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Antisemitismus der „Deutschen Welle“ ist nicht nur Problem der arabischen Redaktion

Die Redaktion des Auslandsrundfunks der Bundesrepublik Deutschland "Deutsche Welle"
Die Redaktion des Auslandsrundfunks der Bundesrepublik Deutschland "Deutsche Welle" (© Imago Images / Krystof Kriz)

Dass es bei den antisemitischen Deutsche-Welle-Redakteuren, über die seit Wochen berichtet wird wird, fast ausschließlich um die arabische Redaktion geht, sollte nicht zu dem Fehlschluss verleiten, das Problem sei auf diese beschränkt.

Auch wer kein Arabisch spricht, hätte lange sehen müssen, was los ist bei dem deutschen Staatssender, der im Jahr 2021 knapp 400 Millionen Euro aus dem deutschen Bundeshaushalt erhielt.

„Im Völkerrecht verbriefter Widerstand“

Die ehemalige Deutsche-Welle-Redakteurin und seit 2015 als Leiterin der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah agierende Bettina Marx legitimierte in einem im Juni 2018 veröffentlichten Gastkommentar für die Deutsche Welle den palästinensischen Terrorismus als „im Völkerrecht verbrieften Widerstand gegen die Besatzung“.

Die israelischen Gefängnisse seien „voll von Palästinensern, die sich nicht unter das israelische Joch beugen wollen“, schrieb Marx in ihrem Kommentar pathetisch weiter.

Einige Wochen zuvor war Adiel Kolman, ein 32-jähriger Vater von vier Kindern, der bei den Ausgrabungen in der Jerusalemer City of David geholfen hatte, in Jerusalem mit einem Messer ermordet worden – sicherlich von einem jener von Bettina Marx auf der Website der Deutschen Welle gefeierten Rebellen, die ihr angeblich irgendwo „im Völkerrecht“ verbrieftes Recht auf Widerstand wahrnahmen.

„Wo weiße Nationalisten und Zionisten sich treffen“

Im Mai 2017 veröffentlichte die Deutsche Welle auf ihrer englischsprachigen Website einen Beitrag, in dem es darum ging, dass der berüchtigte amerikanische Rechtsextremist und erklärte Rassist Richard Spencer seine Mission als „eine Art Zionismus für Weiße“ bezeichnet hatte. Er wolle ein „Altneuland“ – so nannte Theodor Herzl in seinem gleichnamigen utopischen Roman den damals nur in der Fantasie existierenden Staat der Juden –  nur für Weiße, so Spencer.

An dem Deutsche-Welle-Artikel selbst gibt es nichts auszusetzen – die von der Redaktion gewählte Überschrift aber ist auf bösartige Weise irreführend: „Where white nationalists and Zionists meet“ („Wo weiße Nationalisten und Zionisten sich treffen“).

Diese Überschrift suggeriert eine Zusammenarbeit oder eine Schnittmenge von Rassisten und Zionisten. Liest man den Text der Autorin Maya Shwayder findet man dort keinerlei Aussagen, die diese Überschrift in irgendeiner Weise legitimieren würden.

Im Gegenteil: Shwayder selbst und alle von ihr als Experten Befragten betrachten Spencers Äußerung als rhetorischen Trick und Ablenkungsmanöver, um die alte rassistische Ideologie, die sich gegen Schwarze, Hispanics und nicht zuletzt auch gegen Juden richtet, neu zu verpacken.

Mort Klein, Präsident der Zionist Organization of America (ZOA), nennt es in dem Artikel eine „Lüge“, dass irgendein Rechtsextremist Israel unterstützen würde. Weiter sagt er:

„Man kann nicht antisemitisch sein und Israel unterstützen. Es ist ein jüdischer Staat. Ich lehne jede dieser Gruppen ab, die starke anti-schwarze, anti-jüdische oder anderweitig rassistische Ideologien haben. Ich lehne ihre Unterstützung ab.“

Als die Autorin erwähnt, dass diese Gruppen behaupteten, sie unterstützten Israel, weil es an ihrer Idee eines Ethnostaats festhalte, erwidert Klein:

„Was ist daran ethnozentrisch? 22 Prozent der Bevölkerung sind Araber. Das zeigt totale Ignoranz gegenüber Israel.“

Jonathan Sarna, Professor für amerikanisch-jüdische Geschichte an der Brandeis University, wird in dem Artikel mit den Worten zitiert:

„Es ist eine rhetorische Strategie, aber wenn Sie sie sehr genau untersuchen würden, würde schnell klar, dass ihr Zionismus [der extremen Rechten; Anm. S.F.] ein Deckmantel für altmodischen Rassismus ist.

Und in gewisser Weise verschmelzen, wie so oft, die extreme Linke und die extreme Rechte: Beide glauben in gewisser Weise, dass Zionismus Rassismus ist, aber die eine Seite denkt: das ist gut, und die andere Seite denkt: das ist schlecht.«

Auch die Autorin selbst widerspricht Richard Spencer:

„Spencers Sicht auf Israel übergeht geflissentlich die Geschichte der Juden als enteignetem Volk. Sie übersieht zudem die Tatsache, dass Israel nicht nur von Juden bevölkert ist.“

An keiner Stelle des Artikels wird von der Autorin oder einem ihrer Gesprächspartner behauptet, dass es Zionisten gebe, die Richard Spencer und seinen rassistischen Ideen irgendeine Form von Sympathie entgegenbrächten. Trotzdem lautet die Überschrift: „Wo weiße Nationalisten und Zionisten sich treffen.“

Wer auch immer sich diese Schlagzeile ausdachte (die Autorin war es gewiss nicht), wollte den Eindruck erwecken, es gebe eine Schnittmenge von Zionismus und Rechtsextremismus, obwohl der Artikel selbst das genaue Gegenteil sagt.

So verbreitete die Deutsche Welle über die irreführende Überschrift (und Überschriften sind bekanntlich das Einzige, was viele Besucher einer Website wahrnehmen) den antisemitischen Topos, Zionismus – also das Streben nach einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes – sei ein rassistisches Unternehmen.

Deutsche Welle: von „Israel-Lobbyisten“ verfolgt?

Ein anderer schockierender Fall: 2019 wurde in einem Deutsche-Welle-Artikel fälschlich behauptet, im Gazastreifen lebten „600.000 israelische Siedler“. Die korrekte Zahl lautet: null.

Nachdem die israelische Botschaft in Berlin und auch der Verein Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis (CAMERA) die Deutsche Welle auf den Fehler aufmerksam gemacht und eine Richtigstellung erbeten hatten, beschwerte sich DW-Chefredakteurin Ines Pohl auf Twitter, die Deutsche Welle sei „seit Tagen massiver Kritik sogenannter Israel-Lobbyisten ausgesetzt“.

Wen sie damit meinte, erläuterte sie nicht. Der in Indien geborene, in Deutschland lebende Journalist Vijeta Uniyal kommentierte gegenüber der Jerusalem Post:

„Es ist unaufrichtig von der Deutschen Welle, dies als Einzelfall darzustellen. Allein in den letzten Monaten wurde der Sender wegen seiner offensichtlich antisemitischen Berichterstattung mehrfach zur Ordnung gerufen.

Der Sender hat wiederholt auf antisemitische Klischees und Anspielungen zurückgegriffen, um unabhängige Journalisten und diejenigen zu verleumden, die auf seine Voreingenommenheit hinweisen.“

Die Deutsche Welle, der „Widerstand“ …

Eine Anti-Israel-Aktivistin, die in der Vergangenheit häufiger für die Deutsche Welle schrieb, ist Tessa Fox, die auch für die auch für die hamas-nahe Website Middle East Eye arbeitet. 2017 feierte sie in einem schwülstigen Beitrag „30 Jahre Intifada“ und „Widerstand“ gegen Israel. Dass dieser Deutsche-Welle-Text reine Propaganda ist, kann man schon daran erkennen, dass darin nicht weniger als sechzehnmal (!) von „Widerstand“ gegen Israel die Rede ist.

Als „Widerstand“ bezeichnen Terrororganisationen wie die Hamas und die Hisbollah (die sich selbst als „Widerstandsbewegung“ bezeichnen) jegliche Gewalt gegen israelische Juden – Mord und Raketenangriffe inbegriffen. Fox definiert den Begriff zwar nirgends, es wird aber klar, dass auch sie Terrorismus meint, wenn sie etwa darüber schreibt, dass sich „Tausende von palästinensischen Jugendlichen in politischen Parteien oder Volkswiderstandskomitees organisieren“.

Als „politische Parteien“ werden im anschließenden Zitat die Fatah und die Hamas genannt. Die von Fox erwähnten „Volkswiderstandskomitees“ (PRC) sind eine im September 2000 von dem Fatah-/Tanzim-Terroristen Jamal Abu Samhadana gegründete Terrororganisation, die im Gazastreifen mit der Hamas zusammenarbeitet.

Bekannt ist die Beteiligung der PRC an dem mit Mörsern und Panzerfäusten verübten Angriff auf israelische Soldaten in der Nähe des Gazastreifens am 25. Juni 2006, bei dem zwei Soldaten getötet und fünf verletzt wurden. Einer der Verletzten, der damals 19-jährige Gilad Shalit, wurde in den Gazastreifen verschleppt und dort fünf Jahre lang als Geisel gehalten.

Auch Mörserangriffe auf Dörfer in de Nähe des Gazastreifens gehören zum Repertoire des „Widerstands“ der „Volkswiderstandskomitees“.

Fox berichtet über einen gewissen Khalil Yousef, dessen Foto abgebildet ist; laut der von der Deutsche-Welle-Redaktion verfassten  Bildunterschrift „schwört er, seinen Widerstand fortzusetzen“. Eine Sorge, die die Deutsche-Welle-Reporterin Tessa Fox umtreibt: die „Spaltung“ von Hamas und Fatah könne womöglich dem „Widerstand“ schaden.

… und der Terroristen-Clan der Tamimis

Der größte Teil des Artikels ist Mitgliedern des Tamimi-Clans gewidmet. Um sie zu preisen, war die Deutsche-Welle-Reporterin eigens nach Nabi Saleh gefahren, eines der, wie sie sagt: „aktivsten Dörfer in der West Bank“.

Fox hätte nicht einfach irgendwohin in die West Bank fahren können. Wäre sie etwa in die Süßwarenfabrik ACHVA in Ariel gefahren, dann hätten palästinensische Angestellte ihr vielleicht – so, wie gegenüber der Filmemacherin Ilona Rothin bei ihrem Besuch 2018 – berichtet, wie sie mit jüdischen Kollegen zusammen Hochzeiten und Kindergeburtstage feiern und Bootsausflüge machen.

Ein Palästinenser hätte womöglich, wie in Rothins Film, gesagt: „Wir machen hier schon den Frieden, auch ohne Politiker.“

Das ist selbstverständlich nicht das Bild, das die Deutsche Welle vermitteln will. Darum fuhr Tessa Fox an einen Ort, wo nur Leute leben, von denen garantiert niemand von Frieden sprechen würde, dafür umso mehr von „Widerstand“: nach Nabi Saleh.

In dem Dorf leben fast ausschließlich Mitglieder des Tamimi-Clans, der berüchtigte Terroristen hervorgebracht hat. Das lässt Fox aber den Leser nicht wissen, obwohl sie sich in Nabi Saleh mit den Führern der Tamimis getroffen hat, um sie in ihrem Artikel zu verherrlichen.

Wir müssen diese Familie kurz vorstellen, um dem Leser einen Begriff davon zu geben, wie scheußlich die Propaganda der Deutschen Welle ist. Für die Tamimis hieß „Widerstand“ immer schon: Widerstand gegen jeglichen Kompromiss mit Israel.

Am 29. Oktober 1993 – sechs Wochen nachdem der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin im Weißen Haus das Osloer Friedensabkommen unterzeichnet hatte – ermordete Nizar al-Tamimi zusammen mit seinem Cousin Rushdi Muhammed Sa’id Tamimi  und einem weiteren Komplizen den 30-jährigen Israeli Haim Mitzrachi.

Als dieser, wie seit Jahren, zu einer Hühnerfarm in der Nähe von Ramallah fuhr, um Eier zu kaufen, entführten die beiden Tamimis ihn, sperrten ihn in den Kofferraum seines Autos und zündeten das Auto an. Mitzrachi verbrannte bei lebendigem Leib. Wie die britische Tageszeitung Independent schrieb, sei die Tat darauf gerichtet gewesen, „den Friedensprozess zu zerstören“.

Nachdem Nizar Tamimi im Zuge der Entführung des Soldaten Gilad Shalit aus dem Gefängnis freigepresst worden war, heiratete er in Jordanien seine Cousine, die ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilte und aus dem Gefängnis freigepresste Mörderin Ahlam Tamimi. Ihr Lebenswerk: der verheerende Anschlag auf die Pizzeria Sbarro in Jerusalem.

Damals, im August 2001, war sie 21 Jahre alt und bekannt als Nachrichtensprecherin des Fernsehens der Palästinensischen Autonomiebehörde. Am 9. August 2001 verlas sie die Nachricht von einem Bombenanschlag auf eine koschere Pizzeria in Jerusalem, bei dem vor allem Frauen und Kinder getötet worden waren. Sie selbst hatte über neun Tage lang ein passendes Anschlagsziel gesucht, sich wegen der orthodoxen Familien, die dorthin kamen, für die Pizzeria Sbarro entschieden und den Selbstmordbomber dorthin geleitet.

In einem Interview, das sie in ihrer kurzen Haftzeit gab, zeigte sie sich „glücklich“ darüber, dass sie es war, die die Pizzeria Sbarro in Jerusalem für den Anschlag ausgesucht hatte. Unter den Toten waren acht Kinder, davon ein ungeborenes. Sie hatte gedacht, sie hätte nur drei Kinder getötet. Als sie von dem Reporter die Nachricht erfuhr, dass es acht waren, nahm sie die Botschaft mit einem freudigen Lächeln zur Kenntnis.

Deutsche-Welle-Reporterin Tessa Fox konnte Nizar und Ahlam Tamimi in Nabi Saleh nicht treffen, denn sie leben in Jordanien. Dafür traf sie Manal Tamimi, von der neben dem Artikel ein Foto abgebildet ist, wie sie unter einem riesigen Arafat-Porträt sitzt. Die von der Deutschen Welle gewählte Bildunterschrift lautet: „Manal Tamimi ist stolz auf ihren Widerstand gegen Israel“.

Manals „Widerstand“ findet in den sozialen Medien statt. Im Stile der NS-Propaganda bezeichnete sie dort jüdische Israelis 2015 als „Vampire“, die an Jom Kippur „Blut“ tränken. Ein anderes Mal twitterte sie: „Du kannst niemals mit Vampiren Frieden schließen, weil der Geruch deines Blutes sie immer anziehen wird.“

Als im September 2015 der 64-jährige Israeli Alexander Levlovich aus Jerusalem auf dem Rückweg von einem Rosh-Hashanah-Abendessen gewaltsam zu Tode kam, weil arabische Jugendliche Steine auf sein Auto geworfen hatten, twitterte Manal Tamimi: „Bitte, bitte Gott, dritte Intifada.“

Antisemitismus der „Deutschen Welle“ ist nicht nur Problem der arabischen Redaktion

Damit es zu dem erflehten Blutvergießen kommt, schickt Bassem Tamimi – der Bruder von Manal –  seit Jahren Kinder in den Kampf gegen israelische Soldaten. Sie sollen die Soldaten durch Beschimpfungen und Schläge zu unbedachten Handlungen provozieren. Bassem Tamimi steht dabei und filmt.

Jahrelang machte er das so mit seiner Tochter Ahed Tamimi und seinem Sohn Mohammed Tamimi. Seit die erwachsen sind, missbraucht Bassem seine Nichte Ayyad alias „Janna Jihad“ alias „die jüngste Journalistin der Welt“ für seine politischen Zwecke. Die Deutsche Welle-Reporterin findet das toll und suggeriert, das Kind (zum Zeitpunkt der Reportage elf Jahre alt) habe diese Entscheidung autonom getroffen:

„Janna Ayyad von Nabi Saleh war vier Jahre alt, als sie sah, wie ihr Freund Mustafa von der israelischen Armee erschossen wurde. Dieser Verlust sowie der Tod ihres Onkels und die Verhaftung vieler Familienmitglieder sind ihre persönlichen Motivationen, sich der Besatzung zu widersetzen.

‚Ich kann nicht so ruhig bleiben, als ob nichts wäre, ich muss etwas tun, damit sich das Ganze ändert, es auf den Kopf stellen und wie jedes Kind dieser Welt leben‘, sagt Ayyad der DW. Dieses äußerst lebhafte junge Mädchen ist die wohl ‚jüngste Journalistin der Welt‘ und firmiert unter dem Namen Janna Jihad.

Ayyad dokumentiert alles, was in ihrer Welt von der Besetzung betroffen ist, und lädt es auf ihre Social-Media-Sites hoch, einschließlich ihres Facebook-Kontos, das eine Viertelmillion Likes hat. Erfahrungen wie die von Ayyad hallen bei allen palästinensischen Jugendlichen wider und drängen sie zum Widerstand.“

Den Nachnamen Tamimi verschweigt DW-Reporterin Tessa Fox. Nicht nur im Fall von „Janna Jihad“: Auch der „Freund Mustafa“ des damals vierjährigen Mädchens hat offenbar keinen Nachnamen. Gemeint ist Mustafa Tamimi, der 2011 starb, nachdem er bei Ausschreitungen von einem Tränengaskanister am Kopf getroffen worden war.

Faszination für Kindersoldaten, Stereotyp vom Kindermörder

Warum macht die Deutsche Welle aus dem 28-jährigen Mustafa Tamimi, den „Freund Mustafa“, der „von der IDF erschossen und getötet“ worden sei? Indem Mustafa Tamimi als „Freund“ eines vierjährigen Mädchens vorgestellt und nur beim Vornamen genannt wird, soll dem Leser offenbar fälschlich suggeriert werden, es habe sich um ein Kind gehandelt.

Dass mit Ayyad Tamimi ein Kind für politische Propaganda benutzt wird, findet die Deutsche Welle nicht schlimm. Tessa Fox stellt es so dar, als handle die elfjährige „Janna Jihad“ aus eigenem Antrieb, habe eine, so wörtlich: „persönliche Motivation“, „Widerstand gegen die Besatzung zu leisten“.

Antisemitismus der „Deutschen Welle“ ist nicht nur Problem der arabischen Redaktion

Gleich am Anfang des Deutsche-Welle-Artikels ist davon die Rede, wie bei der „ersten Intifada“ 1987 Kinder im Alter von „neun Jahren“ Felsen auf Straßen gerollt, als Kundschafter gearbeitet und PLO-Flaggen genäht hätten. Auch daran übt DW-Reporterin Fox keine Kritik, im Gegenteil. Über eines der damaligen Kinder, einen gewissen Mohammed Othman, der damals neun Jahre (!) alt war, schreibt sie:

„Wie Tausende andere palästinensische Jugendliche (!), hielt sein junges Alter Othman nicht davon ab, seinen Teil beim palästinensischen Aufstand gegen israelische Besatzung und Aggression zu leisten.“

Palästinenser erscheinen in dem Deutsche-Welle-Artikel nur als heldenhafte Kämpfer gegen Besatzung oder als Opfer der Israelis; Israelis nur als anonyme Täter, gegen die jede Art von „Widerstand“ legitim sei. Neunjährige leisten selbstverständlich aus einer „persönlichen Motivation“ heraus „Widerstand“, „leisten ihren Teil“.

Welcher Mittel sich der „Widerstand“ – Stichwort: Pizzeria Sbarro – bedient, wird nicht erläutert und dessen Legitimität nirgendwo angezweifelt. Die schlichte Moral lautet: Palästinenser gut, Israelis böse. Die antisemitische Internetpropaganda von Manal Tamimi wird verschwiegen, ebenso wie die mindestens 16 Morde, die Tamimi-Mitglieder verübt haben.

Am Schluss des Artikels kann Tessa Fox kaum verbergen, dass auch sie zusammen mit den Tamimis auf die „dritte Intifada“ hofft. „Wir warten nur auf einen Grund [für die Intifada; S.F.]“, zitiert sie eine Frau namens Pushra Tamimi. Dann spricht die Deutsche-Welle-Reporterin selbst – in Anspielung auf den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem – das Schlusswort:

„Es ist sehr gut möglich, dass [US-Präsident] Donald Trump dieses Motiv geliefert hat.“

Die Deutsche Welle und ihre „Märtyrer“

Im Februar 2019 zeigte die Deutsche Welle, wie sie mit anderem Maß misst als sonst, wenn es um den jüdischen Staat geht. Während DW-Autoren in Deutschland Gesetze zur Löschung von „Hetze im Internet“ begrüßen, ist es offenbar etwas ganz anderes, wenn israelische Behörden Aufrufe zur Gewalt löschen.

Die Autorin – wieder Tessa Fox – stellte das israelische Vorgehen gegen Aufrufe zur Gewalt und Werbung für Terrorismus als unbillige Zensur dar. „‚Sie haben Angst vor der Wahrheit‘ – Palästinenser kritisieren Israels Internetzensur“, lautete der plakative Titel des auf der deutschen Website der Deutschen Welle erschienenen Beitrags.

Als Zeugin zitierte Fox eine Frau, die bekannte Verbindungen zu Terroristen hat: Sahar Francis. Francis, so Fox, sei „Vorsitzende der Organisation Addameer, die sich für die Rechte palästinensischer Gefangener einsetzt“. Was Fox nicht sagte, war, dass Addameer sich nicht etwa allgemein für „die Rechte palästinensischer Gefangene“ einsetzt, sondern ausschließlich für inhaftierte Terroristen.

Israel stuft Addameer seit Oktober 2021 als Terrororganisation ein. Die Organisation ist personell eng mit der in Deutschland, der EU und den USA verbotenen Terrororganisation PFLP verflochten, zu der auch die Flugzeugentführerin Leila Khaled gehört. 2017 trat Francis zusammen mit Leila Khaled und Ahed Tamimi in Brüssel auf.

Laut der Website der PFLP besuchte Sahar Francis im Mai 2018 persönlich die Familie des inhaftierten PFLP-Generalsekretärs Ahmed Saadat, um ihr ihre Unterstützung auszusprechen. Ahmed Saadat wurde 2008 wegen der Planung des Mords an dem israelischen Tourismusminister Rehavam Zeevi im Jahr 2001 zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Es war ausgerechnet die Terrorunterstützerin Sahar Francis, die in Fox’ Deutsche-Welle-Beitrag das Schlusswort hatte:

„Wenn du ein Bild eines Märtyrers teilst und du einen Satz schreibst wie ‚Möge Gott ihn segnen‘, reicht das schon. Das wird bereits als terroristische Unterstützung und Anstiftung zu Gewalt betrachtet.“

Als „Märtyrer“ bezeichnen Terrororganisationen wie die Hamas, die Fatah oder die PFLP  jeden, der beim Verüben eines Anschlags auf Juden ums Leben kommt. Fox erläuterte das nicht. Darauf von Mena-Watch angesprochen schrieb DW-Sprecher Christoph Jumpelt: „Der Begriff Märtyrer ist im Islam breiter gefasst, als Sie unterstellen.“ Und weiter:

„Wenn Sie unsere Berichterstattung über den Nahost-Konflikt kontinuierlich verfolgen würden, kämen gewiss auch Sie zu dem Schluss, dass wir uns gleichermaßen kritisch mit beiden Seiten auseinandersetzen.“

Sehr witzig, Herr Jumpelt!

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