Latest News

Der Song Contest, Israel und die antiisraelische Stimmungsmache

Will wegen Israel den Pokal nicht mehr haben: Song-Contest-2024-Gewinner Nemo
Will wegen Israel den Pokal nicht mehr haben: Song-Contest-2024-Gewinner Nemo (© Imago Images / TT)

Nemo gibt den ESC-Pokal zurück – ein Akt, der vorgibt, moralisch zu sein, in Wahrheit aber die Opfer der Hamas ignoriert und die einseitige, antiisraelische Stimmung im europäischen Kulturraum offenlegt.

Eigentlich sollte beim Eurovision Song Contest (ESC) die Musik die Hauptrolle spielen. Künstler treten an, um ihre Lieder zu präsentieren und ein Publikum aus Europa und mittlerweile aus der ganzen Welt zu begeistern. Doch politische Dissonanzen haben den Wettbewerb zunehmend geprägt, und zwar vor allem infolge des 7. Oktobers 2023, als Mitglieder der Al-Qassam-Brigaden und der Nukhba-Einheit der Hamas sowie Angehörige des Islamischen Dschihads und anderer Milizen rund 1.200 Israelis ermordeten.

Besonders im Gedächtnis bleibt der Überfall auf das Nova-Festival, bei dem 378 Besucher getötet und viele als Geiseln verschleppt wurden. Dieser brutale Angriff hinterließ tiefe Wunden bei den Familien der Opfer, in den Gemeinden, in der gesamten israelischen Gesellschaft und bei der jüdischen Diaspora weltweit.

Der Al-Aqsa-Flut genannte Mordfeldzug der Terroristen hätte in eine Welle der Solidarität des europäischen Kulturbetriebs münden sollen. Schon auch deshalb, weil etliche vom Angriff Betroffene auch Staatsbürger europäischer Länder waren. Stattdessen aber schlug die Stimmung auf dem Kontinent in ESC-Proteste um: Anstelle der Anteilnahme mit den Opfern des Terrors trat der Antisemitismus im glitzernden Gewand der Israelkritik zutage. Da, wo das Brückenbauen vonnöten gewesen wäre, grassierte ein neues Themenfeld der BDS-Bewegung. Der Ausschluss des jüdischen und einzigen demokratischen Staates im Nahen Osten wurde das Ziel, während die Kriegsverbrechen der Hamas ignoriert wurden.

Diese emotionale und politische Spannung erwies sich als Achterbahnfahrt beim heurigen Eurovision Song Contest in Basel. Die israelische Sängerin Yuval Raphael erreichte mit ihrem Song New Day Will Rise den zweiten Platz, wurde aber vor allem vom europäischen Publikum zum klaren Liebling erklärt.

Die Tatsache, dass das Publikum ihr die silberne Trophäe der Herzen zusprach, sorgte in Teilen des Kulturbetriebs sofort für Unmut, Neid und offene Missgunst. Die Künstlerin, bereits im Vorfeld zur Zielscheibe von Protesten geworden, musste schon vor ihrem Auftritt Zuflucht in ihrem Hotel suchen, abgeschirmt von den politisch aufgeheizten Begleitumständen.

Machtwort und Meutern

Angesichts der selektiven Moral, die den Wettbewerb zwei Jahre lang geprägt hat, klang die am 4. Dezember verkündete Entscheidung der European Broadcasting Union (EBU), die Teilnahme Israels am ESC 2026 in Wien erneut zu bestätigen, wie ein befreiendes Machtwort. Es war ein Aufatmen für all jene, die eine Abkehr von der Instrumentalisierung des Kulturereignisses zugunsten einer einseitigen politischen Agenda forderten. Die EBU argumentierte, Israel habe als Mitgliedsland gegen keine Sanktionen verstoßen, und außerdem müsse der Wettbewerb unpolitisch bleiben.

In dieser Debatte hatten sich Österreich, Deutschland und die Schweiz für eine Teilnahme Israels ausgesprochen. Doch diese Klarheit führte zur nächsten Eskalationsstufe: Unmittelbar nach der EBU-Entscheidung kündigten mehrere nationale Rundfunkanstalten die Absage ihrer Teilnahme am ESC 2026 an. Zu den Ländern, die ihren Boykott erklärten und den Ausschluss Israels forderten, zählten Spanien, Irland, Slowenien und die Niederlande. Begründet wurden die Absagen mit der Unvereinbarkeit der israelischen Teilnahme mit dem Grundgedanken eines friedlichen Kulturwettbewerbs und dem Argument, die fortgesetzte Zulassung Israels beinhalte eine politische Verharmlosung der Krise.

Auf ESC gedrückt

Flankiert wurde die politische Absage der Sender durch die persönliche Geste des letzten ESC-Siegers Nemo, eine non-binäre Person, die für die Schweiz mit dem Lied The Code den Wettbewerb gewonnen hatte, die nun die prominente Plattform für öffentlichen Protest benutzt.

Was beim Finale 2024 noch als unglückliches Missgeschick auf der Bühne der Malmö Arena interpretiert werden konnte, als die ESC-Siegertrophäe zerbrach, erlangt also jetzt eine metaphorische Qualität, da Nemo die Rückgabe seines Pokals an die EBU ankündigte. Nemo begründete den Schritt formell und auf die Werte-Klauseln des Wettbewerbs ausgerichtet. Seiner Ansicht nach stünden die Werte von Einigkeit, Inklusion und Würde für alle, die der Eurovision Song Contest zu repräsentieren vorgebe, im Widerspruch zur Entscheidung der EBU, Israel weiter teilnehmen zu lassen.

Es mag mutig klingen, zeugt aber von Feigheit und nicht zuletzt von Opportunismus. Was hat Nemo jemals unternommen, um gegen die Hamas zu protestieren? Ist es Nemo nicht aufgefallen, dass die islamistische Terrororganisation, die nicht einmal die eigene Zivilbevölkerung schützt, kaum für Einigkeit, Inklusion und Würde für alle steht?

Selbst Amnesty International, wahrlich keine Freundin Israels, wirft der Hamas nun »Massaker an Zivilpersonen, sexualisierte Gewalt und Verschleppungen« vor. Im soeben veröffentlichten Bericht von Amnesty International steht geschrieben: »Die Hamas und weitere bewaffnete palästinensische Gruppen haben bei ihrem Angriff auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in großem Ausmaß begangen.«

Nemos inszenierte Pseudo-Solidarität beinhaltet einen Seitenhieb gegen die ermordeten israelischen und internationalen Opfer, darunter queere Menschen, die auf dem Rave-Festival in Re’im Einigkeit, Inklusion und Würde verkörpert hatten. Diese Posse hilft in keinerlei Hinsicht den Menschen im Gazastreifen – von den Propagandisten der Hamas abgesehen. Die bittere Ironie ist, dass der Protest beim ESC die Opfer des Nova-Festivals vergisst, um eine Haltung zu zementieren, die implizit den Aggressor entlastet, der diesen Terrorakt gegen die Musik verübt hat.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!