Über hundert internationale Hilfsorganisationen behaupten, Israel verhindere die Verteilung von Hilfsgütern in Gaza, während nur zwanzig von ihnen einen diesbezüglichen Antrag gestellt haben.
Die internationalen Hilfsorganisationen geben ihre antiisraelische Kampagne, in der sie Jerusalem die vorsätzliche Herbeiführung einer Hungersnot im Gazastreifen vorwerfen, nicht auf, schreibt Ben-Dror Yemini in einer lesenswerten Analyse, in der er fragt, wie viel von dieser Kampagne, die zusammen mit der Völkermord-Lüge Israels internationales Ansehen ins Bodenlose stürzen ließ, »auf glatten Lügen basiert, die von den Medien unkritisch verbreitet werden«.
In diesem Zusammenhang verweist Yemini auf eine letzte Woche veröffentlichte gemeinsame Erklärung von 104 Organisationen, in der behauptet wird, »Israel hindere sie an der Lieferung von Hilfsgütern« und stelle »überzogene Vorbedingungen«. Allerdings, so der Autor weiter, haben von den Unterzeichnern 84 Organisationen niemals auch nur beantragt, Hilfsgüter in den Gazastreifen liefern zu dürfen. »Nur zwanzig haben einen Antrag gestellt, drei wurden abgelehnt, einer wurde genehmigt und die übrigen werden noch geprüft.«
Darüber hinaus seien Dutzende anderer Organisationen in Abstimmung mit Israel im Gazastreifen tätig, weil sie die notwendigen Anforderungen erfüllen. Die Menge der in die Küstenenklave gelangenden Lebensmittel übersteige die von den internationalen Standards festgelegten Grenzwerte, was Yemini zu dem Urteil veranlasst: »Die gemeinsame Erklärung ist nur eine weitere Etappe im Propagandakrieg. Ein Sturm im Wasserglas. Viele dieser Organisationen sind Randgruppen, die jede Gelegenheit nutzen, um Israel anzugreifen.«
Die von Israel auferlegten Anforderungen seien auch nicht aus Willkür oder Bösartigkeit entstanden. So sei nicht nur bekannt, dass Hamas-Aktivisten das Palästinenserhilfswerk UNRWA oder die Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) infiltriert haben, sondern auch in Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen (MSF), die hinter der eingangs zitierten Erklärung stehen, seien Mitarbeiter wie Fadi al-Wadiya in Erscheinung getreten, der ein Mitglied des Palästinensischen Islamischen Dschihads ist, das an der Entwicklung der Raketen der Terrorgruppe beteiligt war.
Israel könne keine Aktivitäten von Organisationen genehmigen, die Terroristen Deckung bieten, stellt Yemini fest und fragt: »Warum sollte Israel Organisationen zulassen, die sein Existenzrecht leugnen? Sie möchten helfen? Gut. Aber ohne Hamas-Aktivisten und ohne rassistische, antisemitische Ideologie; auch, wenn diese sich als humanitäre Hilfe tarnt.« Genau dies sei der Grund, aus dem Israel Transparenz von den im Gazastreifen tätigen Organisationen fordere. Jene, deren Anträge abgelehnt wurden, hatten sich geweigert, ihre Mitarbeiterlisten vorzulegen. »Was ist, wenn darunter Hamas-Mitglieder sind? Noch einmal: Hilfe ist willkommen, aber nicht für Gruppen, die Terroristen schützen oder unter dem Deckmantel der Humanität hasserfüllte Ideologien verbreiten.«
Mediale Dynamik
Die »Hungerkampagne« habe an Dynamik gewonnen, schreibt Yemini, als auf den Titelseiten führender Zeitungen weltweit Bilder von ausgemergelten Kindern erschienen, von denen sich jedoch herausstellte, dass sie an schweren Krankheiten litten, was von den Medien verschwiegen und erst im Nachhinein klammheimlich zugegeben wurde. Auch wenn diese gegen Israel in Stellung gebrachten Bilder also gefälscht waren, sei dennoch zu konstatieren, dass die Lebensmittelpreise im Gazastreifen auf alarmierende Höhen stiegen, was auf eine gravierende Versorgungslage hindeutet, wobei allerdings festzuhalten ist, dass diese Preise in den jüngsten Tagen wieder gefallen sind, was auf eine zunehmende Verbesserung der Lage hinweist.
Ben-Dror Yemini verweist in seiner Analyse auf zwei Organisationen, die täglich Daten zu den Lastwagen veröffentlichen, die in den Gazastreifen einfahren, einschließlich des Gewichts der Lieferungen. Eine davon sei das UN2720 Monitoring & Tracking Dashboard der Vereinten Nationen, das nach der Resolution 2720 des Sicherheitsrats eingerichtet wurde und die Hilfslieferungen in den Gazastreifen dokumentiert. Laut dessen Angaben wurden vom 19. Mai bis zum 12. August 46.335 Tonnen humanitäre Hilfe in 3.551 Lastwagen geliefert, davon 94 Prozent Lebensmittel. Nur 5.985 Tonnen in 412 Lastwagen erreichten dabei ihr Ziel – das sind nur 11,6 Prozent der Lastwagen und 13 Prozent der Hilfsgüter, sodass sich die Frage stelle: Wo ist der Rest geblieben?
Die UNO erklärte, die fehlenden Transporter seien »abgefangen« worden, was bedeutet, dass sie von bewaffneten Gruppen beschlagnahmt oder von Zivilisten, vor allem der Hamas, umgeleitet wurden. »Untersuchungen von Prof. Neta Barak-Koren und Dr. Jonathan Buxman zeigen, dass in vielen Konfliktgebieten Hilfsgüter-Lkw als Geldquelle für Kriegsherren wie die Hamas dienen. Ihre Empfehlung: Das System muss geändert werden, aber die Chancen dafür stehen schlecht«, stellt Yemini nüchtern fest.
Differierende Daten
Die zweite buchführende Organisation ist der israelische Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT) , der berichtet, dass vom 19. Mai bis zum 12. August 7.471 Lastwagen 139.001 Tonnen Lebensmittel und 2.115 Tonnen medizinische Hilfsgüter geliefert haben. Die sich in diesen Zahlen ausdrückende Differenz zu den UN-Daten bestehe, »weil ein Großteil der Hilfsgüter die UN-Kontrolle umgeht, manchmal privat, manchmal über Ägypten, das seine Lieferungen lieber nicht erfasst«.
Die bestehenden Engpässe sind laut Israel der Kontrolle und Umleitung von Ressourcen durch die Hamas bedingt. Rein statistisch gesehen hätte nämlich während der angesprochenen »85 Tage jeder der schätzungsweise zwei Millionen Menschen täglich etwa 0,8 Kilogramm Lebensmittel erhalten, was rund 4.000 Kalorien entspricht, also deutlich mehr als die von internationalen Ernährungsorganisationen empfohlenen 2.100 Kalorien pro Tag«, wie Yemini errechnete.
Eine von acht Forschern über einen Zeitraum von vier Monaten im Jahr 2024 durchgeführte Studie, in der die Hilfslieferungen untersucht wurden, ergab einen Durchschnitt von 3.163 Kalorien pro Person und Tag, was ebenfalls über den internationalen humanitären Standards liegt. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Lebensmittel die humanitären Mindestanforderungen übertrafen.
»Wie kommt es also zum Hunger?«, fragt Yemini am Schluss seiner Analyse: Wie die UNO selbst einräumt, sind die Engpässe auf den Diebstahl von Hilfsgütern zurückzuführen, vor allem durch die Hamas, unter deren Herrschaft die Bevölkerung von Gaza stehe: »Wenn die Hamas wollte, würde die Nahrung alle erreichen – aber das tut sie nicht, weil die Hamas Israel die Schuld geben will. Die westlichen Medien und die israelische Zeitung Haaretz, welche die Kampagne anführen, hätten die Daten überprüfen können, aber sie haben es nicht getan. Stattdessen haben sie die Propaganda der Hamas verstärkt. Das hilft den Bewohnern Gazas nicht, sondern dient nur der Hamas.«






