„Der Islamische Staat ist nicht tot, er reorganisiert sich“

„Der ehemalige FBI-Agent und jetzige Terrorabwehrexperte Ali Soufan hat in mehreren Interviews zur Bewerbung seines neuen Buches ‚Anatomy of Terror‘ darauf beharrt, dass der Islamische Staat weiterhin stark und gefährlich sei. Im Gespräch mit der britischen Zeitung The Guardian erklärte Soufan vergangene Woche, der Islamische Staat haben zwar die Kontrolle über sein selbsterklärtes Kalifat im Nahen Osten verloren, doch verfüge die Gruppe über zahlreiche Möglichkeiten, sich neu zu formieren. Bei Al-Qaeda ‚gab es nur das ein Vakuum in Afghanistan‘, von wo aus Osama bin Ladens Organisation operierte und ihre Botschaften verbreitete, so Soufan. ‚Jetzt haben wir es mit so vielen rechtsfreien Räumen zu tun: In Syrien, dem Jemen, Libyen, dem Norden Nigerias, Tunesien, den Philippinen, und es werden immer mehr. Das ist sehr gefährlich‘, warnte er. (…)

[Soufan] hat recht, wenn er vor der Annahme warnt, der Islamische Staat sei erledigt. Der kometenhafte Aufstieg der Gruppe stellte eine Wegscheide in der Geschichte des sunnitischen Terrorismus in der Neuzeit dar. Auch wenn seine Streitkräfte ausgelöscht worden sein sollten, was keineswegs feststeht, wird deren Verlust seine Wirkung und seinen Einfluss auf seinen Millionen Anhänger und Sympathisanten nicht beseitigen. Experten zufolge erweist sich die Gruppe, so wie zuvor Al-Qaeda, als zählebig und imstande, dem massiven militärischen Druck ihrer Feinde zu widerstehen. Es deutet alles darauf hin, dass der Islamische Staat sich zurzeit unter dem Kommando seines Anführers Abu Bakr al-Baghdadi aktiv reorganisiert. (…) Die Führung des Islamischen Staats ist nun aktiv dabei, die langfristige Strategie der Gruppe darzulegen. Ihr Kern scheint ein sorgfältig entworfener ideologischer Rahmen zu sein, der es der Gruppe gestatten würde, den Verlust ihrer territorialen Hochburgen im Nahen Osten zu überleben.

Experten haben der Washington Post gegenüber erklärt, al-Baghdadi vermittele offenbar zwischen verschiedenen sunnitischen Terrorfraktionen und versuche, die seit Langem bestehenden ideologischen Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen auszuräumen. Das vordringliche Ziel bestehe dabei darin, sie alle unter dem ideologischen Dach des Islamischen Staats, aber nicht unbedingt unter einem einzigen starken Führer zu vereinen. Man habe von Al-Qaeda gelernt. Der Markenname der Organisation habe nach dem Ableben Osama bin Ladens unwiederbringlichen Schaden erlitten. Daher habe der Islamische Staat beschlossen die Bedeutung al-Baghdadis und anderer Anführer herunterzuspielen, so die Post. Al-Baghdadi habe sich deshalb in den letzten Jahren still verhalten und dürfte auch nicht wieder öffentlich in Erscheinung treten, unabhängig davon, wie es der Organisation in Zukunft ergeht.“ (Joseph Fitsanakis: „The Islamic State is far from dead; it is regrouping and rebranding itself“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login