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Amerikanische Universitäten: Verbannt die Zionisten vom Campus!

Campus der Universität Berkeley
Campus der Universität Berkeley (© Imago Images / Kyodo News)

Durch Satzungen wie der in Berkeley, die es »Zionisten« verbieten, an amerikanischen Universitäten zu sprechen, wird an den Hochschulen eine feindselige Atmosphäre für Juden geschaffen.

Wie Mena-Watch Anfang der Woche berichtete, haben neun Studentenorganisationen an der juristischen Fakultät der renommierten kalifornischen Eliteuniversität Berkeley Satzungen erlassen, die es ihnen verbieten, »Zionisten«, also Menschen, die den Staat Israel nicht zerstören wollen, als Redner einzuladen. Der entsprechende Passus klingt in einer der Satzungen so:

»Im Interesse des Schutzes der Sicherheit und des Wohlergehens von palästinensischen Studenten auf dem Campus wird (Name der Organisation) keine Redner einladen, die entweder Ansichten geäußert haben und diese weiterhin aufrechterhalten oder die Veranstaltungen zur Unterstützung des Zionismus organisiert, gesponsert oder beworben haben, die den Zionismus, den Apartheidstaat Israel und die Besatzung Palästinas unterstützen.«

Was bedeutet das in der Praxis? Charlotte Aaron, Noah Cohen, Billy Malmed und Adam Pukler sind jüdische Amerikaner, die an der Universität Berkeley studieren. In einem Gastbeitrag für den bekannten linksliberalen amerikanischen Blog The Daily Beast haben sie ihre Erfahrungen geschildert.

»Wir sind Jurastudenten im zweiten Jahr an der University of California, Berkeley. Wir sind jüdisch. Und wir sind Zionisten«, schreiben sie. Freunde, Familienangehörige und Journalisten hätten sie seit einigen Wochen kontaktiert und gefragt, wie es sich anfühle, Studenten an einer Universität mit »judenfreien« Zonen zu sein. Zwar gebe es keine explizit «judenfreien« Zonen an Berkeleys juristischer Fakultät, so die Autoren, wohl aber eine »nicht zu akzeptierende Toleranz« gegenüber Bestrebungen, »zionistische Identitäten auszuschließen und zu dämonisieren«.

Ideologische Zurichtung

Dafür nennen sie Beispiele. So seien Studenten, die in Verbänden Mitglied sind, welche sich offiziell der Israelboykott-Kampagne BDS verschrieben haben, etwa verpflichtet, ein Trainingsprogramm mit dem Namen »Palästina für Anfänger« (Palestine 101) zu besuchen, das von den Berkeley Law Students for Justice in Palestine veranstaltet werde. Das erklärte Ziel der Veranstaltung sei es, den Teilnehmern beizubringen, wie man »einen sicheren und inklusiven Raum für palästinensische Studenten und für Studenten schafft, die die Befreiung Palästinas unterstützen«.

Wie haben die vier jüdischen Studenten darauf reagiert?

»Wir unterstützen diesen Zweck. Palästinensische Studenten sollten sich immer sicher fühlen, und Studenten, die die Befreiung Palästinas unterstützen, sollten sich niemals ausgeschlossen fühlen. Also nahmen wir – jüdische, zionistische Studenten – ebenfalls teil.«

Was sie dort erlebten, war totalitäre Ideologie:

»Die Redner setzten Zionismus gleich mit Imperialismus, ethnischer Säuberung und Kolonialismus. Ihre Hauptbotschaft: Israel ist ein illegitimer Staat und hat kein Recht, zu existieren. Menschen, die das anders sehen, griffen damit zwangsläufig palästinensische Studenten an. Die einzige Möglichkeit, palästinensische Studenten zu schützen, sei, Zionisten auszuschließen und den Zionismus zu verurteilen.«

So sei das, was der Zionismus ist, in »Palästina für Anfänger« völlig verzerrt dargestellt worden, beklagen die Autoren. Jede Verbindung der Juden zu Israel sei geleugnet worden, palästinensischer Nationalismus dagegen wurde beklatscht.

»Die mehr als sechzig Teilnehmer lernten, die gelebten Erfahrungen von Juden, für die Zionismus Teil ihrer Identität ist, zu ignorieren. Nach dem Training waren die Studenten angeekelt von Zionisten und schämten sich nicht, sie auszugrenzen.«

Dieses Training – vielleicht sollte man lieber von ideologischer Zurichtung sprechen –, so die Autoren, habe direkten Einfluss auf die jüdische Community, indem es deren Identität nicht ernst nehme und an den Rand dränge.

»Im Anschluss an die Veranstaltung sagte uns eine Teilnehmerin, dass es ihre Kommilitonen schon verletze, wenn sie hören müssten, wie jemand das antizionistische Narrativ infrage stellt.«

Feindselige Atmosphäre

So entsteht auf dem Universitätsgelände eine für Juden feindselige Atmosphäre, für die die Autoren Beispiele geben. Ein jüdischer Student im zweiten Jahr habe sich bei einer sozialen Zusammenkunft nicht willkommen gefühlt, weil alle ihn nur als den kannten, als der er gebrandmarkt worden war: ein »Unterstützer ethnischer Säuberungen gegen Palästinenser«. Ein Gaststudent aus Israel musste »seine Identität verheimlichen, wenn er nicht als Siedlerkolonialist‹ wahrgenommen werden wollte«.

Viele jüdische Studenten seien aus diesen Gründen gezwungenermaßen aus Verbänden ausgetreten, in denen sie zum Teil jahrelang mitgearbeitet hatten.

»Keine Organisation hat gesagt: ›Juden sind unerwünscht‹, aber in der Praxis haben die Satzungen und das Training genau diese Folge. Studentensprecher akzeptieren nun den Ausschluss von Juden aufgrund eines Aspekts von deren Identität. Es wird toleriert, dass wir marginalisiert werden wegen dessen, was wir glauben.«

Jüdische Stimmen zum Schweigen zu bringen, finde große Zustimmung.

»Wir fragen uns darum nun, wie viele Freunde eine schlechtere Meinung über uns haben, weil wir Israels Existenzrecht unterstützen? Wie viele Kommilitonen denken jetzt, dass wir Apartheid oder Imperialismus unterstützen? Wie viele Seminarteilnehmer setzen unsere Anerkennung Israels mit Opposition gegen beinahe jegliches andere progressive Ideal gleich, für das wir uns einsetzen?«

All das, so die Autoren, nur, »weil Israel Teil unserer Identität ist«.

Antisemitismus nicht nur in Berkeley

Berkeley ist nicht die einzige nordamerikanische Universität, in der jüdische Studenten Diskriminierung fürchten müssen. Ende letzten Jahres beschloss das von BDS-Aktivisten unterwanderte Studentenwerk der University of Toronto Scarborough (UTSC), dass koscheres Essen nur von Lieferanten kommen dürfe, die Israel nicht unterstützen (wie auch immer das überprüft werden soll).

Zu den Vereinen, die versuchen, gegen den Antisemitismus an Universitäten vorzugehen, gehört die AMCHA Initiative. Unter dem Deckmantel der »Kritik« an Israel würde immer wieder klassischer Antisemitismus verbreitet – etwa, dass Juden Babymörder seien und die Weltherrschaft anstrebten –, schreibt die Organisation auf ihrer Website. Zu den antisemitischen Vorfällen, denen jüdische Studenten ausgesetzt seien, zählten:

  • Hakenkreuze und andere antisemitische Schmierereien auf dem Universitätsgelände
  • Körperliche Aggression und Einschüchterung am Rande von politischen Kundgebungen
  • Vorträge, Filme und Ausstellungen, die sich einer antisemitischen Sprache oder Bildsprache bedienen oder den Staat Israel als rassistisch, Nazi- oder Apartheidstaat verunglimpfen; die behaupten, die Juden übertrieben den Holocaust oder benutzten ihn zu ihrem Vorteil
  • BDS-Kampagnen gegen Israel
  • Unterdrückung und Störung von proisraelischen Äußerungen
  • Verbindungen zur Muslimbruderschaft

Initiator und treibende Kraft hinter dem Versuch, »Zionisten« vom Campus zu verbannen, ist die Organisation Students for Justice in Palestine (SJP).Um Gerechtigkeit geht es ihr nicht. Laut dem amerikanischen Antisemitismusforscher Charles Small ist sie eine Vorfeldorganisation der Muslimbruderschaft, die sich mit Geld des Emirs von Katar finanziert, wie er im Dezember 2020 in einem Interview mit Mena-Watch erklärte:

»Die Finanzierung der Students for Justice in Palestine, die mit der Muslimbruderschaft verbunden sind, macht die politische Atmosphäre auf dem Campus für jüdische Studenten immer schwieriger.»

Es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Geld, das die Muslimbruderschaft an Universitäten und Organisationen wie die SJP zukommen lasse und »der intellektuellen und politischen Atmosphäre an Universitäten in Bezug auf palästinabezogenen Themen und Antisemitismus«, so Small.

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