Ärzte ohne Grenzen zieht sich aus dem Nasser-Hospital zurück. Der Grund: Milizen und Waffentransfers im Klinikalltag. Während die Hamas-Verwaltung erzürnt auf die Vorwürfe reagiert, sieht sich Israel bestätigt.
Die jüngste Entscheidung von Ärzte ohne Grenzen (MSF), die Arbeit im Nasser-Krankenhaus in Khan Yunis teilweise einzustellen, liefert eine überzeugende Schilderung der sicherheitspolitischen Lage vor Ort. Die im Internet veröffentlichte Pressemitteilung der NGO hält fest: »In den letzten Monaten haben Patienten und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Nasser-Krankenhaus in Chan Junis bewaffnete Männer in verschiedenen Bereichen des großen Krankenhausgeländes gesehen. Einige davon waren maskiert.«
Die geschilderten Beobachtungen lassen klar erkennen, dass es sich hierbei keineswegs um bedauerliche Einzelfälle handelt. Vielmehr dokumentieren sie systematische Brüche des Völkerrechts, die das Krankenhaus als geschützte Einrichtung gezielt untergraben. MSF führt weiter aus: »Seit dem Waffenstillstand haben unsere Teams außerdem eine Zunahme inakzeptabler Handlungen gemeldet, darunter Einschüchterungen, willkürliche Verhaftungen von Patienten und kürzlich den Verdacht auf Waffenbewegungen. Diese Vorfälle stellen eine ernsthafte Sicherheitsbedrohung für unsere Teams und Patienten dar.«
Zudem beteuert die Organisation, gegenüber den zuständigen Behörden offiziell ihre »große Besorgnis zum Ausdruck gebracht« zu haben und betont, Krankenhäuser müssen »neutrale, zivile Räume bleiben, frei von militärischer Präsenz oder militärischen Aktivitäten«. Nur dann wäre eine sichere und unparteiische medizinische Versorgung zu gewährleisten. Diese Erkenntnis gehört zum strategischen Einmaleins des Völkerrechts. Artikel 19 des IV. Genfer Abkommens macht klar, dass Zivilkrankenhäusern der Schutz entzogen werden kann, »wenn sie außerhalb ihrer humanitären Bestimmung dazu verwendet werden, den Feind schädigende Handlungen zu begehen«.
Hamas reagiert erzürnt
Seit Oktober 2023 habe MSF nach eigenen Angaben mehr als 499.000 Notfälle im Gazastreifen medizinisch versorgt. Dazu zählt die NGO über 20.400 chirurgische Eingriffe und mehr als 61.000 stationäre Behandlungen sowie über 1,4 Millionen ambulant betreute Patienten. Auch die lebensnotwendige Grundversorgung während des von der Hamas begonnenen Kriegs blieb eine gewaltige Aufgabe. So wurden rund 19.500 Geburten begleitet und mehr als 66.000 Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Neben der psychosozialen Beratung für über 83.500 Menschen sicherte die Bereitstellung von täglich mehr als 1,4 Millionen Litern Trinkwasser das Überleben zahlreicher Familien.
Wenn selbst eine Organisation wie MSF, die Israel traditionell kritisch gegenübersteht, die Militarisierung von Krankenhäusern nicht mehr verschweigen kann, haben die Ärzte gewissermaßen eine Grenze überschritten. Es geht hier nicht mehr nur um die Sicherheit der direkt betroffenen Helfer und Patienten, sondern um die Offenlegung der völligen Demontage jeder humanitären Integrität durch die Hamas. Dementsprechend entbrannte auch ein Streit zwischen MSF und den von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörden. Die Leitung des Nasser-Krankenhauses weist die Vorwürfe als »unbegründet« zurück. Laut einem Bericht von Al Jazeera behauptet sie sogar, die MSF-Aussagen würden »Fakten falsch darstellen und Narrative widerspiegeln, die historisch genutzt wurden, um israelische Angriffe zu rechtfertigen«.
Dass die Hamas ihre eigenen Partner der Lüge bezichtigt, sobald diese die bewaffnete Präsenz in Krankensälen bestätigen, ist die ultimative Bekräftigung der israelischen Position. Dennoch ist dies kein Grund zur Schadenfreude. Die medizinische Versorgung der unschuldigen Nichtkombattanten verschlechtert sich durch das Handeln der Hamas massiv. Zugleich wird auch weiterhin Israel dämonisiert, während die Terrorgruppe jede Entwaffnung verweigert und Zivilisten als Schutzschilde missbraucht.
Ein weiteres Opfer der Zustände ist das humanitäre Engagement Israels gerade für die Bewohner des Gazastreifens. Laut offiziellem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 28. Februar 2025 wurden damals in einer konzertierten Aktion mit Israel rund 603.000 Kinder im gesamten Gazastreifen gegen Polio geimpft. Diese logistische Kraftanstrengung erreichte über neunzig Prozent der Zielgruppe und war nur durch die von Israel koordinierten Kampfpausen möglich. Ein Staat, der Auslöschung und Völkermord plant, wie es Israel so gerne vorgeworfen wird, würde wohl kaum mitten in einem von der Gegenseite vom Zaun gebrochenen Krieg die logistischen Kapazitäten für eine beispiellose Impfkampagne bereitstellen.
Auch weitere Zahlen der WHO widerlegen die Legende einer medizinischen und humanitären Blockade durch Israel. Schon 2022 reisten jährlich über 20.000 Patienten zur Behandlung aus dem Küstenstreifen aus. Im November 2022 erreichte die Bewilligungsrate am Grenzübergang Erez mit achtzig Prozent einen Rekordwert. Jeder fünfte Patient wurde direkt in israelischen Krankenhäusern behandelt. Diese Kooperation war gelebte Realität, bis der Terror der Hamas die zivile Infrastruktur in ein Schlacht- und Trümmerfeld verwandelte.
Obwohl MSF nun den Missbrauch medizinischer Einrichtungen durch die Hamas einräumt, bleiben viele NGOs und Medien auffallend nachsichtig mit den Terroristen. Inwieweit dieser Bruch eine echte Wende in der Wahrnehmung markiert, wird sich erst noch zeigen müssen. Fakt ist, dass es vielen Israelkritikern sichtlich schwerfällt, auch nur kurzzeitig auf die Diffamierung des jüdischen Staates zu verzichten. Die medizinischen Leistungen Israels bei der Versorgung der Bevölkerung des Gegners anzuerkennen, würde bedeuten, ein mühsam konstruiertes Feindbild aufzugeben. Doch die Zahlen der WHO und die Fakten am Erez-Übergang lassen sich nicht dauerhaft durch Schweigen aus der Welt schaffen.






