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Erdogans Krieg gegen die Kurden ist auch ein Krieg gegen den Westen

Der türkische Präsident Erdogan (© Imago Images / Xinhua)

„Vielleicht weil ‚Kurdenfeindschaft’ zu den Dingen gehört, die die türkische Öffentlichkeit zusammenschweißen, ist die Regierung breit unterstützt worden. Selbst Zeitungen, die nicht der direkten Kontrolle der Regierung unterstehen, sind dabei: ‚Den Terroristen die eiserne Faust, den Zivilisten ein Olivenzweig’ (Haberturk); ‚Die ganze Türkei ist eine einzige Faust’ (Hurriyet); ‚Die türkische Nation steht hinter euch’ (Posta); ‚Wir erschossen die Verräter’ (Sozcu). Einer der Oppositionsführer erklärte: ‚Wir vertrauen unserer Armee vollauf, und wir unterstützen die Militäroperation von ganzem Herzen.’ Der Direktor des führenden Wirtschaftsverbands erklärte: ‚Unsere Herzen sind mit den türkischen Streitkräften in ihrem gerechten Krieg gegen den Terrorismus.’“ (Umut Özkırımlı: „Turkey’s Afrin offensive an instrument of domestic politics“)

„Die Türkei führt in Syrien auch einen Stellvertreterkrieg gegen die Vereinigten Staaten. Welche Bedrohung für die Türkei von der kurdischen Enklave in Afrin ausgegangen sein soll, ist unklar. Von dem Gebiet gingen im Vergleich zu den anderen Kurdengebieten im Norden Syriens bislang keine besonders irritierenden Aktivitäten gegen die Türkei aus.

Die übrigen nordsyrischen Kurdengebiete befinden sich überwiegend östlich des Euphrat. Dort hat die Präsenz der USA den syrischen Kurden, die Washington bei der Vertreibung des Islamischen Staats aus Raqqa unterstützten, Deckung geboten. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass die Einflusszone der Vereinigten Staaten in Nordsyrien östlich des Euphrat liegt. Afrin liegt deutlich weiter im Westen. (…)

Eines ist jedoch sicher: sollte der türkische Präsident Erdogan diesen Schachzug, wie etliche Beobachter meinen, in erster Linie aus innenpolitischen Gründen getan haben, ist sein Kalkül zumindest kurzfristig aufgegangen. Der aufgeputschte antikurdische Nationalismus könnte ihm eine massive Mehrheit bescheren, sollte er vorgezogene Wahlen fordern.

Gegenwärtig sind die Wahlen für 2019 geplant. Angesichts der drohenden Wirtschaftskrise könnte die Zeit bis dahin ihn schwächen, doch zur Zeit ist er der Oberbefehlshaber, der die türkische Psyche im großen Stil anspricht. Seine Anhänger gehen fest davon aus, dass der gegenwärtige Kampf tatsächlich gegen die Vereinigten Staaten gerichtet ist. Ihres Erachtens führt Washington einen Stellvertreterkrieg gegen die Türkei und nutzt dazu die Kurden.

Ein türkischer Sieg in Afrin wäre nicht nur ein Sieg gegen die Kurden, sondern in erster Linie einer gegen Washington (und den Westen). Sämtliche potenzielle Herausforderer Erdogans pflichten ihm bei und unterstützen seinen Krieg, da sie sich davor fürchten, die nationalistische Stimmung in der Öffentlichkeit gegen sich aufzubringen. Sämtliche Stimmen des Widerspruchs, alle die statt Krieg Frieden fordern, werden entweder unterdrückt und verhaftet oder, was das schlimmste ist, als ‚Verräter’ und ‚ausländische Agenten’ denunziert. In der Türkei steht es im Moment nicht gut um die Vernunft.“ (Cengiz Çandar: „Turkey, Russia wage proxy war against Washington in Syria“)

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