Ein kürzlich abgeschlossener deutscher Kaufvertrag für Spike-Raketen ist der jüngste in einer Reihe von Großaufträgen für israelische Waffen durch europäische Nationen.
Yaakov Lappin
Deutschland hat kürzlich einen Großauftrag zur Beschaffung moderner Spike-Panzerabwehrraketen des israelischen Rüstungsunternehmens Rafael abgeschlossen. Laut Verteidigungsanalysten aus Washington unterstreicht dieser Schritt den Trend in Europa, sich angesichts eines möglichen Konflikts mit einem wiedererstarkten Russland mit kampferprobter israelischer Technologie auszustatten.
Laut einer Meldung der israelischen Wirtschaftszeitung Calcalist vom 21. Oktober liegt der Wert des Spike-Raketen-Deals bei rund zwei Milliarden Euro. Die Raketen sind Berichten zufolge für gepanzerte Infanterieeinheiten bestimmt, um ältere Systeme zu ersetzen und die durch den Krieg in der Ukraine aufgedeckten Lücken in der Leistungsfähigkeit zu schließen. Umgesetzt wird der Deal über EuroSpike, ein Joint Venture von Rafael und den deutschen Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Diehl Defense.
Diese Beschaffung ist die jüngste in einer Reihe von Großaufträgen für israelische Waffen durch europäische Nationen, die sich in einem Prozess des Wiederaufbaus ihrer eigenen Verteidigungsindustrie und des Ausbaus ihrer militärischen Kapazitäten befinden, während sie gleichzeitig weiterhin Waffen an die Ukraine liefern.
Israelische Strategie
Der Senior Director am Center on Military and Political Power der Foundation for Defense of Democracies (FDD) mit Sitz in Washington, Bradley Bowman, erklärte gegenüber Jewish News Syndicate, dass diese umfassenden Exportvereinbarungen auch ein wichtiger Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie Israels sind.
»Wie in den Vereinigten Staaten können Rüstungsexporte Israel dabei helfen, seine Rüstungsproduktionskapazitäten, sein Lieferantennetzwerk und seine Innovationsunternehmen weiter zu stärken, sodass sie Weltklasse sind und auch dann aufrechterhalten werden können, wenn die Inlandsnachfrage nach dem Auffüllen der Lagerbestände zurückgeht, damit sie auch in Zukunft sofort vorhanden sind, wenn die Inlandsnachfrage wieder steigt«, sagte Bowman, der als Nationaler Sicherheitsberater für Mitglieder des Senatsausschusses für Streitkräfte und des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen tätig war.
Die wachsende Nachfrage aus verbündeten Ländern sorgt dafür, dass Israels Produktionslinien intakt bleiben, das Lieferantennetzwerk auf Herz und Nieren geprüft wird und Unternehmen wie Rafael, Elbit und Israel Aerospace Industries (IAI) ständig innovativ sind.
Israel hat seine eigene Waffenproduktion auch deswegen massiv gesteigert, um eine übermäßige Abhängigkeit von externen Lieferanten, insbesondere den Vereinigten Staaten, zu vermeiden. Im Februar gab das israelische Verteidigungsministerium bekannt, über vierzig Milliarden Euro in die »blau-weiße«, sprich heimische Beschaffung investiert zu haben, was die Verteidigungsindustriebasis des Landes erheblich gestärkt und die externe Abhängigkeit verringert habe.
Europäisches Interesse
Für den stellvertretenden Direktor des Zentrums für militärische und politische Macht bei der FDD, Ryan Brobst, ist das deutsche Geschäft Teil eines klaren und wachsenden Trends seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022, wobei das ausgewählte Waffensystem von großer Bedeutung sei. »Nach Putins erneuter Invasion in die Ukraine im Jahr 2022 haben viele europäische Länder, darunter Großbritannien, Tschechien, Finnland, Polen, Dänemark und Estland, laut Daten des Stockholm International Peace Research Institute ihre Waffenankäufe aus Israel erhöht.«
Die Entscheidung Deutschlands, die israelische Spike-Rakete anzukaufen, sei »bemerkenswert, da sie eine größere Reichweite hat als viele andere Panzerabwehrraketen – ein wichtiges Merkmal, da kleine Drohnen viele Waffensysteme von der Front verdrängt haben. Da Europa daran arbeitet, seine Verteidigung zu stärken, ist der Kauf von Waffensystemen von gleichgesinnten Verbündeten und Partnern ein kluger Zwischenschritt, während der Kontinent daran arbeitet, seine eigene industrielle Verteidigungsbasis aufzubauen«, so Brobst.
Spike ist ein System elektrooptischer, also kameragesteuerter Raketen. Laut dem Erzeuger handelt es sich um eine selbst zielsuchende »Fire-and-Forget«-Mehrzweckrakete mit einer hohen Trefferwahrscheinlichkeit gegen stationäre und bewegliche Ziele. Zu den wichtigsten Varianten gehören die Spike LR2 mit einer Reichweite von fünfeinhalb Kilometern und die Spike ER2, die Ziele in einer Entfernung von bis zu sechzehn Kilometern treffen kann. Die Spike-Reihe wird in 45 Ländern weltweit eingesetzt.
Am 4. Juni gab das israelische Verteidigungsministerium bekannt, dass das Land im Jahr 2024 mit einem Gesamtvolumen von über 12,7 Milliarden Euro einen neuen Rekord bei den Rüstungsexporten aufgestellt hat. Es war das vierte Jahr in Folge, in dem die Rüstungsexporte einen Rekordwert erreichten. Die Daten für 2024 zeigen eine dramatische Verschiebung der Nachfrage, wobei 48 Prozent aller Verkäufe Raketen sowie Flug- und Raketenabwehrsysteme umfassten. Europa bildete mit einem Anteil von 54 Prozent den größten Markt für israelische Rüstungsexportkunden, was einen massiven Anstieg gegenüber 35 Prozent im Jahr 2023 darstellt.
Im November 2023 unterzeichneten Deutschland und Israel einen historischen Vertrag über 3,5 Milliarden Dollar für das Raketenabwehrsystem Arrow 3. Dies ist nach wie vor Israels größter Rüstungsdeal aller Zeiten. Das von Israel Aerospace Industries (IAI) hergestellte System fängt ballistische Raketen im Weltraum ab und war ein entscheidender Faktor für Israels Sieg gegen den Iran im vergangenen Juni, als Teheran schwere Raketensalven auf israelische Städte und strategische Ziele abgefeuert hat.
Doch Deutschland ist nicht das einzige Land, das Bedarf an fortschrittlicher israelischer Luftabwehr hat. Im Jahr 2023 wurde der Verkauf des David’s Sling-Systems von Rafael an Finnland genehmigt. Der Vertrag im Wert von rund 317 Millionen Euro versorgt Finnland mit einem der weltweit fortschrittlichsten Systeme zur Abwehr von Bedrohungen, die von Marschflugkörpern und Drohnen bis hin zu fortschrittlichen ballistischen Raketen reichen.
Russland seinerseits exportiert seit Jahrzehnten Waffen in andere Länder des Nahen Ostens als Israel und war laut dem Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstitut zwischen 2020 und 2024 der einzige Lieferant für den Iran. Der Iran seinerseits ist zu einem wichtigen Lieferanten von Drohnen und Raketen für Russland geworden, die gegen die Ukraine eingesetzt werden.
Yaakov Lappin ist Korrespondent und Analyst für militärische Angelegenheiten in Israel, hausinterner Analyst am MirYam-Institut, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alma-Forschungs- und Bildungszentrum und am Begin-Sadat-Zentrum für strategische Studien an der Bar-Ilan-Universität sowie Autor von Virtual Caliphate – Exposing the Islamist State on the Internet. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)






