Am 27. Dezember 1985 erschütterte ein Terroranschlag den Flughafen Wien Schwechat. Drei Menschen wurden getötet, Dutzende verletzt. Zum 40. Jahrestag analysiert der wissenschaftliche Leiter von MENA-Watch, Florian Markl, im ersten Teil der Podcast-Reihe MENA-History die dramatischen Ereignisse und ihre politischen Hintergründe.
Der Terroranschlag auf den Flughafen Wien Schwechat am 27. Dezember 1985 zählt zu den dramatischsten Ereignissen der Zweiten Republik. Drei bewaffnete Attentäter warfen in der Abflughalle Handgranaten und eröffneten das Feuer auf die wartenden Reisenden am Schalter der israelischen Fluglinie EL AL. Zwei Menschen starben noch am Tatort, eine Frau erlag wenige Tage später ihren Verletzungen. Rund vierzig Personen wurden teils schwer verletzt.
Der Anschlag war Teil einer koordinierten Terroraktion. Zeitgleich griff ein weiteres Kommando den Flughafen Rom Fiumicino an. Insgesamt kamen an diesem Tag fast zwanzig Menschen ums Leben. Verantwortlich war die Abu-Nidal-Organisation, eine der aktivsten und brutalsten palästinensischen Terrorgruppen der 1980er-Jahre.
In der ersten Folge des Podcasts MENA-History rekonstruiert der wissenschaftliche Leiter von MENA-Watch, Florian Markl, die Ereignisse dieses Morgens minutiös. Dabei legt er nicht nur den Fokus auf den Tathergang, sondern auch auf die sicherheitspolitischen und politischen Rahmenbedingungen jener Zeit.
Gravierende Defizite
Der Anschlag offenbarte gravierende Defizite im damaligen Flughafenschutz. Sicherheitskontrollen waren mangelhaft, medizinische Notfallstrukturen kaum vorhanden. Zugleich zeigte sich erstmals in der breiten Öffentlichkeit, dass terroristische Gewalt nicht auf diplomatische oder symbolische Ziele begrenzt war, sondern auch wahllos Zivilisten treffen konnte.
Ein zentraler Teil der Analyse widmet sich der Frage, warum Österreich zum Ziel wurde. Markl erläutert, wie langjährige politische Kontakte Österreichs zu palästinensischen Organisationen, geheime Verhandlungen und der Versuch, durch Dialog Anschläge zu verhindern, das Land zugleich auch verwundbar machten.
Florian Markl legt minutiös dar, wie nach dem Anschlag inoffizielle und geheime Kontakte zur Terrororganisation fortgesetzt wurden. Es kam zu inoffiziellen Absprachen, zur Duldung von Strukturen in Wien und zu Unterstützungsleistungen, die aus heutiger Sicht politisch und moralisch hoch umstritten sind.
Zum 40. Jahrestag ordnet MENA-History den Anschlag von Schwechat in den Kontext des internationalen Terrorismus der 1970er und 1980er Jahre ein. Die Folge zeigt, wie eng Terrororganisationen, staatliche Interessen und Geheimdienste damals miteinander verflochten waren und warum dieses Kapitel österreichischer Zeitgeschichte bis heute nur unzureichend aufgearbeitet ist.
Ein historischer Rückblick, der nüchtern analysiert und Fragen stellt, die auch vier Jahrzehnte später nichts von ihrer Relevanz verloren haben.






