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Beschuss von Jerusalem: Der neue Raketentyp der Hamas

Die Hamas präsentiert in einem Video ihren neuen Raketentypus A-120
Die Hamas präsentiert in einem Video ihren neuen Raketentypus A-120 (Quelle: Screenshot)

Die Sicherheitslage in Israel ist wieder einmal eskaliert. Mit den Raketen, die die Hamas gestern aus dem Gazastreifen Richtung Jerusalem abfeuerte, stellt die Terrororganisation handfest unter Beweis: Sie hat aufgerüstet!

Im Sommer 2014 hatte Israels Süden 50 Tage unaufhörlichen Raketenbeschuss zu überstehen. Auch der Großraum Tel Aviv bekam damals einen Vorgeschmack auf ein solches Szenario. Am Montag hingegen war Jerusalem die prominente Zielscheibe.

Wenn eine Demokratie einer Terrororganisation gegenübersteht

Seither sind fast sechs Jahre vergangen. Immer wieder wurde der westliche Negev, der das Zuhause von Zehntausenden israelischen Zivilisten ist, mit Mörsern und Raketen aus dem Gazastreifen beschossen. Für die Menschen Normalzustand, zu dem in unmittelbarer Grenznähe auch die sogenannten Terrortunnel hinzukommen.

Corona war zeitweilig zu verdanken, dass das weiters alltägliches Szenario eine Weile ausblieb. Aber seit einigen Tagen werden im Gazastreifen wieder Luftballons abgesetzt, die mit Brandsätzen bestückt sind. Erst gestern wurden erneut große landwirtschaftliche Nutzflächen, vor allem jedoch ein einzigartiges Naturschutzgebiet mit Flora wie Fauna in Flammen gesteckt und vernichtet.

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Seither hat Israel in diverse Maßnahmen investiert und das Augenmerk vor allem dem Schutz des Lebens seiner Zivilisten gewidmet. Diese bestehen in defensiven Maßnahmen, darunter Schutzwälle für die an der Grenze zum Gazastreifen verlaufende Bahntrasse und seismologische Hightech-Sensoren, die rechtzeitig unterirdische Aushubarbeiten für Tunnel anzeigen.

Viel Geld und Fachwissen investiert Israel auch in die beständige Verbesserung des Raketenabwehrsystems „Iron Dome“, das in den letzten 24 Stunden erneut unter Beweis gestellt hat: Es leistet hervorragende Arbeit, denn es fängt einen hohen Prozentsatz der Raketen rechtzeitig ab, die die radikal-islamischen Organisationen aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten lancieren.

Reichweitensteigerung

Am Montag ereilte es Jerusalem. Kurz nach 18:00 Uhr ertönten die Luftalarmsirenen in Israels Hauptstadt und Umgebung. Die Menschen dort haben maximal zwei Minuten Zeit, Schutz zu suchen. Man braucht sich lediglich die trockene Reichweitenstatistik der letzten zwei Jahrzehnte anzuschauen, um zu verstehen: Die terroristischen Gruppen im Gazastreifen werkeln unerlässlich daran, sich zu steigern.

Israel blickt auf 20 Jahre Raketenbeschuss aus diesem Gebiet. Bis 2011 hagelte es mörderische Geschosse gegen Zivilisten in einer schrittweise auf bis zu einer 45 Kilometern gesteigerten Entfernung vom Gazastreifen. Da im Laufe der Jahre die israelische Wüstenhauptstadt in Reichweite gelangte, erlebte Be´er Sheva zu dieser Zeit einen bis dato ungekannten Raketenbeschuss; in einigen Eskalationsrunden gar Dutzende Geschosse in einer Nacht.

Ab 2012 brachten es die Raketen aus dem Gazastreifen auf eine Reichweite von 75 Kilometern und ab 2014 war die Hamas dann in der Lage, sogar die Einwohner des Großraums Tel Aviv in die Schutzräume zu schicken.

Zugleich zeigte die damalige Eskalationsrunde, dass im Gazastreifen auch Raketen des Typs R-160 gehortet werden. Das „R“ bezieht sich auf Abdel-Aziz Rantissi, einen hochrangigen Hamas-Funktionär, den Israel durch einen Luftangriff 2004 tötete. „160“ steht für die Reichweite in Kilometern. Mit diesem Raketentyps versuchte die Hamas, sich Anfang Juli 2014 sogar bis nach Haifa vorzutasten.

Israel hat gute nachrichtendienstliche Erkenntnisse darüber, was sich in den diversen Waffenarsenalen des Gazastreifens stapelt. Und dennoch sei Hamas und Co. für den gestrigen Beschuss von Jerusalem hiermit ein „Dank“ rübergeschoben, denn jetzt weiß Israel: Man lag richtig mit der Vermutung, dass die Waffenarsenale des Gazastreifens mit einem weiteren neuen Raketentyp aufgestockt worden sind.

Ein Gruß von Raed al-Atar

Gestern am frühen Abend waren sieben Raketen, die aus dem Gazastreifen Richtung Jerusalem abgefeuert worden, der Auftakt für eine Nacht, die Israel weit mehr als 200 Mörser- und Raketenangriffe brachte. Während der Zeit, in die diese Zeilen verfasst werden – den Mittagstunden des 11. Mai – kamen innerhalb von wenigen Minuten weitere 40 Raketen hinzu; eine Salve, mit der die Hamas wieder einmal versuchte, das „Iron-Dome“-Abwehrsystem auszutricksen.

Bei den ersten sieben Raketen, die in einigen westlichen Vororten der israelischen Hauptstadt Sachschaden anrichteten, handelte es sich um einen Gruß, den die Hamas im Namen von Raed at-Atar auf den Weg brachte. Nach ihm benannte diese radikal-islamische Terrorvereinigung ihren neuen Raketentyp A-120.

Der 1974 geborene Raed a-Atar hatte als Kommandeur der Izz ad-Din-al-Qassam Brigaden der Hamas schon vor der Jahrtausendwende in fast allen Aktionen gegen Israel die Finger im Spiel.

Als Kommandeur des Rafah-Abschnittes nahe der Grenze zu Ägypten war er maßgeblich in den Auf- und Ausbau des Netzwerkes der Schmuggeltunnel involviert. Er autorisierte unzählige Abschüsse von Grad-Raketen gegen Israel und hatte 2006 bei der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Shalit das Kommando, der erst 2011 im Zuge der Freilassung von 1.027 palästinensischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen nach Hause zurückkehrte.

Al-Atar, der sich einem Todesurteil entziehen konnte, das die Palästinensische Autonomiebehörde im April 1999 gegen ihn verhängt hatte, kam Ende August 2014 bei einem israelischen Luftangriff in der Region von Rafah ums Leben.

Der nach ihm benannte Raketentyp A-120 ähnelt der R-160-Rakete, bei der es sich um eine lokale Variante des syrischen Khaibar-Raketentyps handelt, auch bekannt als M-302. Mit der A-120, die die Hamas mit einem Videoclip bei der Bestückung der Abschussrampen zur Schau stellte, hat die international als terroristische Vereinigung eingestufte Hamas wieder einmal nicht nur ihre Unermüdlichkeit unter Beweis gestellt, sondern vor Augen geführt, dass nicht nur Kriegsmittel eingeschmuggelt, sondern auch eigenständig an Raketentechnologie gefeilt wird. In diesem Fall hat man vor Ort am Gewicht des Sprengkopfes einer solchen A-120-Rakete gewerkt und gebastelt.

Gestern richteten die A-120-Raketen mit ihren jeweils über 100 Kilogramm schweren Sprengköpfen großen Sachschaden in den westlichen Vororten Jerusalems an. Betroffen von diesem Raed-al-Atar-Gruß der Hamas waren nicht nur Moshawim und Kibbuzim, sondern auch die arabische Ortschaft Abu Gosh. mit einer der größten Moscheen Israels an der Seite von bedeutsamen historischen Stätten des Christentums. Heute fielen dann zwei Israelis in Ashkelon dem neuerlichen Beschuss aus dem Gaza-Streifen zum Opfer.

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