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Oops, they did it again: Die Medien und Israels Angriff in Rafah

Israels Luftschlag in Rafah: Wieder einmal übernahmen die Medien ungeprüft Hamas-Angaben
Israels Luftschlag in Rafah: Wieder einmal übernahmen die Medien ungeprüft Hamas-Angaben (Quelle: IDF)

Ohne wissen zu können, was vor Ort tatsächlich passiert war, meldeten viele internationale Medien, Israel habe ein Flüchtlingslager in einer Schutzzone in Rafah angegriffen.

Israel habe einen als »Schutzzone ausgewiesenen Teil der Grenzstadt in Rafah« angegriffen, hieß es in BR24. »Entsetzen über israelischen Angriff auf Flüchtlingslager in Rafah«, titelte der Deutschlandfunk. »Der israelische Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Gazastreifen entsetzt die Weltöffentlichkeit. Die Kriegstaktik von Benjamin Netanjahu bringt nicht nur Zivilisten in Lebensgefahr, sondern schadet auch dem eigenen Land«, meldete t-online und nutzte dabei den alten Trick der Israelkritiker, so zu tun, als mache es sich, anders als der uneinsichtige Premierminister des Landes, ernsthafte Sorgen um das Wohlergehen des jüdischen Staates. Die Reihe ließe sich fortsetzen.

Wieder einmal meldeten deutsche und internationale Medien also, was sie zu dem Zeitpunkt – außer aus den Erklärungen der Behörden vor Ort in Gaza, also der Hamas, die sofort von einem »Massaker« mit fünfundvierzig Toten sprach, die meisten davon Frauen und Kinder – noch gar nicht wissen konnten und taten dabei so, als stünde außer Frage, was am Sonntagabend in Rafah wirklich passiert war.

Eine der rühmlichen Ausnahmen stellten die ZDF-Berichterstatter Oliver Klein und Nils Metzger dar, die sich am Montag die Mühe machten der Frage nachzugehen: »Hat Israel eine Schutzzone bombardiert?« Ihre Analyse, so heißt es weiter, widerlegt diesen Vorwurf: Die Auswertung von Satelliten- und Agenturbilder ergebe, »dass der Ort des tödlichen Angriffs im Gebiet 2372 und damit außerhalb der Schutzzone [Gebiet 2371] lag«.

Israels Luftschlag: 1,7km von Schutzzone entfernt
Israels Luftschlag: 1,7km von Schutzzone entfernt (Quelle: IDF)

Wieder einmal …

Je länger die am Montag aufgenommenen israelischen Untersuchungen andauern, desto deutlicher zeigt sich, dass auch die übrigen von der Hamas erhobenen und von den Medien so eifrig verbreiteten Vorwürfe nicht stimmen. So erklärte der Sprecher der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) Daniel Hagari nun in einer Pressekonferenz, das Militär untersuche, ob es in der Nähe des Angriffs gelagerte Munition der Hamas, war, die das verheerende Feuer am Sonntagabend ausgelöst haben könnte.

Bei seinem auf präzisen Geheimdienstinformationen basierenden Angriff auf ein von der Hamas genutztes Gelände in Rafah habe Israel die hochrangigen Hamas-Terroristen Yasin Rabia und Khaled Nagar ausgeschaltet. »Leider brach nach dem Angriff aufgrund unvorhergesehener Umstände ein Feuer aus, das in der Nähe befindliche Zivilisten aus dem Gazastreifen in den Tod riss. Trotz unserer Bemühungen, die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung während des Angriffs so gering wie möglich zu halten, brach das Feuer unerwartet und unbeabsichtigt aus«, beschrieb Hagari die Geschehnisse, die er als »verheerenden Vorfall, den wir nicht erwartet haben», bezeichnete.

Hagari zeigte Bilder vom Ort des Geschehens, das mehr als anderthalb Kilometer von dem als sichere Zone ausgewiesenen Gebiet al-Mawasi entfernt liegt, und erläuterte, die IDF hätten auf eine geschlossene Struktur rund 180 Meter abseits der dort befindlichen Zelte gezielt. Entgegen den von der Hamas gemachten Angaben seien bei dem gezielten Angriff keine 2.000-Pfund-Bomben eingesetzt worden, sondern zwei kleine Sprengköpfe mit siebzehn Kilogramm. »Dies ist die kleinste Munition, die unsere Jets einsetzen können«, erläuterte Hagari, der hinzufügte, »unsere Munition allein hätte ein Feuer dieser Größe nicht entfachen können«, wie es nach dem Angriff dann geschehen ist.

Dementsprechend konzentrieren sich die israelischen Ermittlungen nun auf die Frage, was ein derart großes Feuer ausgelöst haben könnte. Alle Möglichkeiten würden geprüft, so Hagari, »einschließlich der Option, dass Waffen, die in einem Lager neben unserem Ziel gelagert wurden und von denen wir nichts wussten, sich infolge des Angriffs entzündet haben könnten«.

Israels Luftschlag in Rafah: Raketenwerfer in unmittelbarer Nähe des Ziels
Israels Luftschlag in Rafah: Raketenwerfer in unmittelbarer Nähe des Ziels (Quelle: IDF)

… stimmte so gut wie gar nichts

Die Hamas operiere seit dem 7. Oktober in diesem Gebiet, erläuterte der IDF-Sprecher, der zum Beleg eine Aufnahme präsentierte, auf der Abschussrampen 43 Meter vom Zielort entfernt zu sehen sind, von denen aus die Hamas seit dem Massaker vom 7. Oktober Raketen auf Israel abgefeuert hatte.

Die IDF prüfe auch »Filmmaterial, das von Bewohnern des Gazastreifens in der Nacht des Angriffs gemacht und in den sozialen Medien gepostet wurde und das sekundäre Explosionen zu zeigen scheint, was darauf hindeutet, dass es in dem Gebiet Waffen gegeben haben könnte«.

Darüber hinaus habe der Nachrichtendienst Telefongespräche abgefangen, welche die Annahme untermauern, »dass in einem nahe gelegenen Lager deponierte Waffen Feuer gefangen haben«. In dem Mitschnitt sprechen zwei Männer über die Munition, die in Folge des Angriffs in die Luft gegangen sei: »Ja, das ist ein Munitionslager. Ich sage dir, es ist explodiert. Das jüdische Bombardement war nicht stark, es war eine kleine Rakete, denn sie hat kein großes Loch hinterlassen. Und danach gab es eine Menge sekundärer Explosionen«, hört man einen der Palästinenser sagen.

»Selbst wenn wir die Ursache für den Brandausbruch finden, wird das die Situation nicht weniger tragisch machen. Wir haben vor dem Angriff eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um zivile Opfer zu vermeiden. Luftüberwachung, Einsatz spezieller Munition zur Minimierung von Kollateralschäden, Hinausschieben des Angriffs, um die zu Präsenz von Zivilbevölkerung besser einschätzen zu können, und andere Maßnahmen«, sagte Hagari, der abschließend eine »schnelle, umfassende und transparente« Untersuchung versprach.

Auch wenn die tatsächliche Ursache also noch nicht definitiv bestimmt ist, gilt doch bereits als sicher, dass Israel weder eine der von ihm ausgewiesenen Schutzzonen noch ein Flüchtlingslager außerhalb der dieser Sicherheitszone angegriffen hat, sondern das ausgebrochene Feuer ein sogenannter Kollateralschaden, ein – in Netanjahus Worten – »tragisches Unglück« war.

Zu fragen bleibt also, warum internationale Medien wieder einmal sofort die Hamas-Angaben übernahmen und Meldungen in die Welt sendeten, die beim Publikum ungleich stärker hängenbleiben werden als die angesichts der neuen Erkenntnisse nun vielleicht gesendeten Berichtigungen. Wie der Journalist des Tablet Magazine, Armin Rosen, diesen Medien ins Stammbuch schrieb:

»Regelmäßige Erinnerung: Der Angriff auf das al-Ahli-Krankenhaus, die Vergewaltigungen in al-Shifa, das Hilfsgüter-Massaker, die Massengräber, die Hungersnot, die Zahl der Todesopfer in Gaza, die Liste der Opfer, die Behauptung, Israel habe die Hälfte der Gebäude in Gaza zerstört … Jede einzelne dieser Lügen fällt bei einer Überprüfung in sich zusammen … Die Hamas ist nicht glaubwürdig … Niemand ist verpflichtet, sich an die erste Version der Ereignisse zu halten, welche die Hamas und ihre Unterstützer vorbringen, zumal sie alle paar Wochen eine neue Gräueltat zu erfinden scheinen.«

Dies ist ein Auszug aus unserem Newsletter vom 29. Mai. Wenn Sie den nächsten Newsletter erhalten möchten, melden Sie sich an!

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