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Warum will Bahrain seine Beziehungen zum Iran jetzt normalisieren?

Während Moskau-Besuch: Bahrains König erklärte, sein Land freue sich auf Beziehungsnormalisierung mit Iran
Während Moskau-Besuch: Bahrains König erklärte, sein Land freue sich auf Beziehungsnormalisierung mit Iran (© Imago Images / ITAR-TASS)

In den vergangenen zwei Jahren haben Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait ihre Beziehungen zum Iran normalisiert. Damit war Bahrain bis vor Kurzem die einzige Golfnation, die diesen Schritt noch nicht gesetzt hat.

Vor einigen Tagen berichteten iranische Medien unter Berufung auf den Leiter der Abteilung für politische Angelegenheiten im iranischen Präsidialamt, Mohammad Jamshidi, Bahrain habe nach rund achtjährigen Spannungen via Russland ein Ersuchen um Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik gestellt.

Diese Nachricht folgte auf mehrere öffentliche Erklärungen bahrainischer Beamter, in denen sie ihre Bereitschaft zur Wiederaufnahme der Beziehungen zum Iran zum Ausdruck brachten. So meinte König Hamad bin Isa Al Khalifa kürzlich während eines Besuchs in Moskau, sein Land freue sich auf eine Verbesserung der Beziehungen zu Teheran. Die offizielle bahrainische Nachrichtenagentur zitierte ihn mit den Worten, es gebe keinen Grund, die Wiederaufnahme zu verschieben.

Auch während eines Besuchs in China Ende Mai betonte er sein Ansinnen einer diplomatischen Wiederbelebung und fügte hinzu: »Als Verfechter von Frieden, Toleranz und menschlichem Zusammenleben glauben wir an die Notwendigkeit, einen Ansatz für Dialog und friedliche Diplomatie zu wählen, der auf guter Nachbarschaft und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten beruht.«

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanaani, begrüßte die Worte des bahrainischen Monarchen, die »für die iranischen Behörden von Interesse« seien. Anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi, der im Mai bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen war, dankte Kanaani Bahrain für die Beileidsbekundungen. Bei der Zeremonie in Teheran nahm Bahrains Außenminister Abdul Latif bin Rashid Al Zayani teil.

Es war im Januar 2016, als Bahrain den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Iran ankündigte, nachdem Teheran wiederholt beschuldigt worden war, sich in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen. Nur einen Tag später traf Saudi-Arabien dieselbe Entscheidung, nachdem iranische Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran gestürmt hatten.

Warum gerade jetzt?

In einem Versuch die Frage zu beantworten, warum Bahrain ausgerechnet jetzt die Beziehungen zum Iran reaktivieren will, äußerte der Forschungsbeauftragter für Nahostpolitik am Internationalen Institut für Strategische Studien Hassan Al-Hassan die Ansicht, das Königreich wolle »mit den anderen Golfstaaten, die Beziehungen zum Iran unterhalten oder wiederhergestellt haben, Schritt halten«.

Ein weiterer Grund sei die Schaffung eines direkten Kommunikationskanals, über den bestehende Meinungsverschiedenheiten gelöst und die Möglichkeit einer unbeabsichtigten Eskalation verringert werden können: »Solch ein Kanal kann nützlich sein, um die Beziehungen zu steuern und eine Eskalation im Kontext der wachsenden regionalen Spannungen sowie der Fortschritte im iranischen Atomprogramm zu vermeiden.«

Das Mitglied des bahrainischen Repräsentantenhauses Mamdouh Al-Saleh sagte, die Wiederherstellung der Beziehungen »zum jetzigen Zeitpunkt ist äußerst wichtig, um die Region vor Spannungen und Konflikten zu bewahren und die Brücken zwischen den beiden Ländern so wieder aufzubauen, dass sie zum Abbau von Spannungen und potenziellen Risiken beitragen«. Er gehe davon aus, dass durch den starken politischen Willen auf beiden Seiten und der anhaltenden diplomatischen Bemühungen eine Normalisierung in sehr naher Zukunft liege.

Für den Leiter des bahrainischen Forums für Menschenrechte Baqir Darwish stellt sich die Sachlage etwas anders dar: Ihm zufolge möchte Russland seine Präsenz in der Region verstärken und sieht in seiner Rolle als Vermittler die Möglichkeit, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Zugleich sieht Darwish aber »Hindernisse auf dem Weg zur Normalisierung zwischen dem Iran und Bahrain«, wobei er vor allem »die Situation der schiitischen Gemeinschaft in Bahrain, die laut Teheran diskriminiert wird«, im Fokus hat. Seiner Analyse nach waren genau diese Differenzen in Bezug auf die schiitische Gemeinschaft und der angeblichen Verbindungen zwischen der bahrainischen Opposition und Teheran der Grund für die jahrelange diplomatische Inaktivität zwischen den beiden Staaten.

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