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Erziehung zum Hass (Teil 6): Mathematik und Naturwissenschaften

Indokrinierung in Mathematik und Naturwissenschaften: Die Physik der Steinschleuder (Wissenschaften und Leben, 7. Klasse, Teil 1, 2020, S. 57)
Indokrinierung in Mathematik und Naturwissenschaften: Die Physik der Steinschleuder (Wissenschaften und Leben, 7. Klasse, Teil 1, 2020, S. 57)

Sogar in Schulbüchern für Mathematik und Naturwissenschaften werden palästinensische Kinder mit gewaltvollen Narrativen indoktriniert.

In den vergangenen fünf Wochen haben wir mit zahlreichen Beispielen belegt, wie in den aktuellen Schulbüchern der Palästinensischen Autonomiebehörde ein falsches und dämonisierendes Bild des Judentums gezeichnet wird, wie jeder jüdische Bezug zu Palästina geleugnet und der Staat Israels als restlos verbrecherisches Unternehmen diffamiert wird, wie die Schüler statt zu Frieden und Koexistenz zum Hass auf und ewigen Kampf gegen den jüdischen Staat erzogen werden, wie Dschihad und Märtyrertum gelehrt sowie Terroristen glorifiziert werden und wie die Kinder eingetrichtert bekommen, dass Jerusalem exklusiv arabisch sei, die Gefangenen in israelischer Haft geehrt werden müssten und warum die einzige Lösung des palästinensischen Flüchtlingsproblems die uneingeschränkte Rückkehr nach Israel sei.

Wie umfassend die Indoktrination mit Hass und Gewalt ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sie sich keineswegs auf Fächer wie Geografie, Geschichte, Sozialkunde oder den islamischen Religionsunterricht beschränkt, in denen der Konflikt mit Israel naheliegenderweise eine Rolle spielt und auf die eine oder andere Art erörtert werden muss. Wie wir anhand etlicher Beispiele gesehen haben, finden sich einige der problematischsten Beispiele in Lehrbüchern der arabischen Sprache.

Am erschreckendsten ist aber, dass die Erziehung zum Hass sich auch auf Gegenstände wie Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer erstreckt, in denen Politik eigentlich keine Rolle spielen sollte – auch in ihnen werden die Schüler ständig mit gewaltvollen Szenen und dem Kampf gegen Israel konfrontiert.

Rechenbeispiele

Geht es darum, Schülern das Rechnen beizubringen, bieten sich viele harmlose Beispiele an. Um addieren zu lernen, mag ein fiktiver Einkauf am Markt dienen, man könnte Haushaltskosten berechnen und vieles mehr. Die Beispiele, die sich in palästinensischen Schulbüchern finden, sind ganz anderer Art: Nicht mit Früchten oder Geldbeträgen bekommen es die Kinder zu tun, sondern mit Gewalt und Tod.

Im Mathematikbuch für die vierte Schulstufe etwa findet sich neben einem Foto, auf dem mehrere in palästinensische Flaggen gehüllte Särge von einer Menschenmenge getragen werden, folgendes Beispiel:

Berechne die Zahl der »Märtyrer« der beiden Intifadas. (Mathematik, 4. Klasse, Teil 1, 2020, S. 27)
Berechne die Zahl der »Märtyrer« der beiden Intifadas. (Mathematik, 4. Klasse, Teil 1, 2020, S. 27)

»Die Zahl der Märtyrer der Ersten Intifada (der Intifada der Steine) beträgt 1.392, die Zahl der Märtyrer der Al-Aqsa-Intifada beträgt 4.673. Die Zahl der Märtyrer in den beiden Intifadas zusammen beträgt ______ Märtyrer.« (Mathematik, 4. Klasse, Teil 1, 2020, S. 27)

Die Märtyrer spielen auch im Statistikunterricht der 9. Schulstufe eine Rolle, in dem die Schüler Häufigkeiten in eine Tabelle eintragen sollen:

»Der Bezirk Jerusalem ist der ständigen Gewalt der israelischen Besatzung gegen die heiligen Stätten des Islam und gegen die palästinensische Bevölkerung ausgesetzt, was zum Verlust von Eigentum und Menschenleben führt. Die Zahl der Märtyrer im Bezirk Jerusalem im Zeitraum von 1994 bis 2015 beträgt laut dem Palästinensischen Zentralamt für Statistik 156 Märtyrer. Die Zahl der Märtyrer ist nach Jahren wie folgt aufgeteilt.« (Mathematik, 9. Klasse, Teil 1, 2020, S. 86)

Rechnen lernen die Schüler nicht nur anhand von »Märtyrern«, auch palästinensische Gefangene in israelischen Haftanstalten sind beliebte Beispiele. In der 3. Klasse lautet eine Aufgabe:

»2014 war die Zahl der Häftlinge 6.500, 2015 waren es 6.800. In welchem Jahr war die Zahl der Häftlinge größer?« (Mathematik, 3. Klasse, Teil 1, 2020, S. 13)

Im selben Buch findet sich auch folgende Rechnung:

»Jedes Jahr am 17. April findet der Tag der Häftlinge statt. Die Zahl der Häftlinge seit der Intifada im Jahr 2016 beträgt 90.000, darunter 11.000 Kinder und 14.000 Frauen. Berechne die Anzahl der Kinder und Frauen.« (Ebd., S. 59)

Auch das Dividieren wird an Beispielen geübt, die durch Politik, Gewalt und Tod charakterisiert sind. In der Geschichte des palästinensischen Volkes gebe es viele wichtige Jahreszahlen, darunter 1948 (das Jahr der Flucht); 1988 (das Jahr der palästinensischen Unabhängigkeitserklärung); die »Rede von Abu Ammar«, also Jassir Arafat, vor den Vereinten Nationen 1974 und die Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila 1982. Die Schüler sollen die Jahreszahlen durch 6 dividieren. (Mathematik, 4. Klasse, Teil 2, 2020, S. 20)

In der 5. Schulstufe steht neben einem Bild von Jerusalem, dass die Länge der »Mauer« in der »palästinensischen Hauptstadt« 4,2 Kilometer betrage. Die Schüler sollen die Kilometer in Meter umrechnen. (Mathematik, 5. Klasse, Teil 2, 2020, S. 76)

In der 11. Klasse dienen wieder palästinensische Gefangene als Rechenbeispiel:

»Wenn es 2009 im Mejdo-Gefängnis 640 Betten mehr gab als im Nafha-Gefängnis und die Gesamtzahl der Häftlinge 2.240 betrug, wie viele Häftlinge gab es in diesem Jahr pro Gefängnis?« (Mathematik, Literatur- und Scharia-Schiene, 11. Klasse, 2020, S. 11)

Gleichung mit Leichen

In der 11. Klasse lernen die Kinder mit folgendem Beispiel die Lösung von Gleichungen mit einer Variablen:

»Die Abraham-Moschee [in Hebron] ist eines der wichtigsten religiösen Wahrzeichen in Palästina. Sie wird mit einem der Massaker der zionistischen Besatzung in Verbindung gebracht, dessen Opfer 180 Gläubige waren, darunter Märtyrer und Verwundete.

Berechne die Zahl der Märtyrer und Verwundeten des Massakers, wenn bekannt ist, dass die Zahl der Verwundeten fünfmal so hoch ist wie die Zahl der Märtyrer. Nehmen wir an, dass die Anzahl der Märtyrer des Massakers X Märtyrer ist.

Die Zahl der Opfer des Massakers in Form von X = ______.

Die Anzahl der Märtyrer des Massakers und der Verwundeten in Bezug auf X ist 6X. Warum?

Anzahl der Märtyrer beim Massaker = _____.

Anzahl der Verwundeten des Massakers = _____.« (Mathematik, Literatur- und Scharia-Schiene, 11. Klasse, 2020, S. 4)

Im selben Mathematiklehrbuch dienen schießende israelische »Siedler«, um sich mit Wahrscheinlichkeiten auseinanderzusetzen:

»Einer der Siedler schoss auf Autos, die auf einer der Straßen vorbeifuhren. Wenn die Wahrscheinlichkeit, das Auto mit dem ersten Schuss zu treffen, 0,7 beträgt und der Siedler auf zehn Autos geschossen hat, wie hoch ist dann die Zahl der getroffenen Fahrzeuge?« (Ebd., S. 55)

Die Physik der Steinschleuder

Das 2. Newtonsche Gesetz besagt, einem deutschen Physiklehre-Onlineportal zufolge: »Wirkt auf einen Körper eine resultierende Kraft (…), so wird der Körper in die Richtung der Kraft beschleunigt.« Einige Beispiele aus der Alltagserfahrung illustrieren das Prinzip:

  • »Trittst du stark, also mit großer Kraft gegen einen Ball, so wird der Ball stärker beschleunigt, als wenn du den Ball nur leicht berührst.
  • Einen Handball kannst du mit deiner Armkraft stärker beschleunigen als eine schwere Kugelstoß-Kugel.
  • Zum Abbremsen (Fangen) eines Basketballs musst du eine größere Kraft aufbringen als zum Abbremsen (Fangen) eines Volleyballs.«

Im naturwissenschaftlichen Lehrbuch der Palästinensischen Autonomiebehörde für die 7. Klasse ist ein ganz anderes Beispiel für das 2. Newtonsche Gesetz zu finden. Eine Zeichnung zeigt einen vermummten Palästinenser, der mit einer Steinschleuder auf heranstürmende Soldaten zielt. Darunter werden die Schüler aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten:

»Welche Kräfte wirken auf den [geschossenen] Gegenstand, nachdem er sich vom Ast und der Feder [dem Gummiband] gelöst hat?« (Wissenschaften und Leben, 7. Klasse, Teil 1, 2020, S. 57)
(Wissenschaften und Leben, 7. Klasse, Teil 1, 2020, S. 57)
  • »Welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Dehnung des am Ast befestigten Gummibandes und der Stärke der Spannung, die auf es wirkt?
  • Welche Kräfte wirken auf den [geschossenen] Gegenstand, nachdem er sich vom Ast und der Feder [dem Gummiband] gelöst hat?« (Wissenschaften und Leben, 7. Klasse, Teil 1, 2020, S. 57)

Etwas anspruchsvoller wird die Aufgabe, die sich in einem Schulbuch der 10. Klasse findet:

»Ein junges Mädchen verwendet eine Schleuder (einen mit einer Schnur verbundenen Stein) gegen ein bestimmtes Ziel. Nehmen wir an, die Länge der Schnur sei X, die Geschwindigkeit bei der Freigabe des Steins sei Y und die Zentripetalbeschleunigung sei Z. Wenn das junge Mädchen die Geschwindigkeit der Rotation der Schleuder verdoppelt, aber der Radius konstant bleibt, welchen Wert wird die Beschleunigung Z haben:

A. Z

B. 0,5Z

C. 2Z

D. 4Z« (Allgemeine Wissenschaften, berufsbildende Schiene, 10. Klasse, 2020, S. 55)

Auch zur Erläuterung von Akustik wird ein Beispiel gewählt, das von angeblichen israelischen Untaten handelt. Ein Foto zeigt betende Muslime auf dem Haram asch-Scharif, darunter findet sich eine symbolische Darstellung von Schallwellen auf dem Weg von einem Lautsprecher zu einem menschlichen Ohr. Die Schüler sollen folgendes Szenario diskutieren:

»Die Soldaten der zionistischen Besatzung verbieten, den Gebetsruf (adhan) von den Minaretten der Al-Aqsa-Moschee [mit Lautsprechern] zu verstärken.« (Wissenschaften und Leben, 8. Klasse, Teil 2, 2020, S. 35)

Israel wird für Anomalien bei palästinensischen Föten genauso verantwortlich gemacht (Lebendige Wissenschaften, 10. Klasse, 2020, S. 80) wie für (absichtlich verursachte) Umweltverschmutzung (Allgemeine Wissenschaft, 11. Klasse, 2020, S. 42) und -zerstörung (Sozialwissenschaften, 5. Klasse, Teil 1, 2020, S. 19), Wassermangel (Chemie, 10. Klasse, 2020, S. 65; Mathematik, 7. Klasse, Teil 1, 2020, S. 71; Mathematik, 9. Klasse, Teil 2, 2020, S. 4; Mathematik, 11. Klasse, 2020, S. 63), Strommangel (Mathematik, 11. Klasse, 2020, S. 29) und allgemein für die Schädigung palästinensischer Ressourcen (Sozialwissenschaften, 6. Klasse, Teil 1, 2020, S. 47 ff.).

Das Offensichtliche wegerklären

Wie konnte das Georg-Eckert-Institut (GEI), das im Auftrag der EU-Kommission die palästinensischen Schulbücher untersuchte, angesichts dieser und anderer Beispiele für die umfassende israelfeindliche Indoktrinierung mit geradezu gewaltstrotzenden Inhalten zu dem Schluss kommen, die Bücher »entsprechen UNESCO-Standards und übernehmen Kriterien, die im internationalen Bildungsdiskurs hervorgehoben werden«?

Wie IMPACT-se in einer ausführlichen Kritik der GEI-Studie erläutert, bediente sich das GEI vor allem zweier Tricks, um die Bedeutung der hass- und gewalterfüllten Inhalte gewissermaßen zu neutralisieren. Erstens behauptet es, die Schulbücher würden Hass und Gewalt nicht etwa propagieren, sondern bloß wiedergeben:

»Palästinensische Schulbücher werden produziert und sind verortet in einer Umwelt, die von Konflikten, Besatzung und anhaltender Gewalt geprägt ist. All das spiegelt sich in den Schulbüchern wider.«

Wie die zahlreichen Beispiele in unserer Serie gezeigt haben, ist das selbstverständlich eine hochgradig lächerliche Behauptung: Wer Schüler dazu aufruft, ihr Leben im Dschihad gegen Israel zu opfern, blutige Massaker zu Bestandteilen einer »glorreichen Geschichte« erklärt und Terroristen als Vorbild preist, denen die Kinder nacheifern sollen, der »spiegelt« nicht etwas »wider«, sondern verbreitet Hass und Aufrufe zur Gewalt.

Das GEI verurteilt nun gewalttätige Inhalte nicht, sondern erklärt sie zweitens zu einer Stärke der Schulbücher: Gerade in Mathematik und in naturwissenschaftlichen Fächern seien »Real Life Connections« (RLC), also Beispiele aus der alltäglichen Lebenserfahrung, entscheidend für den Lernerfolg der Schüler, da durch sie die Relevanz des Erlernten deutlich werde. RLC sind »Inhalte, die sich auf Aspekte des täglichen Lebens beziehen, um die Naturwissenschaften und Mathematik mit der vertrauten Umgebung der Schüler zu verknüpfen«.

Nun könnte man einwenden, dass man zur Illustration physikalischer Gesetze nicht ausgerechnet auf Steinschleudern zurückgreifen müsste, sondern sich auch viele andere, friedfertige Alltagsbezüge bieten. Doch dieser Einwand zählt für das GEI nicht – weil die Schüler angeblich täglich mit Gewalt konfrontiert seien, wäre die Inklusion gewalttätiger Inhalte eine pädagogische Notwendigkeit. Und mehr noch: Solche Beispiele wegzulassen, würde die Glaubwürdigkeit der Bücher untergraben und »das Risiko beinhalten, den Lehrplan [für die Schüler] bedeutungslos zu machen«.

Mit diesem Argument gibt es freilich kaum einen Inhalt, der als untragbar eingestuft werden könnte, und das GEI verschließt völlig die Augen davor, in welchem Ausmaß die Indoktrination der Kinder in den Schulen dazu beiträgt, den Konflikt zu verewigen und die Kinder zu dem Hass und der Gewalt zu erziehen, die in den Schulbüchern angeblich nur widergespiegelt wird.

IMPACT-se bringt es auf den Punkt:

»Der Zweck solcher Inhalte ist es, den palästinensischen Schülern eine konfliktorientierte Sichtweise des Universums zu vermitteln, in der selbst die Gesetze der Mathematik, Physik, Chemie und Biologie nicht unabhängig vom Konflikt gesehen werden können, sondern vielmehr dazu dienen, dessen Allgegenwart, die Bösartigkeit des israelischen ›Feindes‹ und die Gerechtigkeit der palästinensischen nationalen Sache zu untermauern.«

Bisher erschienen:

Prolog: Erziehung zum Hass: Eine Mena-Watch-Analyse palästinensischer Schulbücher
Teil 1: Die Darstellung von Juden und jüdischer Geschichte
Teil 2: Israel wird zugleich geleugnet und dämonisiert
Teil 3: Kein Frieden, keine Koexistenz
Teil 4: Lobpreisung von Gewalt und Terrorismus
Teil 5: Jerusalem, Gefangene und Flüchtlinge

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