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Balci: »Kulturell und religiös bedingte Geschlechtertrennung« in Berlin

Güner Balci, Integrationsbeauftragte der Berliner Bezirks Neukölln. (© imago images/Müller-Stauffenberg)
Güner Balci, Integrationsbeauftragte der Berliner Bezirks Neukölln. (© imago images/Müller-Stauffenberg)

Für Integrationsbeauftragte Balci hat sich Neukölln einst mit dem Zuzug von Palästinensern aus dem Libanon zum Schlechteren verändert.

Der Spiegel hat Güner Balci zum ausführlichen Interview gebeten. Die Journalistin und Schriftstellerin ist seit 2020 Integrationsbeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln. In die Heimat ihrer Eltern in Südostanatolien, die als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, traut sich Balci seit 2015 nicht mehr, da sie als Kritikerin des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan damit rechnen müsste, bei der Einreise noch am Flughafen verhaftet zu werden.

Mit dem Neukölln, in dem Balci in den 1980er Jahren aufgewachsen ist, hat der heutige Bezirk nicht mehr viel zu tun. Immer schon habe es dort viel häusliche Gewalt und Elend gegeben, aber für Balci war Neukölln damals »wie ein großer Spielplatz«, in dem sie gemeinsam mit Mädchen und Jungen aus vielen Ländern draußen unterwegs war. »Wir waren eine ziemlich diverse Gruppe«, sagt Balci im Rückblick.

Wende zum Schlechteren

Doch im Laufe der Jahre fasste in Neukölln eine »kulturell und religiös bedingte Geschlechtertrennung« immer mehr Fuß. Begonnen habe dies mit der Zuwanderung zahlreicher Palästinenser aus dem Libanon, die eine »sehr patriarchalisch geprägte Kultur« mitgebracht hätten, in der Mädchen »fast unsichtbar« blieben. Die Jungen dagegen, die aus staatenlosen Familien kamen und um die sich niemand gekümmert habe, sind heute teils führende Köpfe der organisierten Kriminalität und haben immer mehr das Sagen im Viertel übernommen. »Wir haben lange unterschätzt, wie groß dieses Phänomen werden würde.«

Als Balci noch jung war, habe es in Neukölln nur eine Moschee gegeben, heute sind es rund dreißig, von denen viele »reaktionär ausgerichtet« seien. Heutzutage gebe es Imame, die »Eheberatung für 14-jährige Mädchen anbieten und es akzeptabel finden, wenn sich ein Mann eine Zweitfrau nimmt«. Manche dieser Moscheen würden von Katar finanziert, andere von der Muslimbruderschaft.

Und die Lage werde immer schlimmer. Gerade würde ein schiitisch-reaktionärer Moscheeverein eine Kita bauen. Der gemeinnützige Träger habe klare Verbindungen zu dieser Moschee, aus deren Gebäude »schwarz verschleierte Frauen herauskommen«. Sind Kinder dort gut aufgehoben, fragt sich die Journalistin. Oft erkenne die Politik zu spät, was hier vor sich gehe, und erst zu einem Zeitpunkt, an dem es keine rechtlichen Möglichkeiten mehr gebe, etwas zu verhindern. Die Toleranz, die in diesen Dingen oft an den Tag gelegt werde, »kann uns noch zum Verhängnis werden«.

Totschlagargumente

Dass ihr wegen ihrer prononcierten Kritik am reaktionären Islam oft »Rassismus« vorgeworfen werden, lasse sie kalt. So etwa, wenn ihr ein linker Aktivist unlängst vorgeworfen habe, NS-Sprache zu verwenden, weil sie sich dafür ausgesprochen habe, Schulklassen stärker sozial zu durchmischen, damit »Kinder aus benachteiligten Familien bessere Chancen haben«. Die Schulen seien »das große Ding«, an dem angesetzt werden müsse: »Da entscheidet sich, in welche Richtung es mit Deutschland gehen wird.«

Beeindrucken lässt sich Güner Balci von Totschlagargumenten wie dem Rassismusvorwurf nicht, denn: »Es führt doch kein Weg daran vorbei, zum Beispiel auch die Probleme, die Migration mit sich bringt, mit klarer Sprache zu benennen und sich damit auseinanderzusetzen.«

Sie selbst lebt übrigens nicht mehr in Neukölln, sondern in einem anderen Stadtviertel, weil ihr »wichtig ist, dass sich meine Tochter frei entfalten kann«.

(Ein Interview mit Güner Balci finden Sie auch hier auf unserem YouTube-Kanal.)

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