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Al Jazeera gedenkt des kürzlich verstorbenen Youssef al-Qaradawi

Auch die Hamas gedenkt des verstorbenen geistlichen Führers der Muslimbruderschaft, Youssef al-Qaradawi
Auch die Hamas gedenkt des verstorbenen geistlichen Führers der Muslimbruderschaft, Youssef al-Qaradawi (© Imago Images / ZUMA Wire)

Dabei strahlte der katarische Sender Archivmaterial des geistlichen Führers der Muslimbruderschaft aus, in dem er seine grundsätzliche Unterstützung für Selbstmordattentate verteidigt.

Am 29. September 2022 strahlte der katarische TV-Sender Al-Jazeera Network einen Bericht zu Ehren des drei Tage zuvor verstorbenen geistigen Führers der Muslimbruderschaft, Scheich Youssef al-Qaradawi, aus. Die Sendung enthielt Auszüge aus Interviews, in denen er Katar für seine Rolle bei der Verbreitung seiner Lehren lobte und seine Unterstützung für als »Märtyreroperationen« bezeichnete Selbstmordattentate verteidigte.

In einem der Beiträge berichtete al-Qaradawi davon, wie Katar begonnen hatte, seine Freitagspredigten im staatlichen Fernsehen auszustrahlen. »Als Qatar Television ein Satellitenkanal wurde, konnte die ganze Welt meine Predigten hören.« Seit 1996 hatte al-Qaradawi wöchentlich eine eigene Sendung namens »Die Scharia und das Leben«. Dafür bedankte er sich bei allen Zuschauern und dem Emirat im Besonderen, dem er zu seinem Satellitenkanal Al-Jazeera TV, »der vom geliebten Katar ausgestrahlt wird«, gratulierte: »Dieser Sender bringt unsere Hoffnungen, unsere Werte und unsere Überzeugungen zum Ausdruck.«

Zu der Frage der Legitimation von Selbstmordattentaten meinte al-Qaradawi, diese »Märtyreroperationen« seien dann rechtmäßig, wenn Menschen ihren eigenen Körper einsetzen, um ihr Land gegen Besatzer zu verteidigen.

Einige amerikanische Journalisten wie der Kolumnist der New York Times, Thomas Friedman, hätten ihn gefragt, »ob ich, indem ich Märtyreroperationen erlaube, auch das erlaubt hätte, was am 11. September geschehen ist«, was al-Qaradawi verneinte. »Das ist etwas völlig anderes. Das Ziel ist ein anderes und die Mittel sind anders«, denn beim Anschlag in New York und Washington habe niemand sein Land verteidigt. Außerdem hätten die Angreifer nicht ihren eigenen Körper eingesetzt, um den Feind zu bekämpfen. Stattdessen hätten sie »vier Verkehrsflugzeuge mit Passagieren zum Einsatz gebracht, die unschuldig waren und nichts mit Krieg oder Politik zu tun hatten. Sie wurden als Raketen benutzt. Sie hatten nicht eingewilligt, geopfert zu werden.« Deswegen seien bei 9/11 sowohl die Mittel als auch das Ziel unrechtmäßig gewesen.

In Israel jedoch sei die Sachlage eine andere, wie er 2004 in einem Interview mit der BBC erklärte, in dem er den palästinensischen Terror und die Tötung israelischer Frauen und Kinder rechtfertigte. Israelische Frauen seien »nicht wie Frauen in unserer Gesellschaft, denn israelische Frauen sind militarisiert«. Israelische Zivilisten seien also nicht unschuldig, weswegen »diese Art von Märtyreroperationen [Selbstmordanschläge gegen sie; Anm. Mena-Watch]« erlaubt und »als Zeichen der Gerechtigkeit Allahs, des Allmächtigen« zu betrachten seien. »Durch seine unendliche Weisheit« nämlich habe Allah »den Schwachen gegeben, was die Starken nicht besitzen: die Fähigkeit, ihre Körper in Bomben zu verwandeln, wie es die Palästinenser tun«.

Im Gegensatz zu den Attentätern von 9/11 seien nicht nur die Mittel der Palästinenser legitim, sondern auch ihre Ziele, weil sie ihr Land gegen fremde Eindringlinge verteidigen und von Okkupatoren befreien würden: »Dieses Land war nie ein jüdisches Land. Palästina ist Teil der arabisch-islamischen Nation«, sagte al-Qaradawi 2013 bei einem Besuch bei der Hamas in Gaza.

Im Jahr 2016 revidierte er seine Auffassung teilweise und erklärte, dass Selbstmordattentate gegen Israelis nicht mehr zulässig seien, da die Palästinenser nun »andere Möglichkeiten« hätten, sich zu verteidigen, etwa die Raketenarsenale der Hamas und anderer im Gazastreifen ansässiger Terrorgruppen. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, tödliche Terrorakte gegen Israelis auch weiterhin zu loben.

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