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Geheimverhandlungen um Inseln im Roten Meer

Strategisch wichtg (und bei Tauchern sehr beliebt): die Straße von Tiran im Roten Meer. (© imago images/agefotostock)
Strategisch wichtg (und bei Tauchern sehr beliebt): die Straße von Tiran im Roten Meer. (© imago images/agefotostock)

Wenn kleine, unbewohnte Inseln auf einmal im Mittelpunkt von internationalen Abkommen stehen, gewinnen sie an Bedeutung, mit der niemand mehr gerechnet hat.

Die Meldung gleicht einer kleinen Sensation: Wie die amerikanische Nachrichtenwebsite Axios berichtete, finden im Moment durch amerikanische Vermittlung Verhandlungen zwischen Saudi-Arabien, Israel und Ägypten statt, um die ländermäßige Zugehörigkeit der strategisch bedeutsamen Inseln Tiran und Sanafir im Roten Meer neu zu definieren. Wie amerikanische und israelische Quellen gegenüber Axios bestätigten, sollen die Inseln, die im Moment noch ägyptisches Hoheitsgebiet sind, in die staatliche Souveränität von Saudi-Arabien übergeben werden.

Worum geht es?

Tiran und Sanafir sind zwei kleine, unbewohnte Inseln im Roten Meer einige Kilometer südlich des Eingangs zum Golf von Akaba, der die Arabische Halbinsel von der Halbinsel Sinai trennt. Durch ihre Lage kontrollieren sie die Meerenge von Tiran und bilden dadurch eine strategisch bedeutsame Seepassage zu den Häfen von Akaba in Jordanien und Eilat in Israel.

Die Eilande zählten ursprünglich zum saudischen Hoheitsgebiet, bis sie im Jahr 1950 an Ägypten übergeben wurden. Im Zuge des Friedensvertrags zwischen Ägypten und Israel 1979 wurden deren Entmilitarisierung und die Stationierung multinationaler Beobachter unter der Führung der Vereinigten Staaten vereinbart. Die neutrale Truppe war seitdem für die Sicherheit der Inseln und die Gewährleistung der freien Schifffahrt zuständig. Im Friedensvertrag wurde auch festgehalten, dass Israel im Falle einer Rückgabe der Inseln an Saudi-Arabien ein Mitspracherecht zugestanden wird.

In den Jahren 2017/18 war es dann soweit: Das ägyptische Parlament und der Oberste Gerichtshof stimmten einem Abkommen zur Rückübertragung der Souveränität an Saudi-Arabien zu. Nicht angesprochen wurde damals die Frage, wie es mit der multinationalen Beobachtertruppe weitergehen sollte.

Israelische Forderungen

Diese ungeklärte Frage holt die jetzigen Verhandlungen ein. Wie der Nahost-Koordinator des Weißen Hauses, Brett McGurk, laut amerikanischen und israelischen Quellen die zentrale Person der Biden-Regierung bei den aktuellen Vermittlungen, bestätigt, ist »die multinationale Beobachtertruppe das Hauptproblem« bei den Verhandlungen. Wie Axios berichtet, stimme Saudi-Arabien zu, die Inseln entmilitarisiert zu halten und die Freiheit der Schifffahrt zu garantieren, wolle aber die Präsenz der multinationalen Beobachter beenden.

Genau hier kommt Israel ins Spiel, das zwar keine grundsätzlichen Einwände gegen die Beendigung der Präsenz der multinationalen Truppe hat, im Gegenzug aber konkrete Forderungen an Saudi-Arabien stellt, die es nun auszuhandeln gilt. Laut israelischen Quellen betreffen Israels Bedingungen in erster Linie die Luftfahrt: So soll Saudi-Arabien israelischen Fluggesellschaften die Erlaubnis erteilen, größere Teile des saudischen Luftraums zu durchqueren, um die Flugzeiten von Israel nach Indien, Thailand und China zu verkürzen, und auch Direktflüge von Israel nach Saudi-Arabien zu gestatten, um dem islamisch-israelischen Bevölkerungsteil einen leichteren Zugang zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina zu ermöglichen.

Diplomatischer US-Erfolg?

Wie amerikanische und israelische Quellen, die ungenannt bleiben möchten, bestätigen, befinden sich die Verhandlungen im Moment in einer heiklen Phase und seien von einem erfolgreichen Abschluss noch weit entfernt. Dass die bis jetzt geheimen Gespräche nun öffentlich bekannt wurden, kommt dem amerikanischen Präsidenten Joe Biden sehr ungelegen, war es doch sein strategischer Plan, bei seiner wichtigen Reise in den Nahen Osten Ende Juni – geplant sind laut arabischen Quellen Treffen mit den Staatsführern von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Oman, Katar, Kuwait, Ägypten, Jordanien und dem Irak – gemeinsam mit Saudi-Arabien das bis dahin hoffentlich abgeschlossene Abkommen und die damit verbundene Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel der Weltöffentlichkeit im Sinne eines außenpolitischen US-Erfolgs zu verkünden. Diesen hätte der Präsident auch dringend notwendig, gibt es doch auch zwischen den USA selbst und Saudi-Arabien gehörige Spannungen, nicht zuletzt wegen der amerikanischen Anschuldigung gegenüber Saudi-Arabien, im Jahr 2018 den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi in Auftrag gegeben zu haben.

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