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BDS Boston: Antisemitische Feindesliste mit angehängter Karte

Demonstartion der antisemtischen BDS-Bewegung in Boston
Demonstartion der antisemtischen BDS-Bewegung in Boston (© Imago Images / AFLO)

Die antisemitische BDS-Kampagne veröffentlichte eine visualisierte Zielliste von Bostoner Firmen, Stiftungen, Zeitungen und Politikern, die sie wegen ihrer Unterstützung Israels anklagt und zu deren »Demontage« sie aufruft.

Die Mitglieder des örtlichen Ablegers der antisemitischen BDS-Kampagne in Boston, Massachusetts, sind stolz auf die Grafiken, die sie in Auftrag gegeben haben, und die sie am 3. Juni der Öffentlichkeit präsentierten. »Landkarten« sollen »veranschaulichen, wie die lokale Unterstützung für die Kolonisierung Palästinas strukturell mit Polizeiarbeit, Vertreibungen und Privatisierungen vor Ort und mit US-imperialistischen Projekten weltweit verbunden ist«, heißt es.

Die erste Karte zeigt Massachusetts und die angrenzenden US-Bundesstaaten New Hampshire, Connecticut und Rhode Island. An der Ostküste von Massachusetts gibt es eine Akkumulation von bunten Punkten. Einige der Punkte sind über verschiedenfarbige Linien mit Punkten weiter im Westen verbunden. Eine Legende hat die Karte nicht.

Die zweite Karte zeigt Boston. Viele schwarze Punkte sind in der Innenstadt. Es sieht aus, als hätte jemand die Feinstaubbelastung gemessen und in der Karte markiert, wo sie am höchsten ist.

Die dritte Grafik erinnert an ein Spinnennetz. In dessen Zentrum steht die jüdische Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League (ADL). Zu deren angeblichem Netz gehören die Universität Harvard, die Harvard Medical School, Polizeistationen, zahlreiche Krankenhäuser, die Zoll- und Einwanderungsbehörde, etliche jüdische Stiftungen und auch das FBI.

Die vierte Karte soll laut Überschrift den Grundbesitz von sechs Universitäten in Massachusetts zeigen: Boston University, Harvard, MIT, Northeastern, Tufts und Boston College. Was das soll? Man weiß es nicht. Warum haben die Antisemiten ausgerechnet die renommierte jüdische Brandeis University ausgelassen? Hat sie keinen Grundbesitz? Man weiß es nicht.

Umfassende Feindesliste

Mit Ausnahme der Spinnennetzgrafik, deren antisemitische Aussage dem Betrachter ins Auge springt, sind die Grafiken kryptisch. Sie erwecken den Eindruck, als habe ein Geisteskranker unbeaufsichtigten Zugang zu Visualisierungssoftware gehabt. Doch auf der von BDS Boston verlinkten Website Map Liberation findet sich neben den vier Karten eine lange Liste, die für sich spricht und sicherlich von jedem verstanden wird. Man kann von einer Zielliste sprechen: Firmen, Stiftungen, Zeitungen und Politiker, die angeklagt sind, Unterstützer Israels zu sein.

Darunter sind etwa Gouverneur Charlie Baker, Senatorin Elizabeth Warren und Senator Ed Markey, die Tageszeitung Boston Globe, die Bostoner Polizei, Finanzinstitute wie die Citigroup oder Fidelity, Museen wie das Boston Museum of Scienceoder das Institute of Contemporary Art, Firmen wie Microsoft, Google, Amazon, Boeing und IBM, das israelische Konsulat, jüdische Magazine wie Jewish Boston oder The Jewish Journal, jüdische Kulturvereinigungen wie die Jewish Art Collaborative, die Jewish Teen Foundation, Bostons Synagogenrat, Krankenhäuser wie das Massachusetts General Hospital, Gewerkschaften und Berufsgenossenschaften wie etwa die Vereinigung der Zimmerleute von New England.

Auch die City of Boston selbst wurde nicht vergessen. So gut wie jeder in Boston und Massachusetts ist offenbar ein Freund Israels und steht deshalb auf einer schwarzen Liste.

Klickt man auf die Namen, erfährt man, was den Personen, Firmen und Vereinigungen jeweils vorgeworfen wird. Der bekannte deutsche Kindersitzhersteller Cybex etwa soll vor zehn Jahren, im Jahr 2012, einmal Fitnessgeräte nach Israel geliefert haben. Die Zimmerleute von New England sollen sich für eine »Normalisierung« einsetzen. Der Boston Globe habe einmal eine Kolumne des israelischen Generalkonsuls veröffentlicht, in der dieser vor dem Atomabkommen mit dem Iran gewarnt habe. Die Brauerei Harpoon benutze Wasseraufbereitungstechnologie eines israelischen Unternehmens.

Die Universität Harvard besitze Aktien der Booking Group, auf deren Hotelreservierungswebsite booking.com man auch Unterkünfte in Israel buchen kann. Das Boston Museum of Science wiederum »fördert konsequent den US-Imperialismus und den Zionismus« – so habe es dort vor zwölf Jahren etwa eine Ausstellung über »israelische Innovationen« gegeben. Der Jewish Teen Foundation wird vorgeworfen, im Mai 2021 ein Webinar für jüdische Teenager angeboten zu haben, das wie folgt beworben worden sei:

»Da Teenager aufgrund des eskalierenden Konflikts in Israel mit antisemitischen und antizionistischen Social-Media-Beiträgen und Kommentaren in sozialen Netzwerken konfrontiert sind, wird dieses Webinar dazu beitragen, Teenagern Taktiken zu vermitteln, damit sie wissen, wie und wann man sowohl persönlich als auch in den sozialen Medien antworten sollte.«

Diese teuflischen Juden. Und erst die jüdischen Künstler. Was ihnen vorgeworfen wird? Das muss man wörtlich zitieren, sonst glaubt es keiner:

»Die Jewish Arts Collaborative fördert ›israelische‹ künstlerische und kulturelle Veranstaltungen, die Israel verherrlichen und die Realitäten der kolonialen Unterwerfung der Palästinenser durch Israel und des Diebstahls von palästinensischem Land und Ressourcen beschönigen.

Im Rahmen ihrer Restaurantwoche 2021 sponserte die Jewish Arts Collaborative beispielsweise ›eine israelische kulinarische Tour‹ mit dem Titel ›Taste of Israel‹ unter dem Motto ›Israelisches Essen ist so viel mehr als Hummus und Falafel‹.«

So nämlich kaschiert die zionistische Entität die Realitäten der kolonialen Unterwerfung: Operation Gefilte Fisch. Man könnte darüber lachen, wenn die Ereignisse der letzten Jahre nicht die Gefahr vor Augen geführt hätten, die von solchen Fanatikern und ihrer Internetpropaganda ausgeht – auch in den Vereinigten Staaten.

Antisemitische Anschläge in Massachusetts

Da gab es 2018 das Massaker in der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh mit elf Toten. Dann, Anfang dieses Jahres, die elfstündige Geiselnahme in einer Synagoge in Texas. Auch in Massachusetts selbst werden immer wieder antisemitisch motivierte Terroranschläge verübt:

Es war Glück, dass niemand bei diesen Anschlägen getötet wurde: Die Brandsätze wurden rechtzeitig entdeckt, die Bombe zündete nicht und Rabbi Noginski überlebte die acht Messerstiche.

Und nun setzt BDS Juden, jüdische Organisationen und Synagogen auf eine Liste von zu jagenden »Unterstützern Israels«. Vor BDS hatte auch die islamistische Organisation Council on American-Islamic Relations (CAIR) jüdische Organisationen zu Feinden erklärt. Bei einem virtuellen Spendenbankett, das im November 2021 in Chicago stattfand, gab eine Rednerin die Parole »Kenne deine Feinde« aus. Als »Feinde« der Muslime nannte sie jüdische Studentenverbände und »zionistische Synagogen«.

BDS will Netzwerk demontieren

Mehrere Mandatsträger des US-Repräsentantenhauses haben von der Zielliste von BDS Boston Notiz genommen und diese verurteilt. Der jüdische Abgeordnete Jake Auchincloss (Demokraten, Massachusetts) sagte dem Jewish Insider:

»Das ist für mich einfach erschreckend. Es greift jahrtausendealte antisemitische Klischees über schändlichen jüdischen Reichtum, Kontrolle, Verschwörung, Medienverbindungen und politisches Strippenziehen auf. Namen zu nennen und Listen zusammenzustellen, das hat im Judentum eine sehr finstere Geschichte in Bezug darauf, wie wir angegriffen werden. Es ist sehr unverantwortlich. [Die Gruppe] muss dies aus dem Netz nehmen und sich entschuldigen.»

Seth Moulton (Demokraten, Massachusetts) schrieb auf Twitter:

»Die jüdische Gemeinde so ins Visier zu nehmen, ist falsch und gefährlich. Es ist unverantwortlich. Dieses Projekt ist eine antisemitische Feindesliste mit angehängter Karte.«

Ritchie Torres (Demokraten, New York) twitterte:

»Die BDS-Bewegung hat ›ein Mapping-Projekt‹ zusammengestellt, das jüdische und ›zionistische‹ Institutionen verschiedener Übel in der amerikanischen Gesellschaft bezichtigt. Jemanden zum Sündenbock zu machen, ist ein häufiges Symptom des Antisemitismus, der im Kern eine Verschwörungstheorie ist.«

Der Direktor des Jewish Community Relations Council of Boston, Jeremy Burton, sagte gegenüber dem Jewish Insider:

»Wir sehen dies als einen ausdrücklichen Versuch, physische jüdische Räume im Großraum Boston zu identifizieren, zu benennen und zum Ziel zu erklären, mit dem Zweck, – in ihren eigenen Worten – unsere jüdische Gemeinde hier in Boston zu demontieren.«

Dies, so Burton, könne »andere zu gefährlichen Aktionen inspirieren«. In einem Beitrag auf der Anti-Israel-Website Mondoweiss hatten die Initiatoren des BDS-Karten-Projekts erklärt:

»Unser Ziel bei der Verfolgung dieser kollektiven Kartierung war es, die lokalen Einheiten und Netzwerke aufzudecken, die Verwüstungen anrichten, damit wir sie demontieren können. Jedes Unternehmen hat eine Adresse, jedes Netzwerk kann gestört werden.»

Boston beherbergt die viertgrößte jüdische Gemeinde der Vereinigten Staaten. Nach einer Schätzung von 2015 leben im Großraum Boston 248.000 Juden, das sind sieben Prozent der Bevölkerung.

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