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Arik-Brauer-Publizistikpreis 2025: Der Festakt in Wort und Bild

Erwin Javor und Danielle Spera bei der Moderation des Arik-Brauer-Publizistikpreises 2025
Erwin Javor und Danielle Spera bei der Moderation des Arik-Brauer-Publizistikpreises 2025 (© Michael Poehn)

Ein Abend voller kluger Stimmen und starker Momente. Die Verleihung des Arik-Brauer-Publizistikpreises zum Nachlesen, Nachschauen und Wiederentdecken.

Der Arik-Brauer-Publizistikpreis 2025 wurde am Dienstag im Wiener Stadttheater in feierlichem Rahmen verliehen. Ausgezeichnet wurden der ORF-Journalist Nikolaus Wildner, der Schriftsteller Karl-Markus Gauß und die Politikerin und Aktivistin Karoline Preisler mit einem Sonderpreis. Ein bewegender Abend, der ein starkes Zeichen für eine faire, faktenbasierte Berichterstattung über den Nahen Osten und eine kritische Gesellschaftsdebatte setzte.

Der Auftakt gehörte Timna Brauer. Mit dem Lied »Mir lebn ejbig« (»Wir leben ewig«), einem 1943 im Wilnaer Ghetto entstandenen jiddischen Stück von Lejb Rosenthal, schlug sie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen familiärer Erinnerung und gesellschaftlicher Verantwortung. Zugleich deutete der Beitrag eine leise Verneigung vor dem künstlerischen Erbe ihres Vaters an.

Souverän führte Moderatorin Danielle Spera, österreichische Journalistin und Geschäftsführerin von »Kultur. Medien. Judentum.« durch den Abend. Erwin Javor, Gründer und Herausgeber von Mena-Watch, eröffnete die Preisverleihung mit nachdenklichen Worten zum gesellschaftlichen Klima gegenüber Juden und Jüdinnen.

Anhand eines Vergleichs der jüdischen Bevölkerung vor dem Zweiten Weltkrieg und heute in verschiedenen Städten Europa und des Nahen Ostens verdeutlichte er die tiefgreifenden demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen. Zugleich zeige die positive Entwicklung und das Wachstum von Mena-Watch, wie wichtig ein publizistisches Gegengewicht in einer zunehmend einseitigen Berichterstattung geworden ist, so Javors Fazit.

Den Preisträger Nikolaus Wildner zeichnen seine Berichterstattung im TV, Radio und auf Social Media sowie Ausgewogenheit, Kompetenz und Sorgfalt aus – Qualitäten, die in der heutigen Medienlandschaft selten geworden sind.

Wildner verbindet Wien, die Yad Vashem und Israels Hauptstadt Jerusalem mit seiner journalistischen Laufbahn. Nach dem Zivildienst in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und einem Studium an der Hebräischen Universität arbeitet Wildner seit 2020 als ORF-Korrespondent in Israel. Seine Laudatio hielt Christian Ultsch, Außenpolitikchef der Tageszeitung Die Presse und selbst Arik-Brauer-Preisträger des Jahres 2022.

Der vielfach für seine Reiseberichte sowie Essays ausgezeichnete Salzburger Schriftsteller Karl-Markus Gauß wurde für sein jüngstes Buch Schuldhafte Unwissenheit. Essays wider Zeitgeist und Judenhass ausgezeichnet. Gauß tritt vehement gegen israelbezogenen Antisemitismus und für Israels Recht auf Selbstverteidigung ein. Die Laudatio übernahm der renommierte Journalist Peter Huemer.

Der Sonderpreis ging dieses Jahr an Karoline Preisler, deutsche Politikerin und unermüdliche Aktivistin gegen Rechtsextremismus, Islamismus und Antisemitismus. Seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 tritt sie mit klaren Botschaften wie »Rape is not resistance« und »Believe Israeli Women« israelfeindlichen Demonstrationen aktiv entgegen, trotz massiven Bedrohungen und Angriffen. Die Laudatio hielt Hasnain Kazim, Journalist und Autor.

Dass Stimmen wie jener der Preisträger notwendig sind, zeigten nicht zuletzt die Proteste vor dem Stadttheater. Eine kleine Gruppe antiisraelischer und antisemitischer Aktivisten demonstrierte zum Auftakt und während der Preisverleihung in der Walfischgasse direkt vor dem Theater. Der Gegenwind unterstrich, was die Laudatoren mehrfach betonten, dass nämlich eine konstruktive, faktenbasierte Debatte über Israel und Antisemitismus inzwischen umkämpft ist und von Gegnern einer solchen Auseinandersetzung niedergeschrien wird. Und wie wichtig ein Preis wie der Arik-Brauer-Publizistikpreis deshalb ist.

Ein Video zu Arik Brauer sowie zur Entstehung des nach ihm benannten Publizistikpreises leitete den letzten Teil des Abends ein. In der anschließenden Signierstunde kamen Besucherinnen und Besucher mit den Anwesenden ins Gespräch und konnten sich Bücher von Karoline Preisler, Karl-Markus Gauß, Arye Shalicar und Florian Markl, wissenschaftliche Leiter von Mena-Watch, signieren lassen und Gespräche vertiefen, die im Saal begonnen hatten.

Der Abend bleibt auch als kulturelles und gesellschaftspolitisches Signal in Erinnerung. Für eine verantwortungsvolle Presse und eine starke Zivilgesellschaft. Für den Mut, der nötig ist, um sich den Zumutungen der Gegenwart mit Klarheit zu stellen. Und für die Überzeugung, dass faktenbasierte Publizistik ein unverzichtbarer Teil einer demokratischen Öffentlichkeit bleiben muss.

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