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Frankreich: Antisemitismus als Nebenwirkung des Coronavirus

Dieudonne machte sich mit der Verballhornung „ShoAnanas“ bereits über die Vernichtung der europäischen Juden lustig
Dieudonne machte sich mit der Verballhornung „ShoAnanas“ bereits über die Vernichtung der europäischen Juden lustig (© Imago Images / PanoramiC)

Der Antisemitismus plagt die französische Gesellschaft seit Jahrhunderten und ist speziell in Krisenzeiten, etwa im Zuge von Epidemien, immer wieder aufgeflammt – so auch jetzt.

Cnaan Liphshiz, Jewish Telegraph Agency

Im 14. Jahrhundert beispielsweise wurden in Frankreich während der Pestepidemie Juden massakriert, nachdem man ihnen die Verbreitung der Krankheit durch die Vergiftung von Wasserbrunnen vorgeworfen hatte. Allein in der Stadt Straßburg wurden laut dem Buch „Der Schwarze Tod“ des Historikers Robert Gottfried 2.000 Juden auf Befehl des Stadtrats lebendig verbrannt. Während diese Art von Verschwörungstheorie im Zusammenhang mit Krankheiten längere Zeit nicht mehr virulent war, entfacht nun das Coronavirus diese Form des Antisemitismus in Frankreich wieder. (…)

In den letzten Wochen machte eine Karikatur der jüdischen früheren Gesundheitsministerin Agnes Buzyn in den sozialen Medien die Runde, auf der sie Gift in einen Brunnen schüttet – eines der klassischen antisemitischen Stereotype, das schon während der Pest zu Pogromen führte. Die Karikatur wurde zehntausende Male geteilt. Ein weiteres viral gegangenes Bild zeigt Buyzins Kopf auf den „glücklichen Kaufmann“ montiert – eine antisemitische Karikatur, die einen grinsenden Mann zeigt, der seine Handflächen aneinander reibt. (…)

Alain Soral, ein Holocaust-Leugner, der mehrfach wegen der Aufstachelung zum Judenhass verurteilt wurde, erklärte in einem You-Tube-Video, dass das Virus von „der berühmten Gemeinschaft, deren Namen wir nicht nennen dürfen“, benutzt wird, die „auf dem Rücken der Franzosen Kasse machen möchte, indem sie das französische Volk durch die schiere Last der Todesopfer schwächt“. (…) Mit 406.000 Aufrufen war es das zweitbeliebteste Video auf Sorals YouTube-Kanal Kontre Kulture, den er vor acht Jahren gründete.

Dieudonne M’bala M’bala, der antisemitische französische Komiker und Freund von Soral, hat ähnliche Theorien auf seinem YouTube-Kanal gesendet, auf dem Hunderte von Videos zum Abruf stehen. Sein erster Beitrag über das Virus wurde 410.000 Mal aufgerufen – und erreichte damit die höchste Anzahl von Klicks seit mehr als sechs Monaten.

Französischen Massenmedien haben über das antisemitische Geraune über Buzyn berichtet, darunter die Nachrichtenseite Voici und das öffentliche Radio France Inter, das sagte, die Pandemie „löst eine Welle antisemitischer Rhetorik aus“.

An unwanted symptom of the coronavirus crisis in France: Anti-Semitic conspiracy theories

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