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Irakisch-Kurdistan: Sicherheitskräfte gehen gegen Homosexuelle vor

Die Stadt Sulaimaniyya in Irakisch-Kurdistan
Die Stadt Sulaimaniyya in Irakisch-Kurdistan (© Imago Images / robertharding)

Vergangenen Donnerstag starteten die Sicherheitskräfte in Sulaimaniyya eine Operation, mit der sie gegen Homosexuelle in der Stadt vorgehen.

Dilan Sirwan, Rudaw

Mitglieder der LGBT+-Gemeinschaft haben Rudaw berichtet, dass sie Angst haben, ihre Häuser zu verlassen, nachdem Sicherheitskräfte eine Operation gestartet haben, um mutmaßliche LGBT+-Personen in der Stadt Sulaimaniyya zu verhaften. Die Aktion erfolgte nur wenige Tage nachdem ein US-Menschenrechtsbericht die Gefahren für die verfolgte Gemeinschaft in der Region hervorgehoben hat.

Der Leiter der Operation, Pshtiwan Bahadin, sagte lokalen Medien am Donnerstagabend, dass die Sicherheitskräfte eine gemeinsame Operation gestartet haben, in der sie Personen wegen Unmoral verhaften, die verdächtigt werden, Mitglieder der LGBT+-Community zu sein, wobei er abfällige Begriffe zur Beschreibung der Gemeinschaft verwendete.

„Nach der Sitzung des Hohen Sicherheitskomitees von Sulaimaniyya und nach dem Beschluss des ermittelnden Staatsanwalts von Sulaimaniyya wurde entschieden, dass heute Abend eine Operation durchgeführt wird, um gegen Homosexuelle in der Stadt Sulaimaniyya vorzugehen. Diese Operation beruht auf der Zusammenarbeit aller Sicherheitskräfte“, sagte Bahadin.

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„Wir haben unserem Volk versprochen, dass wir nicht zulassen werden, dass jemand die Sicherheit dieser Stadt stört, und wir werden unsere Bemühungen heute Abend und jede Nacht fortsetzen. Wir werden gegen Leute ermitteln, gegen die ein Haftbefehl vorliegt, gegen diejenigen, die zerstörerische Handlungen begehen und die Stadt ruinieren wollen“, fügte er hinzu. (…)

„Unser Leben ist nicht sicher. Jeder hat gestern Abend alle seine Pläne abgesagt. Sogar ich hatte Angst, hinauszugehen, aus Angst, an einem Kontrollpunkt erwischt zu werden“, sagte der LGBT+-Aktivist Zhiar Ali am Freitag gegenüber Rudaw English. „Die Asayish [Sicherheitskräfte] verhafteten Menschen nur aufgrund des Verdachts, homosexuell zu sein, ohne dass sie vauch nur irgendetwas Falsches getan hätten“, fügte er hinzu.

„Ich bin entsetzt. Ich war in der Nähe des Schauplatzes, als es passierte, und ich fragte mich, wie ich nach Hause kommen könnte. Jetzt, wo ich zu Hause bin, möchte ich das Haus nicht mehr verlassen“, sagte eine andere Person, die anonym bleiben wollte.

Die Operation hat die LGBT+-Community „entmenschlicht“, sagte eine andere Person. „Wir sprechen eine geschlechtslose Sprache. Wir wollen keinen Schaden anrichten, das haben wir nie getan. Wir wollen nur innerhalb der Gesellschaft als normale Bürger existieren. Dieser Akt entmenschlicht uns bis zum Äußersten.“

In einer am Freitagnachmittag veröffentlichten Erklärung sagten die Asayish, die Verhaftungen seien Teil einer Razzia gegen die Prostitution in der Stadt und richteten sich nicht gegen eine Gruppe von Menschen. „Gestern starteten unsere Kräfte eine Operation gegen die Prostitution in einem Stadtteil von Sulaimaniyya, basierend auf der Bitte der Bevölkerung“, hieß es in der Erklärung. Mit der Behauptung, dass Prostitution ein wachsendes Problem sei, fügten die Asayish hinzu: „Unser Ziel ist es, dieses Phänomen zu beenden und nicht irgendeine andere Gruppe oder Untergruppe von Menschen ins Visier zu nehmen.“

Mitglieder der LGBT+-Community sind in der Region Kurdistan Einschüchterungen, Drohungen, Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt, wie aus einem Menschenrechtsbericht für 2020 hervorgeht, der am Dienstag vom US-Außenministerium veröffentlicht worden war.

(Aus dem Artikel Sulaimani’s LGBT+ community ‘terrified’ after security forces launch crackdown“, der bei Rudaw erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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