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Antisemitischer Anschlag auf jüdischen Rettungsdienst in London

Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola Northwest in London
Anschlag auf den jüdischen Rettungsdienst Hatzola Northwest in London (© Imago Images / Anadolu Agency)

Im Londoner Stadtteil Golders Green wurden vier vor einer Synagoge geparkte Krankenwagen der jüdischen Organisation Hatzola Northwest zum Ziel eines – möglicherweise iranischen – Brandanschlags.

In London wurde in der Nacht auf Montag ein Anschlag auf einen jüdischen Rettungsdienst verübt. Vier Rettungswagen wurden in Brand gesetzt. Fotos zeigen, dass drei von ihnen völlig zerstört sind, der vierte schwer beschädigt. Die Krankenwagen gehörten der gemeinnützigen Organisation Hatzola Northwest.

Die Polizei wurde gegen 1:45 Uhr Ortszeit nach Golders Green gerufen, ein Wohngebiet im Norden Londons mit einer großen jüdischen Gemeinde. Die Feuerwehr, die mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort war, hatte die Polizei alarmiert. Verletzte gab es nicht, und die Brände konnten gelöscht werden. Die Polizei teilte mit, dass der Vorfall als antisemitisches Hassverbrechen untersucht werde.

Premierminister Keir Starmer bezeichnete den Vorfall in einem Beitrag in den sozialen Medien als »zutiefst schockierenden antisemitischen Brandanschlag«. Der leitende Ermittler Luke Williams von der Londoner Polizei erklärte auf einer Pressekonferenz, dass bislang keine Festnahmen erfolgt seien. Allerdings suche man nach drei Verdächtigen, die auf Überwachungsvideos zu sehen seien, wie sie Brandbeschleuniger auf die Fahrzeuge gossen, diese anzündeten und anschließend flohen.

Bekennervideo

Die Polizei prüft zudem ein Bekennervideo, das am frühen Montag auf Telegram veröffentlicht wurde. Die Organisation Site Intelligence Group, die die Kommunikation extremistischer Gruppen beobachtet, beschrieb die dahinterstehende Gruppe als ein »iranisch ausgerichtetes multinationales militantes Kollektiv«. In dem Video – dessen Authentizität am Montagvormittag noch nicht als gesichert galt – erklärte die Gruppe, das eigentliche Ziel des Brandanschlags sei die Machzike-Hadath-Synagoge gewesen, vor der die Krankenwagen geparkt waren.

Dieselbe Gruppe hatte zuvor ähnliche Videos veröffentlicht und darin die Verantwortung für weitere Anschläge in diesem Monat übernommen. Dazu gehören die Explosion an einer Synagoge in Lüttich (Belgien) sowie Anschläge auf eine jüdische Schule und eine Synagoge in Rotterdam. Die Behörden in diesen Ländern haben diese Angaben bislang nicht bestätigt.

Im US-Bundesstaat Michigan verübte ein gebürtiger Libanese mit US-Staatsbürgerschaft, der offenbar zur Hisbollah gehörte, ebenfalls einen Anschlag. Der 41-jährige Ayman Ghazali fuhr am 12. März mit seinem mit Sprengstoff gefüllten Fahrzeug in eine der größten örtlichen Reformsynagogen, die auch einen Kindergarten hat. Dort befanden sich etwa 106 Kinder und dreißig Mitarbeiter zum Unterricht für Kleinkinder. Ghazali – hier auf einem Foto mit Sturmgewehr posierend – eröffnete das Feuer und verletzte einen Wachmann. Er wurde erschossen und starb in seinem brennenden LKW. Dreißig Einsatzkräfte erlitten Rauchvergiftungen.

Auch in Kanada wurden Anschläge auf jüdische Einrichtungen verübt, insbesondere im Großraum Toronto. Innerhalb weniger Tage wurden mehrere Synagogen Ziel von Schussattacken. So traf es unter anderem die Temple Emanu-El im Stadtteil North York sowie die Beth Avraham Yoseph Synagogue und die Shaarei Shomayim Synagogue. Unbekannte Täter feuerten dabei auf Gebäude, wodurch Fenster, Türen und Fassaden beschädigt wurden. Verletzte oder Todesopfer gab es nicht. Die kanadischen Behörden stuften die Taten als gezielte, antisemitisch motivierte Angriffe ein und leiteten umfangreiche Ermittlungen ein. Aufgrund der zeitlichen Nähe und der ähnlichen Vorgehensweise wurde auch geprüft, ob ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Vorfällen besteht.

Rabbi: »Besonders abscheulicher Anschlag«

In London wurden vorsorglich nahegelegene Häuser evakuiert und mehrere Straßen gesperrt. Während des Brandes explodierten Sauerstoffflaschen in den Fahrzeugen, wodurch Fensterscheiben eines angrenzenden Wohngebäudes zerbarsten, teilte die Feuerwehr mit. Rund vierzig Feuerwehrleute waren im Einsatz. Die Polizei kündigte an, ihre Präsenz in der Gegend zu verstärken. Oberrabbiner Ephraim Mirvis erklärte in einem Facebook-Beitrag:

»Die vorsätzlichen Brandanschläge auf Hatzola-Krankenwagen in London sind ein besonders abscheulicher Anschlag – nicht nur auf die jüdische Gemeinde, sondern auch auf die Werte, die wir als Gesellschaft teilen. Unser ehrenamtliches Hatzola-Rettungsdienstteam leistet Außergewöhnliches. Seine einzige Aufgabe ist der Schutz des Lebens, jüdischen wie nichtjüdischen.

Die Angriffe auf Hatzola durch Menschen, die dem Terror, dem Hass und der Schändung des Lebens so sehr verschrieben sind, verdeutlichen auf schmerzliche Weise den andauernden Kampf zwischen denen, die das Leben heiligen, und denen, die es zerstören wollen. In einer Zeit, in der jüdische Gemeinden weltweit mit einer Zunahme dieser gewalttätigen Angriffe konfrontiert sind, werden wir dieser Herausforderung mit gemeinsamer Entschlossenheit begegnen und zusammen gegen Hass und Einschüchterung eintreten.

Hatzola: Schnelle Hilfe in Not

Hatzola Northwestist ein ehrenamtlich organisierter Rettungsdienst aus dem Nordwesten Londons, der innerhalb der jüdischen Gemeinschaft entstanden ist, aber allen Menschen in medizinischen Notfällen hilft. Die Organisation wird nicht vom Staat oder von Unternehmen betrieben, sondern von der jüdischen Community selbst getragen und überwiegend durch Spenden finanziert. Ihre Mitglieder sind ausgebildete Ersthelfer und Sanitäter, die freiwillig in ihrer Freizeit Einsätze übernehmen und eng mit dem öffentlichen Gesundheitssystem, insbesondere dem National Health Service (NHS), zusammenarbeiten.

Hatzola ist häufig schneller vor Ort als der reguläre Rettungsdienst. Das liegt an der dezentralen Struktur. Die Helfer wohnen direkt in den Einsatzgebieten und sind dadurch oft nur wenige Minuten entfernt. Sobald ein Notruf eingeht, wird der nächstgelegene Freiwillige alarmiert und kann sofort reagieren, ohne lange Anfahrtswege von einer zentralen Wache zurücklegen zu müssen. Dieses Netzwerk aus lokal verteilten Einsatzkräften ermöglicht eine besonders schnelle Erstversorgung, die gerade in den ersten Minuten eines Notfalls entscheidend sein kann.

Dabei versteht sich Hatzola nicht als Ersatz für den staatlichen Rettungsdienst, sondern als Ergänzung. Während die Freiwilligen schnell erste medizinische Maßnahmen einleiten und Patienten stabilisieren, übernimmt der reguläre Rettungsdienst anschließend in der Regel den Transport ins Krankenhaus und die weiterführende Versorgung. Durch diese Kombination aus schneller Reaktionszeit und professioneller Weiterbehandlung entsteht ein effektives Zusammenspiel, das im Ernstfall Leben retten kann.

Iranische Agenten

In Großbritannien sind derzeit zwei Iraner angeklagt, für das Mullah-Regime jüdische Einrichtungen ausgespäht zu haben. In Dänemark wurde letztes Jahr ein Spion festgenommen, der für den Iran jüdische und pro-israelische Ziele ausspioniert haben soll – darunter auch den Zentralrat der Juden in Deutschland.

Ein Deutsch-Iraner verübte im November 2022 einen Brandanschlag auf eine in der Nachbarschaft einer Synagoge befindliche Schule in Bochum, die er mit der Synagoge verwechselt hatte. Er wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf stellte in seinem Urteil am 19. Dezember 2023 fest, dass die Anschlagsplanung auf eine staatliche iranische Stelle zurückging.

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