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Israel-Boykott hilft Palästinensern nicht

Durch den Boykott von Soda Stream büßten rund 500 Palästinenser ihren Arbeitsplatz ein
Durch den Boykott von Soda Stream büßten rund 500 Palästinenser ihren Arbeitsplatz ein (Quelle: Kairos USA)

Entgegen dem Gerücht einer Tabuisierung von „Israelkritik “, gibt kaum ein anderes Land, das die deutschen Gemüter öffentlich so sehr „besorgt“ wie der jüdische Staat.

Elio Adler, Süddeutsche Zeitung

Als jüdische Bürgerinnen und Bürger reiben wir uns ungläubig die Augen. In Plädoyers, Essays und Brandbriefen klagen dazu Berufene meist sprachlich hochtrabend: Der Bundestagsbeschluss aus dem Mai 2019 und ähnliche kommunale Beschlüsse, die sich gegen die anti-israelische BDS-Kampagne (Boycott, Divest, Sanction) richten, würden die Meinungsfreiheit unzulässig beschränken.

Es käme zu Einengungen von Diskursräumen sowie einer Beschneidung der Wissenschafts- und Kunstfreiheit. Der zentrale Vorwurf ist dabei, dass Anti-BDS-Beschlüsse die Kritik an israelischer Politik kriminalisieren und „wichtige Stimmen“ mundtot machen würden, indem man diesen Antisemitismus vorwerfe.

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Das ist falsch. Presse, Podien und Politik strotzen vor kritischen Äußerungen gegenüber israelischer Politik. Es gibt kaum ein anderes Land, das die deutschen Gemüter so sehr „besorgt“ wie Israel. Beinahe satirisch wirkt, dass die Boykott-Versteher beklagen, darin boykottiert zu werden, den Staat Israel zu boykottieren.

Sie ignorieren dabei, dass BDS nicht „den Staat“ Israel boykottiert. BDS ist ein Totalboykott von allem Jüdisch-Israelischem, wie Tourismus, Kunst, Sport, Wissenschaft und Wirtschaft. Und obwohl dieser Totalboykott antisemitisch und für das friedliche Zusammenleben von Israelis und Palästinensern schädlich ist, ist so ein Totalboykott nicht verboten – auch nicht nach dem Anti-BDS-Beschluss des Bundestags.

Ebenso ist es nicht verboten, die für westliche Ohren geschönte Legende rund um die Gründung und Absichten der BDS-Kampagne zu glauben. Einzig hat sich der Bundestag fraktionsübergreifend dagegen positioniert, dass diese Haltung durch Steuermittel gefördert wird. Daran stören sich zumeist einschlägig bekannte Kreise. Verständlich ist dieser Widerstand nicht.

Die antisemitische BDS-Kampagne bedroht weiterhin Israels Existenzrecht als jüdischer Staat und leistet Antisemiten weltweit Vorschub, die ihren Hass nur allzu gern als „Israelkritik“ zu tarnen versuchen. Sie ist eine für Extremisten und Terroristen offene Ideologie und hat faktisch noch nichts für eine Verbesserung der Lebenssituation von Palästinensern getan, sondern sich ausschließlich gegen Israel engagiert.

Der Kommentar des Vorsitzenden der Werte-Initiative – jüdisch-deutsche Positionen, Elio Adler, erschien ursprünglich als Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung.

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