Nachdem sich der Iran international als Paria-Staat fühlt, ist er immun gegen den diplomatischen Druck, den westliche Länder auf ihn ausüben, sodass härtere Maßnahmen notwendig wären.
Yaakov Lappin
In einer raren öffentlichen Erklärung vom 26. Oktober gab der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad die Identität eines hochrangigen Kommandanten der Quds-Truppe der iranischen Revolutionsgarde bekannt, der für ein globales Terrornetzwerk verantwortlich sein soll, das Israelis und Juden ins Visier nimmt und für – gescheiterte – Anschläge in Australien, Griechenland und Deutschland verantwortlich ist.
In der Stellungnahme wurde er als Kommandeur Amar und Leiter des Korps 11000 identifiziert, das unter dem direkten Kommando des Kommandeurs der Quds-Truppe, Esmail Ghaani, steht. Nach Angaben des Büros von Premierminister Benjamin Netanjahu, das die Erklärung im Namen des Mossads veröffentlichte, war Amars Einheit direkt für die versuchten Anschläge in den Jahren 2024 und 2025 verantwortlich.
Die Aufdeckung der Attentatspläne, die sich auf die Rekrutierung von Ausländern und lokalen Kriminellen stützten, um »glaubwürdige Abstreitbarkeit« für das iranische Regime zu gewährleisten, führte zu einer Welle von Verhaftungen und diplomatischen Folgen, darunter die Ausweisung des iranischen Botschafters durch Australien und die Rüge des iranischen Gesandten durch Deutschland.
Wegwerfartikel
Während die Aufdeckung einer von vielen bedeutenden Erfolgen der Geheimdienste im Kampf gegen die globalen Terrorpläne des Irans ist, warnen Beobachter in Israel, dass das iranische Regime solche diplomatischen Sanktionen als nicht weiter relevant betrachtet.
Der ehemalige Leiter der Abteilung für Terrorismusbekämpfung des Mossads und derzeitige Forscher am Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs Oded Ailam erklärte gegenüber Jewish News Syndicate, der Einsatz krimineller Stellvertreter durch den Iran sei eine bewährte Taktik:
»Dieses Vorgehen entspringt der allgemeinen iranischen Auffassung der Rekrutierungs- und Einsatzmethoden für Agenten. Die iranische Methode scheut sich nicht vor der sogenannten ›Fire-and-Forget‹-Rekrutierung. Im Gegensatz zum klassischen westlichen Konzept, den Agenten zu fördern, seine Sicherheit zu schützen und diesen ›Aktivposten‹ langfristig zu erhalten, gibt es dies bei den Iranern nicht. Für die Iraner sind diese Agenten Wegwerfartikel.«
Der Iran betrachte sich bereits als »Paria-Staat« und sei daher immun gegen den diplomatischen Druck, den westliche Länder auf ihn ausüben. Die Iraner »zahlen in ihren eigenen Augen keinen nennenswerten Preis. Für ein anderes Land mag die Ausweisung eines Botschafters eine sehr dramatische und gewichtige Maßnahme sein, für die Iraner ist sie nichts.«
Hätten die diplomatischen Strafmaßnahmen bedeutendere Ausmaße angenommen wie beispielsweise die Beschlagnahmung aller iranischen Vermögenswerte in einem bestimmten Land oder das Verbot von Geschäftsbeziehungen mit iranischen Unternehmen, hätte dies weitaus größere Auswirkungen auf die Iraner gehabt, schätzte Ailam.
Neuer Auftrieb
Das Korps 11000 der Auslandseinheit Quds der Revolutionsgarde und ihr Modell des geringfügigen, aber massiven Terrorismus erhielten im Iran nach dem zwölftägigen Krieg mit Israel im Juni dieses Jahres, in dem mehrere hochrangige Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) eliminiert worden waren, neuen Auftrieb. Die Option geringfügiger internationaler Terroranschläge »wurde für die Revolutionsgarde zu einer bevorzugten Option, da ein Großteil der anderen Optionen einfach nicht mehr existiert. Und deshalb sehen wir definitiv eine Organisation [solcher Anschläge], wir sehen Ressourcen, wir sehen sogar eine Umleitung von Ressourcen in diese Richtung«, beobachtet Ailam.
Trotz der hohen Erfolgsquote der israelischen und westlichen Geheimdienste bei der Vereitelung dieser Pläne befürchtet der Experte, dass der Iran ein Zahlenspiel betreibe, das wahrscheinlich irgendwann zu einem Angriff führen wird. Die Erfolgsquote des Mossads, des israelischen Sicherheitsdienstes Shin Bet und des Militärgeheimdienstes sei zwar sehr hoch,
»aber die Iraner sind nicht dumm. Sie ziehen Lehren, ändern ihre Taktik und arbeiten auch nach dem Prinzip der großen Zahlen. Wenn man ein solches Netzwerk so umfassend aktiviert, ist es unmöglich, dieses hermetisch abzuschotten. Das ist in keiner Weise möglich und es wird immer einen Fisch geben, der durch die Maschen des Netzes schlüpft, und wir werden immer ein, zwei oder drei haben, denen es gelingt, uns oder andere zu täuschen, und das muss berücksichtigt werden.«
Mehr Anstrengung
Für den wissenschaftlichen Mitarbeiter am Misgav-Institut für nationale Sicherheit und zionistische Strategie und Experten für den Iran und den schiitischen politischen Islam sowie für pro-iranische transnationale Netzwerke im Persischen Golf Yossi Mansharof ist die Ankündigung des Mossads von großer Bedeutung, da sie ein antisemitisch motiviertes iranisches Terrornetzwerk aufdecke.
»Zunächst einmal ist es wichtig zu beachten, dass die Ankündigung besagt, dass der hochrangige Offizier Amar, der das Korps 11000 der Quds-Truppe leitet, für einen Mechanismus verantwortlich ist, der Angriffe auf jüdische Ziele fördert und nicht nur auf israelische. Darin lässt sich das antisemitische Motiv erkennen, das ein wichtiger Bestandteil des Bestrebens des iranischen Regimes ist, Israel zu zerstören.«
In den letzten Jahren und insbesondere während des jüngsten Kriegs seien zahlreiche iranische Sabotageakte auf jüdischen Einrichtungen bzw. Personen vereitelt worden. So wurde beispielsweise im Juli letzten Jahres berichtet, dass deutsche Behörden einen dänischen Staatsbürger iranischer Herkunft festnehmen ließen, nachdem er jüdische Einrichtungen und Personen in Deutschland überwacht hatte.
Die öffentliche Entlarvung des iranischen Terrornetzwerks und seines Kommandanten sei laut Mansharof ein direktes Signal an Teheran, das insofern zeitlich abgestimmt war, als es dem Wunsch des Irans nach Vergeltung nach seinen Verlusten im Krieg entgegenwirke. Die Bekanntgabe des Namens von Amar und seiner Einheit solle dem iranischen Regime signalisieren, dass Israel über die zunehmenden iranischen Versuche, Terroranschläge gegen israelische und jüdische Ziele zu initiieren, Bescheid weiß und diese genau beobachtet. Mansharof bezeichnete dies als »einen wichtigen und bedeutenden Erfolg für Israel im Schattenkrieg gegen den Iran«.
Israels Geheimdienst wolle Teheran klar machen, »dass es ›verbrannt‹ ist und seine Durchdringung bis in die Tiefen des Regimes nach wie vor hoch ist, wie schon die Operation Rising Lion gezeigt hat, bei der eine Reihe hochrangiger Sicherheits- und Nuklearwissenschaftler im Iran durch gezielte Angriffe eliminiert wurde. Der aktuelle Zeitpunkt ist nicht überraschend. Teheran will sich an Israel für den schweren und beispiellosen Schlag rächen, den es erlitten hat, und da der Wunsch des Irans, israelische und jüdische Ziele zu schädigen, schon vor dem Krieg bestand, hat die Motivation dafür nur noch zugenommen.«
Zu geringe Abschreckung
Mansharof warnte, dass die Entschlossenheit der Islamischen Republik nach wie vor groß ist und der diplomatische Preis, den sie bisher gezahlt hat, nicht ausreicht, um sie abzuschrecken.
»Angesichts der Intensität, mit der der Iran vorgeht, wie man an den Spionageaffären und Rekrutierungsversuchen israelischer Bürger sehen kann, die in Israel immer wieder aufgedeckt werden, scheint es, dass trotz der israelischen Erfolge die Entschlossenheit Teherans und die intensiven Aktivitäten seiner Geheimdienste und Spionagemechanismen es dem jüdischen Staat nicht erlauben, auch nur für einen Moment mit der Überwachung und Bekämpfung der iranischen Subversion aufzuhören.«
Der Iran-Experte forderte die von den Anschlagsversuchen betroffenen Länder auf, den Iran mit strengeren Maßnahmen für seine Subversion auf ihren Territorien zu sanktionieren, die Teil seines Ziels ist, israelischen und jüdischen Interessen weltweit zu schaden. Es sei wichtig zu beachten, »dass so, wie der Oberste Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, entschieden hat, dass dies ein Krieg der Entschlossenheit ist, auch die westliche Welt unter Führung der Vereinigten Staaten Entschlossenheit im Kampf gegen das iranische Regime zeigen muss.«
Die Bemühungen zur Unterstützung der iranischen Opposition müssten gefördert werden, damit die iranische Bevölkerung ihren Wunsch erfüllen und das diktatorische Regime stürzen kann, fordert Mansharof. »Nur so wird es möglich sein, eine Lösung für die iranische Herausforderung zu finden, die sich nicht nur im Terror, sondern natürlich auch im Atomprogramm, einem ehrgeizigen Raketenprogramm und der brutalen Unterdrückung der Menschenrechte im Iran und überall dort, wo das iranische Regime interveniert, manifestiert.«
Yaakov Lappin ist Korrespondent und Analyst für militärische Angelegenheiten in Israel, hausinterner Analyst am MirYam-Institut, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alma-Forschungs- und Bildungszentrum und am Begin-Sadat-Zentrum für strategische Studien an der Bar-Ilan-Universität sowie Autor von Virtual Caliphate – Exposing the Islamist State on the Internet. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)






