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Der Erlösungsantizionismus des iranischen Regimes

Der Antizionismus des iranischen Regimes ist der alte Antisemitismus in neuem Gewand
Der Antizionismus des iranischen Regimes ist der alte Antisemitismus in neuem Gewand (© Imago Images / agefotostock, ZUMA Wire)

Je deutlicher wird, wie tief das iranische Regime in der Krise steckt, desto hysterischer klingen die Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Damit kommt auch immer deutlicher das Wesen dieses Regimes zutage.

In den vergangenen Wochen überboten sich die Vertreter des iranischen Regimes förmlich in ihren Kampfansagen gegen Israel und den Zionismus. Die minimale Zurückhaltung, die es mit Blick auf das Ausland in der Vergangenheit hier und dort noch gegeben haben mag, hat man längst aufgegeben.

Ganz besonders schrill klang jüngst ein hochrangiges Mitglied der Revolutionsgarden. In einer Ansprache erklärte General Mohammad-Reza Naghdi, hinter dem Zionismus stehe seit Jahrhunderten der Satan ganz persönlich als Instrukteur. Während der Leibhaftige Israel leite, läge das Schicksal des Irans in den Händen von Heiligen, und es sei die Mission seines Landes, »Licht in die Herzen der Menschen« zu bringen und das »zionistische Regime« zu zerstören.

Naghdi fasste hier akkurat zusammen, was eigentlich seit dem Machtantritt von Ayatollah Khomenei im Jahr 1979 das offizielle Staatsprogramm der Islamischen Republik ist. Nur wird dies zu gerne von Anhängern von Dialog und Annäherung als »gar nicht so gemeint« oder »etwas übertriebene Kritik an Israel« abgetan, denn nähme man ernst, was solche Leute sagen – und diese wiederum meinen es todernst –, so müsste man anerkennen, dass es sich beim iranischen Antisemitismus um eine kosmische Angelegenheit handelt: um die Vorstellung eines apokalyptischen Ringens zwischen Gut und Böse, das die Sphäre von Politik längst verlassen hat.

Man müsste auch anerkennen, dass dieser Antisemitismus sehr viel mit dem Weltbild der Nationalsozialisten teilt, die ja auch mit den Juden all jene globalen Kräfte vernichten wollten, die Volksgemeinschaft, Frieden und Harmonie zerstören.

Zionismus und Weltjudentum

Karikatur aus der katarischen Zeitung al-Watan, 2002
Anti-Sharon-Karikatur aus der katarischen Zeitung al-Watan, 2002

Was den Nationalsozialisten das Weltjudentum war, ist der Zionismus für die Ideologen der Islamischen Republik (und nicht nur für sie): ein Prinzip, die Verkörperung des Bösen, das, um die Welt zu retten, zerstört und ausgerottet werden muss. Diese Mission steht über allen anderen Zielen, und notfalls erfordert sie eben große eigene Opfer.

Natürlich ist so eine Mission auch nicht verhandelbar, sie stellt vielmehr einen göttlichen Auftrag dar, bei dem es auch darum geht, sich täglich gegen die überall lauernden Kräfte des Satans zu wehren: So lenke der Satan nicht nur Israel, sondern auch die USA und, wir wissen es zu gut auch aus der europäischen Geschichte, finde er unter Frauen besonders leichte Opfer, die sich sich dann dazu verführen ließen, etwa den Hidschab abzulehnen und sich teuflisch-westlichen Sinnenfreuden hinzugeben.

Aus deutscher Geschichte wäre angesichts solch eines eliminatorischen Wahns zu lernen, dass, je bedrängter diese Regime sind, ihre Führer umso stärker dem Wahn verfallen, fühlen sie sich bei dem, was ihnen geschieht, doch nur bestätigt, dass die satanischen Kräfte, denen sie so mutig den Krieg erklärt haben, zum Endkampf rüsten.

Hitlers Testament und Naghdis Rede

Antisemitische Karikatur aus Deutschland (Quelle: Jew in the City)
Antisemitische Karikatur aus Deutschland (Quelle: Jew in the City)

Deshalb sei, kurz vor dem Jahrestag seines Suizids im Führerbunker, daran erinnert, dass Adolf Hitlers letzte Worte, niedergelegt in seinem Testament, als schon russische Granaten auf die Reichskanzlei fielen, sich fast ausschließlich um dieses Thema drehten und er hoffte, dass »sich der Haß gegen das letzten Endes verantwortliche Volk immer wieder erneuern [werde], dem wir das alles zu verdanken haben: dem internationalen Judentum und seinen Helfern!« Schließlich sei es »der eigentlich Schuldige an diesem mörderischen Ringen«.

Auch wenn Mohammad-Reza Naghdi und seine Kameraden diese letzten Worte des deutschen Führers vielleicht nie gelesen haben, inhaltlich dürften sie ihnen voll zustimmen. Nur den alten Spruch, dass die »Juden unser Unglück« seien, würden sie heute entsprechend modernisieren und vom Zionismus sprechen.

Was die Machthaber in Teheran meinen, wenn sie von der Zerstörung Israels sprechen, ist eigentlich seit Jahrzehnten bekannt. Es bedarf dagegen großer Mühen und Anstrengungen, dies nicht verstehen zu wollen. Dabei wäre es eigentlich ganz einfach: Nähme man die so überstrapazierte Rede vom »Nie wieder« und dem »Lernen aus der Vergangenheit« jenseits allfälliger Sonntagsreden auch nur minimal ernst, gälte es, diesem Regime mit aller Macht in den Arm zu fallen, damit es seine göttliche Mission nicht am Ende doch noch erfüllen kann.

Artikel zuerst erschienen bei JungleBlog.

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