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Der Kampf gegen Israel im Peloton

Antisemitische Demonstration bei der Abschlussetappe der Spanienradrundfahrt Vuelta
Antisemitische Demonstration bei der Abschlussetappe der Spanienradrundfahrt Vuelta (© Imago Images / Anadolu Agency)

Die Spanienrundfahrt Vuelta wurde wegen massiver Proteste der pro-palästinensischen Szene abgebrochen. Statt sportlicher Bilder dominierten Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten.

Die Vuelta a España, eines der prestigeträchtigsten Straßenradrennen der Welt, hat dieses Jahr nicht mit dem Zielsprint, sondern mit einem Abbruch geendet. Mehr als 100.000 Menschen hatten sich am Wochenende in Madrid zu einer Demonstration versammelt, die in massiven Ausschreitungen mündete. Das Ziel der Proteste war die Präsenz des israelischen Teams Israel-Premier Tech.

Während der dreiwöchigen Rundfahrt kam es regelmäßig zu Aktionen gegen das israelische Team. Blockaden, Banner und Störaktionen reihten sich mit dem erklärten Ziel aneinander, den israelischen Rennstall zur Zielscheibe zu machen. Am Ende entstand ein politischer Ausnahmezustand: Die Schlussetappe in Madrid wurde abgebrochen, die Siegerehrung gestrichen, und statt sportlicher Bilder dominierten Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten die Nachrichten.

Politische Inszenierung

Unter dem Banner des pro-palästinensischen Engagements versammeln sich in ganz Europa Bewegungen, deren Kernanliegen weniger die Solidarität mit einer leidenden Bevölkerung ist als vielmehr die Dämonisierung Israels. Die Proteste entlang der Vuelta richteten sich gegen einen angeblichen Genozid Israels, der auch auf Plakaten, Transparenten und in Slogans skandiert wurde, eingebettet in eine Dramaturgie der Dauerempörung.

Die pro-palästinensisch auftretende Szene weiß, dass mit einem publikumswirksamen Event die eigenen Botschaften möglichst konfrontativ in den öffentlichen Raum getragen werden können. Bestimmte Sportveranstaltungen eignen sich dafür besonders gut, weil die internationale Aufmerksamkeit garantiert ist und die Bilder von blockierten Straßen oder gestoppten Fahrern binnen Sekunden um die Welt gehen.

Hinzu kam bei der Spanienrundfahrt, die nach der Tour de France und dem Giro d’Italia das drittwichtigste Etappenrennen der Welt ist, dass Teile der spanischen Regierung diese Proteste offen begrüßen. Arbeitsministerin Yolanda Díaz sprach von einem »willkommenen Zeichen zivilgesellschaftlichen Engagements«.

Dass dieses Engagement darin besteht, ein internationales Sportereignis lahmzulegen und Gewaltexzesse gegen Polizei und Sportler in Kauf zu nehmen, störte sie offenbar nicht. Die Rhetorik der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, verstärkt durch politische Maßnahmen wie ein Waffenembargo gegen Israel oder das Importverbot für Siedlungsprodukte, trägt dazu bei, dass solche Proteste eine quasi offizielle Legitimation erfahren. Erst vergangene Woche hat Sánchez öffentlich bedauert, dass sein Land keine Flugzeugträger oder Atomwaffen besitze, um Israels Vorgehen in Gaza stoppen zu können.

Israels Regierung spricht in diesem Zusammenhang offen von institutionalisierter Judenfeindschaft in Spanien. Jüdische Organisationen und internationale Beobachter warnen vor einer Normalisierung und Entgrenzung antisemitischer Rhetorik in politischen und medialen Diskursen. Wenn die Teilnahme eines israelischen Teams nicht mehr selbstverständlich, sondern Anlass für Boykottaufrufe und tätliche Angriffe ist, werde ein entscheidender Tabubruch erreicht.

Was in Madrid passiert ist, ist demnach ein Symptom für die Normalisierung von israelbezogenem Antisemitismus in Europa. Unter dem Deckmantel legitimer Kritik wird die Ausgrenzung zum Prinzip. Nicht Israels Politik wird kritisiert, sondern die bloße Präsenz eines israelischen Teams. Dass Regierungsmitglieder Ausschreitungen und Blockaden als demokratischen Ausdruck loben, signalisiert, dass diese Form der Ausgrenzung gesellschaftlich mittlerweile zulässig ist.

Sport versus Politik

Die Vuelta 2025 wird in die Geschichte eingehen, aber nicht als sportliches Spektakel, sondern als Menetekel. Der Gesamtsieg von Jonas Vingegaard geriet zur Randnotiz, während die Bilder von niedergerissenen Absperrungen und blockierten Radfahrern nachhaltig in Erinnerung bleiben werden. Der Sport, der sich gerne als unpolitisch und verbindend inszeniert, diente hier einmal mehr als Bühne für einen Konflikt, der längst nicht mehr allein um den Gazastreifen geführt wird, sondern um die Existenz Israels selbst.

Internationale Sportereignisse können in Europa nicht mehr selbstverständlich stattfinden, wenn israelische Mannschaften beteiligt sind. Für die Gegner Israels mag dies ein Triumph sein. Für den Sport, für die europäischen Demokratien und für die Bereitschaft, jüdisches Leben ohne Einschränkungen zu akzeptieren, ist es ein Debakel.

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