Die internationalen Bemühungen zur Beendigung des Krieges im Sudan wurden wieder aufgenommen, nachdem der sudanesischen Regierung eine neue Initiative unter Führung der USA unterbreitet worden war.
Der saudische Fernsehsender Al-Sharq TV berichtete unter Berufung auf informierte Quellen, dass der auch von Saudi-Arabien unterstützte Vorschlag der US-Regierung »auf einer schrittweisen Beendigung des Krieges basiert, beginnend mit einer humanitären Waffenruhe, gefolgt von einer Phase der Einstellung der Feindseligkeiten, die zu einem endgültigen und umfassenden Waffenstillstand zwischen der sudanesischen Armee und den Schnellen Eingreiftruppen führen soll«.
Die Quellen gaben an, dass Abdel Fattah al-Burhan, Vorsitzender des Souveränen Rates und Armeechef des Sudan, den Vorschlag mit verschiedenen Partnern im Rahmen laufender Konsultationen und Bemühungen um eine Beendigung des Krieges erörtert habe.
Laut der saudischen Zeitung Independent Arabia sieht die Initiative den Rückzug der Schnellen Eingreiftruppen (RSF) aus den von ihnen gehaltenen Städten und deren Ersatz durch Polizeikräfte vor, die internationaler Überwachung unterliegen sollen. »Der Vorschlag sieht einen schrittweisen Ansatz vor, bei dem eine humanitäre Waffenruhe als praktischer Test für das Engagement [beider Seiten] dient, gefolgt von einer Phase der systematischen Reduzierung der Feindseligkeiten und einem anschließenden umfassenden Waffenstillstand, der einer Bewertung und Überwachung [durch externe Parteien] unterliegt.«
Laut der saudischen Zeitung verschiebt die aktuelle Initiative die Suche nach längerfristigen Übergangsregelungen auf später und räumt der Lösung von sicherheitspolitischen Fragen im Zusammenhang mit den Streitkräften und bewaffneten Verbänden den Vorrang ein. »Diese Entscheidung spiegelt die Erkenntnis wider, dass jeder politische Dialog vor der Stabilisierung der militärischen Arena fragil bleibt und leicht zusammenbrechen kann.«
Die diplomatischen Bemühungen der letzten drei Jahre haben weder zu einem Ende des Krieges noch zu einem Waffenstillstandsabkommen zwischen den sudanischen Streitkräften und den Milizen der Schnellen Eingreiftruppen geführt. Im November lehnte der Armeechef einen Waffenstillstandsvorschlag des Quartetts für den Sudan ab, dem die Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten angehören. Damals bezeichnete al-Burhan den Vorschlag als »inakzeptabel« und das Quartett als »nicht unparteiisch«. Später erklärte er sich zur Zusammenarbeit mit Washington bereit und appellierte an US-Präsident Donald Trump, zur Beendigung des Krieges beizutragen.
Die Rolle der USA: Chancen und Risiken
In diesem Zusammenhang sagte die ägyptische Spezialistin für afrikanische Angelegenheiten Asmaa El-Husseini, dass alle bisherigen Versuche gescheitert seien, weil es keinen starken Willen seitens der internationalen Parteien und auch keine klaren Mechanismen zur Umsetzung der diversen Initiativen gegeben habe. »Ich denke, dass sich die Lage nun klärt und dass es einen amerikanischen Wunsch gibt, einen Wunsch des US-Präsidenten, als starker Friedensstifter aufzutreten, zusätzlich zu den Bemühungen Washingtons, seinen Einfluss in der Region inmitten der Unruhen am Horn von Afrika und im Roten Meer zu stärken.«
El-Husseini merkte an, dass aufgrund dieser Unruhen die strategische Bedeutung des Sudan zunehme, ebenso wie das Interesse der USA, weswegen es im Vergleich zu früheren Initiativen bedeutende Veränderungen gebe was der jüngsten Initiative eine größere Chance auf Erfolg geben könnte.
Der sudanesische Politikwissenschaftler Mohamed Khalifa Siddiq sagte, die Zukunft der Rolle Amerikas im Sudan hänge vom Erfolg der Bemühungen um die Beendigung des Krieges und die Einleitung eines politischen Prozesses ab sowie von der Kontrolle des Waffenflusses und der Zerschlagung der Kriegswirtschaft. »Wenn es der amerikanischen Regierung gelingt, das notwendige Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Elementen herzustellen, könnte dies dazu beitragen, die Präsenz der USA im Roten Meer und in Ostafrika zu festigen.«
Scheitere der amerikanische Ansatz jedoch, werde der Sudan ein offener Schauplatz für die internationale und regionale Machtkonkurrenz bleiben, und der Krieg, der auch ein Stellvertreterkrieg diverser nahöstlicher Akteure ist, könnte endgültig zu einem langwierigen Konflikt eskalieren, der die Machtverhältnisse in der Region neu ordnet, meinte Siddiq abschließend.






