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Chiles Präsident: Skandalöser Affront gegen israelischen Botschafter

Der chilenische Präsident Gabriel Boric am Tag der Niederlage seines Verfassungreferendums
Der chilenische Präsident Gabriel Boric am Tag der Niederlage seines Verfassungreferendums (© Imago Images / Aton Chile)

In einem schweren Verstoß gegen das diplomatische Protokoll lehnte Gabriel Boric das Beglaubigungsschreiben des neuen Botschafters mit der Behauptung »israelischer Kindermorde« ab.

Bei einem schwerwiegenden diplomatischen Zwischenfall verweigerte der chilenische Präsident Gabriel Boric am Donnerstag die Annahme des Beglaubigungsschreibens des neuen israelischen Botschafters Gil Artzyeli. Die Ablehnung des israelischen Gesandten durch den Präsidenten stellt einen gravierenden Verstoß gegen das diplomatische Protokoll dar, der die Beziehungen zwischen den beiden Ländern trüben könnte.

Wie das israelischen Nachrichtenportal Ynet berichtete, soll sich Boric, der schon in der Vergangenheit mit antiisraelischen und antisemitischen Aussagen aufgefallen war, zu dem Schritt entschieden haben, weil er verärgert darüber war, dass das israelische Militär in der Nacht zuvor bei Zusammenstößen mit Bewaffneten im Westjordanland einen 17-jährigen Palästinenser getötet hatte. Als Artzyeli während des Formalaktes sein Beglaubigungsschreiben überreichen wollte, habe ihm die chilenische Regierung mitgeteilt, die Zeremonie sei wegen des israelischen »Kindermordes im Gazastreifen« abgesagt worden sei. Zu diesem Zeitpunkt war der israelische Botschafter bereits für die Zeremonie in der Residenz des Präsidenten eingetroffen.

Die chilenischen Behörden behaupteten zwar, die Absage sei keine »Bestrafung« Israels, sondern man habe beschlossen, die Zeremonie auf Oktober zu verschieben. Dennoch war das Vorgehen ein beispielloser Affront gegen den israelischen Botschafter, der sein Amt im Juli angetreten hatte, und wurde von der jüdischen Gemeinde Chiles umgehend als »ernster diplomatischer Zwischenfall« bezeichnet und verurteilt. Das American Jewish Committee bezeichnete den Schritt als »beispiellos« und forderte, Boric müsse sich entschuldigen, ansonsten riskiere er irreparablen Schäden an den israelisch-chilenischen Beziehungen, seiner Verbindung zur chilenischen jüdischen Gemeinde und am internationalen Ruf Chiles.

Der linksgerichtete Boric hatte letztes Jahr mit einem Erdrutschsieg die chilenische Präsidentschaft errungen und damit die jüdische Gemeinde des Landes verunsichert, die er zum jüdischen Neujahrsfest 2019 brüskiert hatte, indem er sie für Israels Politik verantwortlich machte und sie aufforderte, »Israel zu bitten, die illegal besetzten palästinensischen Gebiete zurückzugeben«. Schon als Abgeordneter unterstützte er einen Gesetzentwurf, der den Boykott israelischer Waren von den Golanhöhen, aus den Siedlungen im Westjordanland und den Gebieten Jerusalems vorsah, die 1967 unter israelische Kontrolle kamen.

»Wir sind natürlich bereit, vernünftige Kritik an Israel zu akzeptieren, aber was wir von Boric hören, ist, dass Israel ein ›völkermordender‹ und ›mörderischer‹ Staat sei«, sagte Gabriel Zaliasnik, ein prominentes Mitglied der jüdischen Gemeinde Chiles, während des Wahlkampfes gegenüber Haaretz. »Um die Sache noch zu verschlimmern, macht er unsere jüdische Gemeinschaft für Israels Handlungen verantwortlich.« 2021 wandten sich fünfhundert chilenische Juden in einem offenen Brief an Boric, in dem sie seine antisemitische Gleichsetzung chilenischer Juden mit der israelischen Politik kritisierten.

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