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Ahmed Vahidi ist der De-facto-Herrscher des iranischen Regimes

Der neue Revolutionsgardenführer und De-facto-Herrscher der Islamischen Republik Iran, Ahmad Vahidi
Der neue Revolutionsgardenführer und De-facto-Herrscher der Islamischen Republik Iran, Ahmad Vahidi (Quelle: JNS)

Die Ernennung von Ahmed Vahidi zum Revolutionsgardenführer ist keine bloße Umbesetzung in der Bürokratie, sondern das Signal einer strategischen Neuausrichtung.

Erfan Fard

Drei Monate nach dem, was viele Iraner als nationale Katastrophe bezeichnen – dem Massaker an rund 45.000 Anti-Regime-Demonstranten während des landesweiten Aufstands im Januar 2026 – und nur wenige Wochen nach dem Tod von Ayatollah Ali Khamenei ist ein berüchtigter Tyrann wieder ins Zentrum der schiitischen Herrschaftsstruktur des Iran gerückt. Die Rückkehr von Ahmad Vahidi ins Rampenlicht ist keine routinemäßige Umbesetzung in der Bürokratie. Sie ist ein bewusstes Signal, das sich sowohl an eine unzufriedene Bevölkerung im Inland als auch an ausländische Gegner richtet, die Teherans nächsten Schritt genau beobachten.

Lange Karriere

Vahidi ist kein gewöhnlicher Funktionär. Als langjährige Persönlichkeit des iranischen Militärs stieg er in den 1980er Jahren in den Reihen des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) auf. Er bekleidete hochrangige Positionen im Geheimdienst und beim Militär, bevor er von 1988 bis 1995 die IRGC-Auslandseinheit Quds-Truppe befehligte. In dieser Position spielte Vahidi eine prägende Rolle bei der Gestaltung des iranischen Ansatzes zur regionalen Machtprojektion und dem Einsatz asymmetrischer Terrornetzwerke jenseits der Landesgrenzen.

In den frühen 1990er Jahren, als das iranische Regime seinen regionalen Einfluss ausweitete, operierten Elemente des IRGC innerhalb eines breiteren Netzwerks islamistischer Akteure, unter anderem im Sudan von Diktator Omar al-Bashir. Geheimdienstberichte wiesen im Laufe der Jahre auf verschiedene Formen des Kontakts zwischen iranischen Agenten und Personen hin, die später mit Al-Qaida in Verbindung gebracht wurden, insbesondere im Zusammenhang mit Afghanistan. Berichte haben zudem darauf hingewiesen, wie es einigen Al-Qaida-Akteuren gelang, unter undurchsichtigen Umständen iranisches Territorium zu durchqueren, was seit langem Fragen über die Art und das Ausmaß dieser Interaktionen aufwirft.

Vahidis Name wird aufs Engste mit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires im Jahr 1994 in Verbindung gebracht, bei dem 85 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden. Argentinische Staatsanwälte haben ihn als einen der hochrangigen Funktionäre identifiziert, die an der Planung des Anschlags beteiligt waren, und seitdem ist er Gegenstand internationaler Haftbefehle. Seine Verbindungen zu hochrangigen Dschihadisten, darunter Ayman al-Zawahiri, haben auch die Aufmerksamkeit von Geheimdiensten wie der CIA und dem Mossad auf sich gezogen. Dennoch konnte er im Jahr 2019 nach Bolivien reisen, ohne festgenommen zu werden, was die Grenzen internationaler Durchsetzungsmechanismen deutlich macht.

Während des Aufstands gegen das Regime im Iran im Jahr 2022, der mit systematischer Brutalität und tödlicher Gewalt niedergeschlagen wurde, unterstützte er offen die Inhaftierung von Dissidenten. Das spiegelt Vahidis konsequente Übereinstimmung mit dem repressiven Vorgehen des Regimes bei internen Unruhen wider. Angesichts all dessen ist es kein Wunder, dass Vahidi zum De-facto-Führer des Mullah-Regimes und der herrschenden Junta im Iran werden konnte.

Das Regime hat sich nie ausschließlich auf Diplomatie als Instrument der Staatsführung verlassen. Neben formellen Verhandlungen fungieren die IRGC und ihre Geheimdienstzweige seit langem als zentrale Säulen für das Überleben des Regimes, beauftragt sowohl mit externen Operationen als auch mit interner Kontrolle.

Aus diesem Ökosystem heraus treten Persönlichkeiten wie Vahidi hervor und werden befördert. Seine Ernennung zum IRGC-Befehlshaber sollte daher weniger als administrative Entscheidung denn als politische Botschaft verstanden werden. In einer Zeit zunehmenden internen Drucks und regionaler Spannungen sowie verschärfter Konfrontationen mit Israel und den Vereinigten Staaten scheint Teheran sein Vertrauen in hartgesottene Sicherheitsakteure zu verstärken.

Rückgrat des Regimes

Nach mehr als vier Jahrzehnten an der Macht steht der schiitische islamische Staat vor einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Im Inland hat der Verlust des öffentlichen Vertrauens – bedingt durch wirtschaftliche Not, politische Unterdrückung und Generationswechsel – die soziale Basis des Regimes geschwächt. Regional ist die Strategie Teherans, sich auf terroristische Stellvertreter-Netzwerke und asymmetrische Kriegsführung zu stützen, zunehmend kostspielig und in einigen Fällen weniger wirksam geworden.

Im Zentrum dieses Systems steht nach wie vor die Revolutionsgarde, die als oberster Garant des Regimes fungiert. Führungswechsel innerhalb der IRGC sind selten zufällig. Sie spiegeln in der Regel umfassendere strategische Überlegungen wider und stehen oft im Einklang mit den Prioritäten der höchsten Machtinstanzen. In diesem Zusammenhang deutet Vahidis Beförderung auf eine Präferenz für Kontinuität, Disziplin und Kontrolle gegenüber Experimenten oder Reformen hin.

Trotz der Aufmerksamkeit, die politischen Persönlichkeiten zuteilwird, liegt die wahre operative Schwerkraft bei den hochrangigen IRGC-Kommandeuren. Sie koordinieren den Informationsfluss, die Raketenstreitkräfte, Bodenoperationen und die Beziehungen zu verbündeten nichtstaatlichen Akteuren. Damit bilden sie das operative Rückgrat des Regimes. In Zeiten der Instabilität treten sie als die De-facto-Krisenmanager des Systems in Erscheinung.

Aus strategischer Sicht könnte Vahidis Rückkehr in die obersten Reihen des Regimes darauf hindeuten, dass Teheran sich eher auf eine Phase anhaltender Spannungen als auf eine unmittelbare Eskalation vorbereitet. Für Israel ist das Signal vielschichtig. Die iranischen Entscheidungsträger dürften sich dessen bewusst sein, dass die israelischen Operationen – insbesondere solche, die auf mit dem IRGC verbundene Infrastruktur und Netzwerke abzielen – echte Kosten verursacht haben. Die Ernennung dieser fanatischen Persönlichkeit kann daher als Versuch interpretiert werden, die Abschreckung wiederherzustellen, ohne Schwellenwerte zu überschreiten, die eine direkte Konfrontation riskieren.

Dieser Ansatz steht im Einklang mit der allgemeinen Doktrin des Iran der »kalibrierten Ambiguität«. Anstatt sich auf offene Konflikte einzulassen, hat Teheran es oft vorgezogen, mit indirekten Mitteln zu operieren. Darunter fallen der Einsatz von Raketenkapazitäten, Drohnensystemen und Stellvertretergruppen sowie das Durchführen von abstreitbaren Aktionen, um das strategische Umfeld zu gestalten und gleichzeitig eine plausible Leugnungsmöglichkeit zu wahren.

Für die Vereinigten Staaten ist die Botschaft etwas anders, aber nicht weniger bedeutsam. Die Beförderung einer Persönlichkeit wie Vahidi soll signalisieren, dass die IRGC trotz Sanktionen und diplomatischem Druck weiterhin institutionelle Widerstandsfähigkeit besitzt. Sie spiegelt auch die implizite Einschätzung wider, dass Washington möglicherweise zögert, sich auf eine langwierige oder groß angelegte Konfrontation einzulassen, insbesondere in einem komplexen globalen Umfeld.

Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass Teheran eine sofortige Eskalation anstrebt. Im Gegenteil: Es könnte auf eine Strategie hindeuten, die auf Ausdauer ausgerichtet ist und darauf, den Druck über einen längeren Zeitraum zu managen bei gleichzeitiger Wahrung der Kernkapazitäten und der Vermeidung direkter Konflikte, wo immer dies möglich ist. Die Stärkung interner Kommandostrukturen steht im Einklang mit diesem Ansatz.

Ausrichtung auf Zukunft

Gleichzeitig lassen sich die Signale nach außen nicht von den innenpolitischen Realitäten trennen. Die IRGC fungiert heute nicht nur als Streitkraft, sondern auch als zentraler Akteur im Bereich der inneren Sicherheit. Anhaltende soziale und wirtschaftliche Belastungen stellen in Verbindung mit anhaltendem öffentlichen Protest eine fortwährende Herausforderung für die Stabilität des Regimes dar. In diesem Umfeld dürfte eine engere Abstimmung zwischen Geheimdienst- und Durchsetzungsmechanismen Priorität haben.

Diese internen Dynamiken prägen wiederum das außenpolitische Verhalten des Iran. Ein System, das unter innenpolitischem Druck steht, mag zwar versuchen, einen groß angelegten Krieg zu vermeiden. Zugleich könnte es sich aber auch stärker auf asymmetrische Aktionen im Ausland stützen, um die Wahrnehmung zu steuern, loyale Wählerschichten zu mobilisieren und die Aufmerksamkeit von internen Schwachstellen abzulenken.

Das terroristische Netzwerk regionaler Partner bleibt ein wichtiger Bestandteil der iranischen Strategie, steht jedoch ebenfalls unter Druck. Gruppen wie die Hisbollah und die Hamas sehen sich mit eigenen politischen und operativen Einschränkungen konfrontiert, was einen selektiveren Einsatz und eine engere Koordinierung erfordert. Dies deutet eher auf eine Phase der Neuausrichtung als auf eine Expansion hin.

Mit Blick auf die Zukunft überschattet die Frage der Nachfolge das gesamte System. Da die iranische Führung altert und Fragen der Legitimität zunehmen, positioniert sich die IRGC zunehmend als entscheidender Schiedsrichter künftiger Machtverhältnisse. Heute getroffene Ernennungen in Führungspositionen könnten daher Auswirkungen haben, die über unmittelbare Sicherheitsbelange hinausgehen und das Kräfteverhältnis in einer möglichen Ära nach Khamenei prägen.

In diesem Zusammenhang werden Persönlichkeiten wie Ahmad Vahidi nicht nur nach ihren operativen Fähigkeiten beurteilt, sondern auch nach ihrer Zuverlässigkeit und ihrer Übereinstimmung mit den Kernprioritäten des Systems. In der Praxis unterstreicht der Aufstieg einer solch berüchtigten Persönlichkeit, dass die Machthaber nur einen einzigen Zweck verfolgen: den Erhalt des Regimes um jeden Preis. Loyalität und ideologische Konsequenz bleiben die zentralen Kriterien für den Aufstieg.

Die jüngsten Veränderungen innerhalb der IRGC sollten eher als Teil einer umfassenderen strategischen Neuausrichtung denn als symbolische Geste betrachtet werden. Durch die Beförderung einer Persönlichkeit, die tief im Sicherheitsapparat verwurzelt ist, signalisiert Teheran Kontinuität, Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft, eine längere Phase der Unsicherheit zu meistern.

Für politische Entscheidungsträger in Washington und Jerusalem ist es unerlässlich, diese internen Dynamiken zu verstehen. Der Kurs des Iran wird nicht allein durch öffentliche Erklärungen oder diplomatische Gesten bestimmt, sondern vor allem durch die Machtkonstellationen innerhalb seiner Sicherheitsinstitutionen. In diesem Sinne können Personalentscheidungen einen klareren Einblick in strategische Absichten bieten als bloße Rhetorik.

Erfan Fard ist Analyst für Terrorismusbekämpfung und Forscher im Bereich Nahoststudien mit Sitz in Washington. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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