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Gaza-Opfer: Auch neue UNO-Statistiken scheinen nicht zu stimmen

Farhan Haq, stellvertrtender Sprecher von UN-Generalsekretär Antonie Guterres, bei einer Pressekonferenz zu den Opferangaben aus Gaza
Farhan Haq, stellvertrtender Sprecher von UN-Generalsekretär Antonie Guterres, bei einer Pressekonferenz zu den Opferangaben aus Gaza (Quelle: JNS)

Die Zahl der »nicht identifizierten« Opfer unter Frauen und Kindern übersteigt die Gesamtzahl dieser Opfer, was bedeuten würde, es gäbe keine »nicht identifizierten« männlichen Todesfälle.

Mike Wagenheim

Einen Tag, nachdem ein UN-Sprecher die um fast hundert Prozent zu hohen Zahlen bestätigter Todesfälle von Frauen und Kindern im Gazastreifen auf den »Nebel des Kriegs« zurückführte, erklärten die Vereinten Nationen, die Gesamtzahl der Todesopfer sei aber gleich geblieben.

Nachdem die Medien in der vergangenen Woche über die Aussagen berichtet hatten, mit denen der stellvertretende Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres zu erklären versuchte, warum seine Organisation die Opferzahlen von Kindern und Frauen um 42 bzw. 50 Prozent reduzierten, versuchte Farhan Haq auf einer Pressekonferenz am Montag, die Position der Vereinten Nationen klarzumachen.

Die von der Hamas angegebene Gesamtzahl habe sich nicht geändert, die Terrororganisation sich jedoch dafür entschieden, die angegebenen Toten entweder als »identifiziert« oder »nicht identifiziert« einzustufen. »Ich glaube nicht, dass die [neuen] Daten dazu gedacht sind, zur früheren Aufschlüsselung der Zahlen zurückzukehren«, sagte Haq etwas umständlich über die aktualisierten Angaben.

»Wie wir deutlich gemacht haben, sind diese [früheren] nicht die verifizierten Zahlen, während es die neuen aber sind. Klar ist, dass die Zahlen in allen Kategorien steigen werden, wenn die nicht identifizierten Leichen identifiziert werden«, fügte der UN-Sprecher hinzu. »Das ist Teil eines Prozesses, der sicherstellen soll, dass die Zahl der Toten in allen Kategorien ordnungsgemäß überprüft wird.«

Allerdings wurde weder aus den UNO-Angaben noch aus Haqs Erklärungsversuchen klar, was die Kategorie »nicht identifizierter« Todesfall bedeutet. Das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium erklärte am 6. April, es verfüge über »unvollständige Daten« für mehr als 11.000 der Todesopfer, die es angeblich dokumentiert habe. Das bedeutet, dass wichtige Daten wie Identitätsnummer, vollständiger Name, Geburts- oder Sterbedatum fehlten.

Mathematisch unmöglich

Das UN-Büro des Koordinators für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) berief sich auf Zahlen der Hamas, als es am 6. Mai von insgesamt 34.735 Todesopfer, darunter mehr als 9.500 Frauen und mehr als 14.500 Kinder, sprach. Zwei Tage später zitierte das OCHA ebenfalls Hamas-Angaben und meldete, dass von den insgesamt 34.844 Todesopfern 24.686 »identifiziert« seien, darunter 4.959 »identifizierte« Frauen und 7.797 »identifizierte« Kinder.

Zusammengenommen deuten die OCHA-Meldungen vom 6. und 8. Mai darauf hin, dass es mindestens 4.541 »nicht identifizierte« Frauen und mindestens 6.703 »nicht identifizierte« Kinder gibt und damit mindestens 11.244 »nicht identifizierte« Frauen und Kinder zusammen.

Aber wie kann es sein, dass es, addiert man die Zahlen der entsprechenden Kategorien, 11.244 »nicht identifizierte« tote Frauen und Kinder geben soll, während es laut denselben OCHA-Zahlen vom 6. Mai – subtrahiert man die 24.686 »identifizierten« von den 34.844 als Gesamtzahl angegebenen Opfern – doch zugleich nur insgesamt 10.158 »nicht identifizierte« Todesfälle geben soll, in denen ja auch die »nicht identifizierten« männlichen Opfer inkludiert sein müssen?

Nicht nur übersteigt also die Zahl der angeblich »nicht identifizierten« Frauen und Kinder die Gesamtzahl der angeblich »nicht identifizierten« Todesopfer. Die Zahlen bedeuten zugleich auch, dass es keine »nicht identifizierten« männlichen Todesopfer geben soll, während, sie zugleich erklären, vierzig Prozent aller »identifizierten« Todesopfer seien erwachsene Männer, wonach unter den 10.518 »nicht identifizierten« rund 4.200 männliche Opfer sein müssten.

Und nicht nur das: Die von der OCHA übernommenen Hamas-Zahlen würden auch bedeuten, dass es keine »nicht identifizierten« Opfer unter den älteren Menschen gibt; eine Kategorie, die laut derselben acht Prozent aller »identifizierten« Opfer ausmacht, womit sich rund 850 ältere Menschen unter den angegebenen 10.518 »nicht identifizierten« Todesopfern befinden müssten. Berücksichtigt man diese Zahlen der Männer und älteren Menschen, müsste die Zahl der »nicht identifizierten« Frauen und Kinder bei rund 5.500 liegen – und damit deutlich niedriger als die 11.244 sich aus den OCHA-Zahlen ergebenden.

Systematisch falsche Zahlen

Die Direktorin des Touro Institute on Human Rights and the Holocaust und Präsidentin von Human Rights Voices, Anne Bayefsky, erklärte gegenüber dem Autor, dass die Vereinten Nationen »seit dem 8. Oktober systematisch falsche Zahlen über palästinensische Opfer in die Welt gesetzt haben. Ihre Quelle war immer die Hamas, wohl wissend, dass die Hamas ein ureigenes Interesse daran hat, bei den Zahlen zu lügen.«,

So ignoriere die UNO, dass die Hamas »die Opferzahlen von Zivilisten und Kämpfern zusammenrechnet, wohl wissend, dass die Tötung von Hamas-Kämpfern legal ist und die Rechtmäßigkeit ziviler Opfer von ganz anderen Standards abhängt. Und diese stellen sie obendrein auch noch falsch dar«. Die »so genannten ›humanitären‹ Zahlen der Weltorganisation zählen den israelischen humanitären Bedarf mit Null«, fügte Bayefsky hinzu. »Das ist keine Mathematik. Das ist Antisemitismus.«

Der und Forschungsdirektor der Foundation for Defense of Democracies, David Adesnik, erklärte gegenüber dem Autor, es sei seit Monaten bekannt, dass das Medienbüro der Regierung (GMO) in Gaza, von dem die UNO bis in die jüngste Vergangenheit ihre Zahlen bezog, »unmögliche Behauptungen über die Zahl der in Gaza getöteten Frauen und Kinder aufstellt.«

Die Zahlen des GMO seien »haarsträubend sogar im Vergleich zu denen des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza, das seine eigene Erfolgsbilanz der Fälschung hat«. Während man von der Hamas aber erwartet, dass sie lügt, »ist es viel schwieriger zu erklären, wie die angeblichen Experten der UNO so lange so leichtgläubig sein konnten.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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