftsteller Salman Rushdie am Freitag während einer Veranstaltung im US-Bundesstaat New York berichten etliche Medien, die 1989 vom damaligen Obersten Geistlichen Führer des Irans, Ruhollah Khomeini, verkündete Fatwa, der zufolge Rushdie Blasphemie betrieben habe und getötet werden müsse, sei gar nicht mehr gültig. Der Standard beispielsweise schreibt, »die iranische Führung [ist] später von der Fatwa abgerückt«. Diese Behauptung enthält einen kleinen Funken Wahrheit, ist insgesamt aber schlicht falsch.

Richtig ist, dass der Iran unter Präsident Mohammed Khatami darum bemüht war, einen Weg aus seiner internationalen Isolation zu finden. Im Dienst einer Annäherung an das Königreich Großbritannien, in dem Rushdie unter höchsten Sicherheitsvorkommen hatte untertauchen müssen, erklärte der damalige Außenminister, Kamal Kharrazi, am 24. September 1998:

»Die Regierung der Islamischen Republik Iran hat weder die Absicht noch wird sie irgendetwas unternehmen, um das Leben des Autors der Satanischen Verse oder einer Person, die mit seinem Werk in Verbindung steht, zu bedrohen, noch wird sie jemanden dazu ermutigen oder dabei unterstützen, dies zu tun. Dementsprechend distanziert sich die Regierung von jeglicher Belohnung, die in diesem Zusammenhang angeboten wurde, und unterstützt sie nicht.«

Aber dann …

Doch wie so oft erwiesen sich auch in diesem Fall all jene als hoffnungslos naiv, die den Versprechungen der Islamischen Republik Glauben schenkten: Nur vier Tage nach Kharrazis Statement riefen Geistliche im Iran erneut zur Ermordung Rushdies auf. Eineinhalb Wochen später erklärten rund 160 iranische Parlamentsabgeordnete, das von Khomeini verhängte Todesurteil sei nach wie vor aufrecht. Im Oktober erhöhten halbstaatliche religiöse Stiftungen das für Rushdies Tötung ausgesetzte Kopfgeld von 2,5 Mio. Dollar um weitere 300.000 Dollar.

Wenige Monate später betonten hochrangige Vertreter des iranischen Sicherheitsapparats ihre ungebrochene Absicht, Rushdie zu töten. Im Mai 1999, nur einen Tag, nachdem der Iran und Großbritannien sich auf die erneute Entsendung von Botschaftern geeinigt hatten, erklärte ein iranischer staatlicher Radiosender den Autor zum »Apostaten«, was nach islamischem Recht dessen Ermordung erlaubt.

Im Januar 2005 beendete Khomeinis Nachfolger im Amt des Obersten Geistlichen Führers, Ali Khamenei, alle Unklarheiten in Bezug auf das Urteil gegen Rushdie. In einer Ansprache an Pilger stellte er klar, dass der Schriftsteller ein »Apostat« sei, dessen Ermordung vom Islam autorisiert sei. Westliche Medien bemühten sich, seine Aussagen herunterzuspielen.

Einen Monat danach veröffentlichten die iranischen Revolutionsgarden eine Stellungnahme, in der sie gelobten, der Tag werde kommen, an dem die Muslime »den Abtrünnigen Rushdie für seine skandalösen Handlungen und Beleidigungen gegen den Koran und den Propheten bestrafen werden«. Wie die BBC berichtete, sei man in religiösen Kreisen im Iran überzeugt, dass die Todes-Fatwa gegen Rushdie gar nicht aufgehoben werden könne. Dies stünde nur in der Macht dessen, der sie erlassen hat – und da Khomeini bereits tot war, müsse sie ewig gültig bleiben.

Im September 2012 erhöhte die Stiftung, die das Kopfgeld auf Rushdie ausgesetzt hatte, den Betrag noch einmal von 2,8 Mio. auf 3,3 Mio. Dollar. Im Februar 2016 versprachen iranische staatliche Medien einen zusätzlichen Betrag von 600.000 Dollar für die Ermordung des Autors.

Seit Februar 2017 ist auf der Homepage von Khamenei nachzulesen, wie es um Khomeinis Fatwa bestellt ist: »Es ist so, wie Imam Khomeini es dekretiert hat.«

Und im Februar 2019 erklärte Khamenei auf Twitter: »Das Urteil von Imam Khomeini gegen Rushdie basiert auf göttlichen Versen und ist, wie die göttlichen Verse, begründet und unwiderruflich.«

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