Iran betreibt Twitter-Propaganda für Jeremy Corbyn

„Zur russischen Einmischung in den US-amerikanischen Präsidialwahlkampf von 2016 ist ein Berg an Artikeln, Büchern und Forschungsbeiträgen produziert worden. Dagegen haben die Bestrebungen des Kremls, in Großbritannien Zwietracht zu säen, auch im Land selbst nur wenig Aufmerksamkeit erfahren. So unterstützte Russland bei der Volksabstimmung die Befürworter des Brexit und letztes Jahr im Wahlkampf offenbar den linksradikalen Anführer der Labour Party Jeremy Corbyn. Doch ist Russland nicht der einzige feindliche Staat, der die politische Debatte in Großbritannien zu beeinflussen versucht. In der letzten Zeit wurde berichtet, dass auch der Iran sich daran gemacht habe, Corbyn zu unterstützen. Dabei gehe es dem Iran unter anderem darum, Israel und britischen Juden zuzusetzen, die sich über den Antisemitismus in der größten britischen Oppositionspartei beklagen. Dies ist in beiden Fällen besorgniserregend und unterstreicht erneut die langanhaltenden und umstrittenen Verbindungen Corbyns zum Iran. Zudem verdeutlicht es, wie grundverschieden die britische Außenpolitik in der Region von der gegenwärtigen wäre, sollte er Premierminister werden. (…)

Im Oktober machte Twitter Angaben zu mehr als zehn Millionen Posts in den sozialen Medien, die durch eine relativ kleine Anzahl anonymer russischer und iranischer Konten produziert worden seien. Eine Million dieser Posts konnte Twitter zufolge mit 770 iranischen Konten in Verbindung gebracht werden. (…) Nichts weist darauf hin, dass die Labour Party über die Bestrebungen Teherans informiert war oder diese unterstützte. Vielmehr waren diese Posts Teil einer breiter angelegten iranischen Kampagne, die Israel mit unwahren Berichten zu diskreditieren sucht, die den jüdischen Staat mit dem Islamischen Staat und anderen islamistischen Terrorgruppen in Syrien in Verbindung bringen. (…)

Zu den fingierten pro-Corbyn Konten gehörte offenbar eines namens ‚The British Left‘, bei dem es sich laut Selbstbeschreibung um die Stimme einer ‚wahrhaftig unabhängigen‘ Britischen Progressiven Front handeln sollte. Dieses Konto zirkulierte Berichte, die Corbyn stärken sollten. Unterdessen produzierte ein anderes, das vorgab, im Namen der Patriotischen Palästinensischen Front zu sprechen, massenhaft antiisraelische Propaganda. Unter anderem berichtete es, dass der ‚israelische Geheimdienst hinter Versuchen steckt, Jeremy Corbyn loszuwerden‘.

Aufgrund einer Warnung des Cybersicherheitsunternehmens Fireeye wurde entdeckt, dass viele der Seiten mit der Liberty Front Press in Verbindung standen, die Facebook zufolge auf die iranischen Staatsmedien zurückgeführt werden könne. Lee Foster von Fireeye erklärte dazu im Gespräch mit der Times: ‚Diese mit dem Iran im Zusammenhang stehende Operation zur Einflussnahme soll Berichte befördern, die unter anderem durch ihre antisaudische, antiisraelische und propalästinensische Stoßrichtung den Interessen des Iran Rechnung tragen.‘ (…) Dass der Islamischen Republik Iran daran gelegen sein könnte, Corbyn in der Downing Street zu sehen, kann man sich leicht vorstellen.“ (Robert Philpot: „Could Iranian election meddling help Jeremy Corbyn into Downing Street?“)

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