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Die Methode Omri Boehm (Teil 13): Des Großmuftis neue Kleider

Der Mufti von Jerusalem Haj Amin al-Husseini besucht 1943 eine Waffen-SS-Einheit in Bosnien
Der Mufti von Jerusalem Haj Amin al-Husseini besucht 1943 eine Waffen-SS-Einheit in Bosnien (© Imago Images / piemags)

Während Boehm den NS-Kriegsverbrecher und Hitler-Freund Husseini weißwäscht, sieht er an ganz anderer Stelle NS-Kollaborateure. Es sind, nicht überraschend: Juden.

Omri Boehm erzählt, wie wir an vielen Beispielen gesehen haben, eine fiktive Geschichte des Nahen Ostens, in der Juden »Täter« sind, Täter einer angeblich von langer Hand, nämlich seit dem 19. Jahrhundert, geplanten Vertreibung. Araber bzw. Palästinenser hingegen sind ausschließlich Opfer. 

Um diese Illusion zu kreieren, lässt Boehm die arabischen Armeen, die im Mai 1948 den gerade gegründeten Staat Israel überfielen (mit dem erklärten Ziel, einen »Vernichtungskrieg und ein folgenschweres Massaker« zu verüben, »von dem man sprechen wird wie von den Massakern der Tataren oder den Kreuzrittern«, wie der Generalsekretär der Arabischen Liga, Abdul Rahman Azzam Pasha, es ausdrückte), wie von Zauberhand verschwinden. Arabische Akteure werden aus dem historischen Bild wegretuschiert. Boehm lässt auch die aktuellen palästinensischen Terrororganisationen verschwinden. Die Hamas erwähnt er in seinem Buch nur ein einziges Mal – als Opfer israelischer Angriffe.

Dass es Boehms Ziel ist, eine Geschichte Palästinas zu schreiben, in der die Juden als durch und durch schuldig, die Araber hingegen als durch und durch unschuldig erscheinen, zieht sich zwar als roter Faden durch sein ganzes Buch; an wohl keiner Stelle aber ist es so augenfällig wie dort, wo er sich beschwert, dass sich die Gedenkstätte Yad Vashem angeblich zu ausführlich mit Großmufti Amin el-Husseini befasse und zu wenig Augenmerk auf angebliche jüdische NS-Kollaborateure lege. Er schreibt:

»Im Eichmann-Prozess wurden Äußerungen über die angebliche Rolle des Mufti im Holocaust – den er nicht beeinflusste, obwohl er Hitler zweifellos traf und mit ihm sympathisierte – gezielt unter die Zeugenaussagen gemischt. Und in der von Yad Vashem herausgebrachten Enzyklopädie des Holocaust ist ihm ein fünfseitiger Eintrag gewidmet. Diese ausführliche Behandlung erfährt sonst nur Hitler selbst, dem ebenfalls fünf Seiten vorbehalten sind. Anscheinend war der Mufti für den Holocaust nicht weniger zentral.«

Der letzte Satz ist erkennbarer Sarkasmus: Husseini war wohl so schlimm wie Hitler, hihihi. Boehm spricht von der angeblichen Rolle des Mufti im Holocaust – so, als wäre diese keine historische Tatsache, sondern ein Gerücht. Er versteigt sich zur These, Husseini habe den Holocaust nicht einmal »beeinflusst« (in der englischen Fassung seines Buches heißt es sogar: »He had nothing to do with the Holocaust.«). 

Husseini habe Hitler lediglich »getroffen» – wohl zufällig auf der Straße – und mit ihm »sympathisiert«. Der Fall zeigt, welch weite Wege Boehm geht, geht es darum, Geschichtsklitterung zu betreiben, immer mit dem selben Ziel: die Araber Palästinas von jeder Schuld reinzuwaschen, um alle Schuld den Juden zu geben.

Völlig unbedeutend?

Husseini war seit den frühen 1920er Jahren auf vielfache Weise für Massaker verantwortlich, indem er im britischen Mandatsgebiet Palästina zu Pogromen aufstachelte: in Jaffa 1921, in Jerusalem, Hebron und Safed 1929 und während des sogenannten »arabischen Volksaufstands« 1936 bis 1939. Diese antijüdische Gewalt war es, welche die Briten dazu brachte, die angeblich »exzessive Einwanderung« (Zitat aus dem Passfield-Weißbuch von 1930) von Juden nach Palästina einzudämmen, bis hin zu dem berüchtigten Weißbuch vom Frühjahr 1939, das die Immigration auf nur noch 15.000 pro Jahr beschränkte. 

In just dem Moment also, als die Juden Europas vor der Vernichtung standen, wurden ihnen in dem Land, das nach dem Willen des Völkerbunds ihr sicherer Hafen hätte werden sollen, die Tür zugeschlagen, der Fluchtweg abgeschnitten. Zu den direkten Opfern dieser Politik zählen etwa die fast 800 jüdischen Flüchtlinge, die am 24. Februar 1942 im Schwarzen Meer ertranken, nachdem ihr Schiff, die Struma, von einem sowjetischen Torpedo zerstört worden war. Zuvor hatten die türkischen Behörden das seeuntüchtige Schiff von Istanbul aufs offene Meer geschleppt. Auf Druck der Briten war den Juden die Weiterreise nach Palästina untersagt worden. Die britische Regierung wiederum stand unter dem Druck der vom Großmufti angefachten Gewalt.

Jeglichen Kompromiss über Palästina lehnte Husseini ab. Im September 1937 berief er eine Konferenz im syrischen Urlaubsort Bludan ein, an der 424 in ihren Gesellschaften hoch angesehene muslimische Männer aus Syrien, Palästina, dem Libanon, Transjordanien, dem Irak, Saudi-Arabien und Ägypten teilnahmen. Geleitet wurde die Versammlung vom früheren irakischen Premierminister Naji al-Suweidi. Jedem Teilnehmer wurde eine antisemitische Broschüre ausgehändigt, die später auch vom NS-Regime für Propagandazwecke eingesetzt werden würde: Judentum und Islam.

Die Konferenz erklärte, Palästina sei »die heilige Region unseres Vaterlands« und ein integraler Bestandteil der arabischen Nation. Der Vorschlag der Peel-Kommission, Palästina zwischen Juden und Arabern zu teilen, wurde verurteilt als Versuch, die Einheit der Araber zu untergraben. Nach Beginn des Holocaust tat Amin el-Husseini alles, damit möglichst kein einziger in Europa von Vernichtung bedrohter Jude Palästina erreichte. Am 28. Juni 1943 schrieb er Briefe an den rumänischen und den ungarischen Außenminister. Beide hatten denselben Inhalt:

»Ich bitte Ihre Exzellenz, mir zu erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit zu lenken, die Juden daran zu hindern, Ihr Land Richtung Palästina zu verlassen. Sollte es Gründe geben, die ihre Entfernung notwendig machen, dann wäre es viel besser und absolut vorzuziehen, sie in andere Länder zu schicken, wo sie unter aktiver Kontrolle wären, z. B. in Polen. So kann der Gefahr vorgebeugt werden, die von ihnen ausgeht und gegenüber den arabischen Völkern eine gute Tat verübt werden, die sie zu schätzen wissen werden.«

Einschätzung von Historikern

Statt nach Palästina sollten die Juden nach Auschwitz geschickt werden. Nach grober Übersicht habe der Mufti »bis zu 100.000 slowakische, rumänische, bulgarische und insbesondere ungarische Juden, die vielleicht noch nach Palästina, Schweden, der Türkei und auch Südamerika hätten auswandern können, direkt an der Flucht vor den Gaskammern gehindert«, schrieb der Historiker und ehemalige Bevollmächtigte des deutschen Auschwitz-Komitees, Klaus von Münchhausen, 1990 in einem Beitrag für die Zeit

In ihrem Buch Nazis, Islamists, And The Making of The Modern Middle East resümieren die Historiker Barry Rubin und Wolfgang Schwanitz die Rolle Husseinis so:

»Und da jeder Jude, der aus Europa herausgelassen wurde, später nach Palästina hätte gehen können, machte al-Husseini klar, dass, wenn Hitler die Muslime und Araber als Verbündete haben wolle, er den Ausgang für Juden aus Europa schließen musste. Gleichzeitig erklärten Husseini und die arabischen Herrscher den Briten, dass, wenn sie die Araber und Muslime nicht zum Feind haben wollten, sie den Eingang nach Palästina für Juden schließen müssten. Indem er an beiden Fronten erfolgreich war, hatte al-Husseini doppelten und direkten Anteil am Holocaust, von Anfang an.«

Als Dauergast Hitlers war Husseini direkt in den Holocaust involviert. Was er in Berlin tat, kann man in einem anderen Beitrag von Wolfgang G. Schwanitz nachlesen: Husseini drängte Hitler, keine Auswanderung von Juden aus Europa mehr zu erlauben. Nach der Wannseekonferenz erklärte ihm Eichmann persönlich in seinem Kartenraum die Pläne der »Endlösung«.

Nach dem erwarteten Sieg der deutschen Truppen in Nordafrika und dem Nahen Osten sollte Husseini die dortige Vernichtung der Juden leiten. In einem Brief an Außenminister Ribbentrop vom 28. April 1942 erklärt Husseini die »Bereitschaft des arabischen Volks zur Teilnahme am Kampf gegen die gemeinsamen Feinde bis zum Endsieg« und bekennt sich zur »Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina«. Auf Fotos kann man sehen, wie Husseini zusammen mit Nazigrößen – unter ihnen Unterstaatssekretär Martin Luther, ein Teilnehmer der Wannseekonferenz – ein Konzentrationslager besichtigte; mutmaßlich handelt es sich um Trebbin, ein Außenlager des KZ Sachsenhausen.

Das vom Historiker Klaus Gensicke verfasste Buch Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten ist das Standardwerk über die Zusammenarbeit zwischen dem Großmufti und dem NS-Regime. Gensicke schreibt, Husseini »schaltete sich immer dann besonders aktiv ein, wenn er befürchtete, es könnten Juden der Vernichtung entkommen«. Weiter führt Gensicke aus:

»Es ist unstrittig, dass Mitarbeiter des Mufti in Eichmanns Dezernat waren. Was die ›Judenausrottung‹ betraf, war der Mufti bestens informiert und verfolgte genau den ganzen Ablauf. Er stand voll und ganz hinter dem Wahn der Endlösung der Judenfrage‹ und schürte obendrein durch hetzerische Radiokampagnen die Stimmung der Araber gegen die Juden.«

Yehuda Bauer, einer der führenden Holocaust-Forscher, schreibt:

»In Übereinstimmung mit der geltenden politischen Strategie der Deutschen war Eichmann dagegen, Juden nach Palästina auswandern zu lassen. Er berief sich auf Verpflichtungen der Deutschen gegenüber ihrem arabischen Verbündeten in Palästina, dem Mufti von Jerusalem. Der Einfluss des Mufti trug zur Radikalisierung der mörderischen anti-jüdischen Politik der Nationalsozialisten bei.«

Im Juli 1945 setzten die Vereinten Nationen Husseini auf die Liste der gesuchten Kriegsverbrecher. Der Hintergrund war, dass Husseini in Bosnien die muslimische Waffen-SS-Division »Handschar« organisiert hatte, die für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich war, darunter an Muslimen, die ihr die Gefolgschaft verweigerten. Husseini war auch die treibende Kraft hinter dem pro-nazistischen Putsch im Irak, der im Juni 1941 zu dem Farhud genannten Massaker an Hunderten von Juden führte.

Einige der umgebrachten Juden, deren Ermordung Husseini unterstützte, sind namentlich bekannt: Miriam Balinska, geboren 1933. Doba Beder, geboren 1934. Josef Lancewicki, geboren 1934. Michel Kacew, geboren 1932. Chana Garfinkel, geboren 1933. Hejer Boskies, geboren 1933 und ihr kleiner Bruder Gecel Boskies, geboren 1937. Es sind die Namen von mehr als tausend jüdischen Kindern aus dem Ghetto Bialystok.

Im August 1943 wurden sie nicht etwa direkt zur Vernichtung in das rund 400 Kilometer entfernte KZ Auschwitz transportiert, sondern in das 700 Kilometer entfernte Theresienstadt. Das NS-Regime verhandelte zu dieser Zeit nämlich mit der britischen Regierung darüber, diese Kinder nach Palästina ausreisen zu lassen, im Tausch gegen Geld oder deutsche Kriegsgefangene. Yehuda Bauer schreibt:

»Am 27. August traf sich Wisliceny (SS-Hauptsturmbannführer Dieter Wisliceny, von 1940 bis 1944 ›Beauftragter für jüdische Angelegenheiten‹ für die Slowakei, Ungarn und Griechenland; S. F.) mit der Arbeitsgruppe und erklärte, er müsse neue Anweisungen abwarten. Er berichtete auch, seine Vorgesetzten bereiteten gerade den Transport von 5000 Kindern von Polen nach Theresienstadt vor, 2000 von ihnen seien bereits unterwegs.

Wenn er über diese Information verfügte, muss er mit Eichmann gesprochen haben, denn im August kamen tatsächlich tausend Kinder aus Bialystok in Theresienstadt an. Die Idee, diese Kinder nach Palästina abzuschieben, lehne Eichmann allerdings ab, denn Hadsch Amin al-Husseini, der Mufti von Jerusalem und der Führer der arabisch-palästinensischen Nationalbewegung, der 1941 nach Deutschland geflohen war, sei dagegen. Der Mufti spiele eine wichtige Rolle, und er dränge auf die Ausrottung der Juden.«

Ob diese Kinder wirklich nach Palästina hätten ausreisen dürfen, wenn Husseini nicht dagegen gearbeitet hätte, ist Spekulation. Fest steht aber, dass Husseini sich bei Eichmann und den Verbündeten des NS-Regimes dafür einsetzte, dass möglichst kein Jude vor der Vernichtung nach Palästina entkommen konnte.

Und Omri Boehm?

Boehm bestreitet Husseinis Schuld und stellt die These auf, dieser sei am Holocaust doch nicht wirklich beteiligt gewesen. Yad Vashem sollte sich nicht so sehr mit ihm beschäftigen, fordert er. Und dass Husseini im Eichmann-Prozess ein Thema war, kann Boehm sich nur damit erklären, dass, wie oben zitiert, »Äußerungen über die angebliche Rolle des Mufti im Holocaust … gezielt unter die Zeugenaussagen gemischt« worden seien. Die Wortwahl lässt an einen Falschspieler denken, der die Spielkarten manipuliert. 

Während Boehm den NS-Kriegsverbrecher und Hitler-Freund Husseini weißwäscht, sieht er an ganz anderer Stelle Kollaborateure, mit deren Rolle sich Yad Vashem dringend beschäftigen müsse. Es sind, nicht überraschend: Juden. Boehm schreibt:

»Wie wir gesehen haben, widmet Yad Vashems Holocaust-Enzyklopädie dem palästinensischen Großmufti dieselbe Aufmerksamkeit wie Hitler; für Stern aber hat sie keinen Eintrag.«

Gemeint ist Avraham Stern, der Anführer der militanten Gruppe Lechi (»Stern-Gang«), die die britische Herrschaft mit terroristischen Mitteln bekämpfte und u. a. das britische Kabinettsmitglied Lord Moyne ermordete. 

Boehm sieht in Stern das Symbol einer angeblichen Kollaboration von Zionisten und Nazis. Als Beleg dafür dient ihm ein Brief, den Stern im Januar 1941 an den deutschen Botschafter in Ankara schickte. Darin bot er dem Deutschen Reich seine Unterstützung im Kampf gegen die Briten an, wenn dieses die europäischen Juden nach Palästina ausreisen ließe. Zu dieser Zeit wusste man in Palästina noch nichts von einer »Endlösung«, aber de facto hatte der Holocaust bereits begonnen – in Polen etwa gleich nach dem Einmarsch der Wehrmacht im September 1939.

Jener Brief ist der Forschung bekannt, er wurde 1989 auch gegen den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Shamir eingesetzt – Shamir nämlich war ein Lechi-Mitglied gewesen. Was beweist der Brief? Es war nichts anderes als ein verzweifelter Versuch, Juden vor der Vernichtung zu bewahren. Dass Stern anbot, die Briten in Palästina zu bekämpfen, kann man schwerlich als Kollaboration bezeichnen, denn das tat er ja ohnehin (so, wie auch Mahatma Ghandi in Indien seinen Kampf gegen die Briten nicht unterbrach, um Großbritannien im Krieg gegen die Achsenmächte zu unterstützen). Boehm schreibt:

»Die Enzyklopädie unterschlägt jedoch lieber, dass Zionistenführer den Nazis ihre Zusammenarbeit auch im deutlichen Bewusstsein einer ideologischen Kontinuität anbieten konnten. Stern ist einer der ideologischen Väter von Netanjahus Likud-Partei.« Man müsse »dem Bestreben, diesen Brief zu ignorieren, entgegentreten, weil eine solche Ignoranz genau die Logik stärkt, aus der heraus er geschrieben wurde: Glorifizierung des Zionismus bis zu dem Punkt, an dem man eine nationalistische, antisemitische Politik toleriert.«

Was Boehm nicht wissen will, ist, dass die zionistische Bewegung Tausenden von Juden das Leben gerettet hat, indem sie ihnen zur Flucht nach Palästina half. Es wären viel mehr gewesen, hätte sich der Mufti nicht bemüht, eben dies zu verhindern. Francis Nicosia, der Raul Hilberg Distinguished Professor of Holocaust Studies an der University of Vermont, schreibt, »die etwa 80.000 deutschen, österreichischen und tschechischen Juden, die zwischen 1933 und 1941 legal und illegal nach Palästina einwandern konnten, stellen 80.000 potenzielle Opfer des nationalsozialistischen Völkermords dar, die gerettet wurden«.

Dies bringt antizionistische Ideologen wie Omri Boehm in Verlegenheit. Darum verleumdet er die Motive der Zionisten und erfindet eine »Kollaboration«.

Wovon Boehm nichts wissen will

Fassen wir zusammen: Der eine, Husseini, hat als Hitlers Gast alles dafür getan, zu verhindern, dass Europas Juden durch Flucht nach Palästina der Ausrottung entkommen. Der andere, Stern, hat geglaubt, er könne sie – oder einige von ihnen – durch Verhandlungen mit dem NS-Regime retten und nach Palästina bringen. Boehm wäscht Husseini von seiner Verantwortung für die Ermordung von Juden rein, während er meint, dass Sterns Brief viel bekannter gemacht werden müsse, um einer angeblichen »Glorifizierung des Zionismus« entgegenzuwirken. 

Wie der wegen seines Antisemitismus aus der britischen Labour-Partei ausgeschlossene ehemalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone behauptet Boehm eine Kollaboration zwischen Zionisten und Nazis. Boehm will den Zionismus und Israel in die Nähe des NS-Regimes rücken (im selben Zusammenhang schreibt er, Stern sei »einer der ideologischen Väter von Netanjahus Likud-Partei«).

Aber auf Husseini lässt er nichts kommen. Klarer könnte Boehm nicht zeigen, dass es ihm nicht um eine friedliche Koexistenz von Juden und Arabern geht – ein Gedanke, der Husseini ein Graus gewesen wäre –, sondern um die Verleumdung des Zionismus und das Weißwaschen selbst der schlimmsten palästinensischen Kriegsverbrecher, wie Husseini einer war. 

Wie Hassan al-Banna, der Gründer der Muslimbruderschaft, im Jahr 1946 schrieb: 

»Der Mufti ist Palästina und Palästina ist der Mufti. […] Dies ist der Mann, der das Empire herausforderte und den Zionismus bekämpfte, mit der Hilfe von Hitler und Deutschland. Deutschland und Hitler sind Vergangenheit, doch Amin al-Husseini wird den Kampf weiterführen.«

Dies ist eine Kontinuität, von der Boehm nichts wissen will.

Literatur:

Yehuda BauerJews for Sale? Nazi-Jewish Negotiations, 1933-1945. New Haven 1994.
Omri BoehmIsrael – eine Utopie. Berlin 2020.
Omri BoehmHaifa Republic: A Democratic Future for Israel. Beyond the Two-State Solution. New York 2021.
Edwin BlackThe Farhud. Roots of the Arab-Nazi Alliance in the Holocaust, Washington 2010.
Klaus GensickeDer Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten. Eine politische Biographie Amin el-Husseinis, Darmstadt 2011.
Jeffrey HerfNazi Propaganda for the Arab World, Ann Arbor 2009.
Klaus M. Mallmann/Martin CüppersHalbmond und Hakenkreuz: Das »Dritte Reich«, die Araber und Palästina, Darmstadt 2010.
Francis NicosiaZionism and Anti-Semitism in Nazi Germany. New York 2008.
Barry Rubin/Wolfgang G. SchwanitzNazis, Islamists, and the Making of the Modern Middle East. New Haven u. London 2014.

Bisher erschienen:

Die Methode Omri Boehm (Teil 1): Juden als Täter
Die Methode Omri Boehm (Teil 2): Geschichtsklitterung
Die Methode Omri Boehm (Teil 3): Unsichtbarmachen arabischer Akteure
Die Methode Omri Boehm (Teil 4): Haifa 1948 und die Vertreibung der Araber, die es nicht gab

Die Methode Omri Boehm (Teil 5): Auslassen von Zusammenhängen, am Beispiel der Schlacht von Lydda 1948
Die Methode Omri Boehm (Teil 6): Die Erfindung eines Vertreibungsplans
Die Methode Omri Boehm (Teil 7): Feldzug gegen das Holocaust-Gedenken
Die Methode Omri Boehm (Teil 8): Yad Vashem als Schaltzentrale des Bösen
Die Methode Omri Boehm (Teil 9): Das Holocaust-Gedenken »mit der Wurzel ausreißen«
Die Methode Omri Boehm (Teil 10): Boehms »Weimar-Moment«
Die Methode Omri Boehm (Teil 11): Pappkameraden aufbauen
Die Methode Omri Boehm (Teil 12): Gegen das »sakralisierte Holocaust-Gedenken«

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