Wenn an einer deutschen Universität zur Globalisierung der Intifada aufgerufen wird, sollte der Alarm nicht erst dann losgehen, wenn israelische Journalisten mit Hausverbot belegt werden.
Am 15. Juli fand an der Freien Universität Berlin (FU) eine Veranstaltung unter dem Titel »Wie wir die Intifada globalisieren« statt. Organisiert wurde sie von der Hochschulgruppe »Waffen der Kritik« im selbstverwalteten AStA-Gebäude in Dahlem. Inhaltlich ging es laut den Veranstaltern um »Solidarität mit Palästina«. Bei näherer Betrachtung muss die Veranstaltung jedoch auch als Einladung zum gewaltsamen Kampf gegen Israel verstanden werden, garniert mit der Relativierung des Holocausts und offenem Hass auf »Zionisten«.

Dass eine Veranstaltung mit diesem Titel in den Räumlichkeiten der Universität stattfinden konnte, ist ein strukturelles Problem. Während sich die Universitätsleitung auf angeblich »rechtlich begrenzte Eingriffsmöglichkeiten« in studentisch verwalteten Räumen zurückzieht, berichten Medien wie die B.Z. – Die Stimme Berlins von Äußerungen, die juristisch durchaus relevant sein dürften – etwa, wenn der eingeladene Aktivist Mo Alattar in seiner Rede Zionisten mit Nationalsozialisten gleichsetzt:
»Ich sage zu allen Zionisten, ob die anwesend sind oder nicht: Ihr seid ekelhaft, ihr erinnert mich nur an die Nazis vor 80 Jahren, die den Holocaust rechtfertigen mit allen Argumenten. Ihr erinnert mich an die ekelhaften Nazis, die das Leid von Juden rechtfertigen mit allen Argumenten. Ihr erinnert mich an die ekelhaften Nazis, die das Leid von Juden rechtfertigen und mitgemacht haben.«
Der Relativierung des Holocausts steht damit im Raum, doch die Universitätsleitung der FU reagierte auf Kritik mit Relativierungen und Ausweichmanövern: Man prüfe, so heißt es, und werde gegebenenfalls die nötigen Schritte ergreifen.
»Die Freie Universität Berlin stellt sich weiterhin entschieden gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus. Antisemitische und rassistische Äußerungen oder Vorfälle werden mit juristischen Mitteln entgegengetreten. Sollte es im Verlauf der Veranstaltung zu Äußerungen kommen, die eine strafrechtliche Relevanz haben, wird die Universitätsleitung umgehend die zuständigen Behörden informieren und weitere Mittel prüfen.«
Währenddessen wurden auf dem Campus Sticker der antisemitischen Israelboykott-Bewegung BDS und Material verteilt, das die Legitimität Israels infrage stellt, sowie Journalisten der Zugang verweigert.
Rauswurf von jüdische Journalist an der FU Berlin!
Zionisten gleich Nazis? Holocaust-Vergleiche in Uni-Räumen?Bei einer Veranstaltung im FU-Gebäude wurden Journalisten offenbar gezielt selektiert – betroffen waren unter anderem ein israelischer Reporter @Alon_David_ sowie ein… pic.twitter.com/mnh8nkXTrN
— Iman Sefati (@ISefati) July 15, 2025
Eine Polizeiaktion gab es wohl kurzzeitig, aber Ermittlungen wurden bislang nicht aufgenommen. Von den Veranstaltern gab es am Tag darauf ein wenig reflektiertes Statement, man spricht – in einem mittlerweile offensichtlich gelöschten Instagram-Posting – davon, »sich nicht einschüchtern zu lassen« oder die »Springer-Presse zu enteignen«.

Was heißt hier Intifada?
Dass eine Veranstaltung unter dem Titel »Wie wir die Intifada globalisieren« an einer Hochschule laufen konnte, ist bedenklich genug. Der Begriff steht nicht, wie gerne behauptet wird, lediglich für »Aufstand« oder gar für »Emanzipation«. Er ist historisch und politisch eindeutig konnotiert mit den zwei palästinensischen Intifadas von 1987–1993 und 2000–2005, die geprägt waren durch Terroranschläge, Messerattacken und gezielte Tötungen israelischer Zivilisten. Der Begriff ist untrennbar mit Gewalt, Terror und antisemitischen Ausschreitungen verbunden. Ihn zu romantisieren oder in einem akademischen Rahmen zu normalisieren, ist gefährlich und verantwortungslos.
Wer dazu aufruft, diese Bewegung zu »globalisieren«, sendet ein klares antizionistisches und antisemitisches Signal. Eine solche Protestbewegung kann nicht als friedlich verstanden werden, sondern als Konzept, den antisemitischen Vernichtungskrieg zu exportieren. Die studentische Linke tarnt unter den Augen der Universitätsleitung diesen Vernichtungswunsch als antikolonialen Aktivismus, rhetorisch verpackt als legitimer Diskurs.
Klage gegen Universität
Dass die Freie Universität Berlin so zögerlich reagiert, ist alleine schon deshalb kritikwürdig, weil parallel die laufende Klage des jüdischen Studenten Lahav Shapira gegen sie läuft. Laut Medienberichten fühlt sich Shapira von der Universität nicht geschützt. So muss er sich etwa mit anderen jüdischen Studenten zusammenschließen, um gemeinsam in die Mensa gehen zu können. Seine Sicherheitsbedenken sind keine Einbildung, sondern eine Reaktion auf den realen Antisemitismus, der auf dem Campus grassiert, vor allem aus dem linken, »palästinasolidarischen« Milieu.
Shapiras Klage macht deutlich, was viele Juden an deutschen Hochschulen seit dem 7. Oktober 2023 täglich erleben: reale Bedrohungen, Isolation und strukturelles Ignorieren. Die Universität kontert mit Allgemeinplätzen und verweist auf ihre »Grundsätze gegen Antisemitismus«. Doch wenn diese Grundsätze in der Praxis nichts wert sind, weil Räume wie der AStA de facto exterritoriale Zonen für Israelhass darstellen, dann handelt es sich dabei nur um PR-Floskeln.
Offene Fragen
Von einer Hochschule wie der FU Berlin erwartet man nach einem solchen Vorfall eine klare Haltung und keine Ausflüchte. Die Veranstaltung »Wie wir die Intifada globalisieren« ist kein Ausdruck kritischer Wissenschaft, sondern ein Bruch mit dem Auftrag universitärer Bildung. Wer Journalisten Hausverbote erteilt, antisemitische Inhalte duldet und sich hinter dem Begriff der »Selbstverwaltung« versteckt, entzieht sich nicht nur der Verantwortung, sondern beschädigt das Vertrauen in die Institution selbst.
Die Verharmlosung oder Unterstützung radikaler, gewaltverherrlichender Narrative darf in keiner deutschen Bildungseinrichtung Platz haben. Gerade mit Blick auf die historische Verantwortung Deutschlands ist diese Entwicklung nicht nur unverständlich, sondern beschämend. Es ist höchste Zeit für einen klaren Schnitt, für Transparenz und Konsequenzen.






