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Hamas sieht Chance zu punkten

Hamas feuert im Gazastreifen Raketen auf Israel ab
Hamas feuert im Gazastreifen Raketen auf Israel ab (© Imago Images / NUR Photo)

Warum die islamistische Terrororganisation Hamas ausgerechnet jetzt die Lage derart eskaliert, dass sie einen Krieg mit Israel riskiert.

Jetzt ist es soweit. Die prekäre Lage im Nahen Osten hat sich dramatisch zugespitzt. Gut, die Entwicklung war abzusehen. Schließlich haben sich diverse Faktoren zu einem unheilsamen Sturm zusammenbraut:

  • die zunehmend-aufgeheizte Stimmung in Ost-Jerusalem
  • die, zum Leidwesen der Hamas, abgesagten Wahlen in den palästinensischen Gebieten
  • das Ende des Fastenmonats Ramadan, das in der Regel mit Unruhen einhergeht
  • der Immobilien-Streit in Scheich Dscharrah
  • und schließlich die Feierlichkeiten aus Anlass des Jom Jeruschalaims, die der arabischen Bevölkerung stets ein Dorn im Auge sind.

Die Ausgangslage: Fehlgeschlagene Deeskalation

Von Anfang an war klar, dass die Hamas die Unruhen als maßgeblicher Drahtzieher vom Gaza-Streifen aus zu lenken wusste. Seit gestern schreitet sie nun offenkundig ein und feuert hunderte Raketen auf zivile Ziele in Israel. Anfangs war vor allem der Süden betroffen, aber auch Jerusalem selbst. Die meisten Raketen wurden vom ‚Iron Dome’-Abwehrsystem abgefangen.

Die meisten, aber eben nicht alle. In der Hafenstadt Aschkelon wurde ein Einfamilienhaus getroffen und eine Familie – Eltern und zwei Kinder – landete, teils schwerverletzt, im Krankenhaus. Und jüngsten Meldungen zufolge wurden zwei Frauen bei einem Angriff auf eine Schule getötet, als binnen fünf Minuten an die 150 Raketen auf die Gegend rund um Aschkelon abgefeuert worden sind.

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Mittlerweile hat sich der Raketenbeschuss auf zusätzliche israelische Städte und Dörfer ausgeweitet und die Hamas droht mit weiteren ‚Überraschungen’, wobei immer wieder undifferenziert auf die Bevölkerung geschossen wird.

Nun ist der israelische Verteidigungsapparat gefordert, entsprechend zu reagieren. Dabei hatte man Anfangs versucht, zu deeskalieren. Die Sperrmaßnahmen rund um das Damaskus-Tor, die die muslimischen Gläubigen erzürnt hatten, waren entfernt worden, der Zugang zum Tempelberg wurde Juden verwehrt, und der traditionelle Flaggentanz zum Jom Jeruschalaim wurde zunächst dezimiert und dann gänzlich abgesagt.

Allein, all das half wenig. Denn die Hamas verfolgte ein klares Ziel.

Der Drahtzieher: Hamas

Nachdem der in arabischen Kreisen zunehmend unpopuläre Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, die Wahlen abgesagt hatte, und die israelische Regierung schwächelte wie nie zuvor, sah die Terrororganisation eine einmalige Chance, bei der arabischen Bevölkerung zu punkten.

Tatsächlich scheint der Zeitpunkt günstig, um die Vorrangstellung der Terrororganisation nicht nur bei den Muslimen in Israel, sondern auch bei ihren weltweiten Glaubensbrüdern auszubauen. Denn schließlich präsentiert sie sich hier als starker und stolzer Verteidiger des islamischen Heiligtums Al-Aqsa.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine perfide Inszenierung. Von der Moschee auf dem Tempelberg aus wurden Steine und Sprengstoff auf die jüdische Bevölkerung und die Betenden bei der Klagemauer losgelassen. Die israelische Polizei sah sich also genötigt, einzugreifen, was wiederum von der Hamas als Entweihung ihres Heiligtums dargestellt und als berechtigter Anlass für den Raketenbeschuss ausgenutzt wurde.

Kurzum, der Terrororganisation ist es gelungen, Image, Zeitpunkt und in gewisser Weise auch Härtegrad der Auseinandersetzung zu bestimmen. Israel bleibt wenig anderes übrig, als entsprechend zu reagieren.

Der Unterschied: Der Feind ist im Land

Ganz ruhig ist es in und um Israel ja leider nie. Mit Ausnahme, vielleicht, vom letzten Jahr, in dem die Pandemie nationale Aggressionen außer Gefecht gesetzt hat. Sonst aber gibt es immer wieder vereinzelte Unruhen und alle paar Jahre kommt es zu einer größeren Militäraktion, wie sie sich auch jetzt abzuzeichnen scheint.

Trotzdem ist diesmal eines anders und dramatischer als sonst. Diesmal sind die Angreifer nämlich nicht nur im relativ entfernten Gaza-Streifen, in Syrien oder im Libanon zu finden, sondern in den Straßen Israels selbst.

Gestern etwa kam es zu einem regelrechten Lynchversuch in Jerusalem, als eine Bande wutentbrannter Muslime einen israelischen PKW mit drei Insassen erst mit schweren Steinen bewarf, sodass der Fahrer die Kontrolle über sein Auto verlor, und dann die Türen aufriss, um die Insassen gewaltsam herauszuziehen. Wäre da nicht zufällig ein israelischer Polizist mit gestreckter Waffe herbeigelaufen, hätte der Vorfall sehr böse enden können.

Auch in Lod, der Kleinstadt neben dem internationalen Flughafen, in der seit Jahren Juden und Muslime friedlich zusammenleben, kam es zu dramatischen Zwischenfällen. Aufgebrachte arabische Jugendliche gingen in „Solidarität mit ihren Brüdern aus Ost-Jerusalem“ auf die Straße, warfen Steine und Molotow-Cocktails auf jüdische Kindergärten und Häuser, zündeten Fahrzeuge und Reifen an und verbreiteten Angst und Schrecken.

Die Polizei ließ auf sich warten, und so sahen sich die bedrohten Einwohner genötigt, sich selbst zu verteidigen. Einige hatten Waffen und schossen in die Luft. Im Laufe des Gefechts wurde aber auch ein 34-Jähriger arabischer Randalierer von einem Israeli getötet. Jetzt ist absurderweise Letzterer, obschon er in Selbstverteidigung gehandelt hat, in Polizeigewahrsam.

Die Forderung: Schutz aller Einwohner

Israel ist also jetzt in eine regelrechte Militäroperation hineingeraten, die es nicht gesucht und nicht gewollt hat. So schnell wird diese Aktion wohl auch nicht zu Ende sein, denn nun verlangen die Einwohner der israelischen Grenzregion zu Gaza, dass sie endlich den langwährenden Schutz bekommen, der ihnen bislang verwehrt worden ist.

„So lange nur wir betroffen sind, und nur unsere Kinder wegen der vielen Sirenen und Raketenalarme innerhalb von wenigen Sekunden in Schutzräume und Bunker laufen müssen, nimmt der Rest Israels kaum Notiz“, klagen die lokalen Einwohner. Erst wenn man in Jerusalem und Tel Aviv Ähnlichem ausgesetzt wäre, würde das Militär ernsthaft einschreiten. Jetzt, so hoffen die Menschen, würde die Armee endlich durchgreifen und dem ewigen Schrecken ein Ende setzen.

Das Opfer: der Traum einer arabisch-israelischen Zusammenarbeit

Wie immer, im Falle feindlicher Bedrohung, stellen sich israelische Politiker aller Couleur geschlossen hinter das Militär. Allein die arabischen Politiker in der Knesset bleiben außen vor.

Manche, wie Mansour Abbas, halten sich bedeckt. Der Vorsitzende der Ra’am-Partei hat alle Verhandlungen zur Regierungsbildung erst mal auf Eis gelegt. Dabei galt es bereits so gut wie ausgemacht, dass er dem Regierungsblock des Wandels unter Naftali Bennett und Yair Lapid mit seiner Unterstützung zum Sieg verhelfen würde.

Andere wie, Sami Abu Shehadeh von der arabischen „Vereinigten Liste“, solidarisieren sich klar mit den arabischen Randalierern und bestreiten jegliche Verantwortung von Hamas und anderen Terrororganisationen an der zunehmenden Eskalation.

Gestern erst schien sich eine konstruktive, harmonische Zusammenarbeit israelischer und arabischer Parteien in Israel, zum Wohl aller Einwohner des kleinen Landes, abzuzeichnen. Jetzt ist dieses Traumszenario in die weite Ferne gerückt.

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