Die mit der Muslimbruderschaft verbundene Hasm-Bewegung ist wieder in den Vordergrund getreten, nachdem die ägyptischen Behörden von ihr geplante Anschläge vereitelt haben.
Das ägyptische Innenministerium erklärte vor einigen Tagen, es habe »Informationen erhalten, wonach flüchtige Hasm-Führer in der Türkei Vorbereitungen und Pläne zur Wiederaufnahme ihrer Aktivitäten und zur Durchführung feindlicher Operationen gegen Sicherheits- und Wirtschaftseinrichtungen in Ägypten treffen. Der Plan sah vor, ein Mitglied mit militärischer Ausbildung in ein Nachbarland (Sudan) zu schicken, um dort in Zusammenarbeit mit anderen den Plan auszuführen.«
Laut dem Ministerium konnten »Sicherheitskräfte das Versteck von zwei Hasm-Angehörigen in einem beliebten Viertel in Gizeh ausfindig machen und eine Razzia durchführen, bei der die beiden Terroristen getötet wurden, ein Beamter verletzt wurde und ein Bürger bei einem Schusswechsel mit den beiden Terroristen ums Leben kam«.
Vor einigen Wochen verbreiteten Aktivisten in den sozialen Medien ein Video, das der Hasm-Bewegung zugeschrieben wird und in dem die Bewegung ihre Rückkehr ankündigte. Das Video zeigt maskierte Bewaffnete, die Schüsse abgeben und militärische Übungen durchführen, gefolgt von einer schriftlichen Erklärung mit einer Drohung an die ägyptischen Behörden.
Zerschlagen
Die letzten Operationen, die der Hasm-Bewegung zugeschrieben werden, gehen auf das Jahr 2019 zurück, als die ägyptischen Behörden sie der Beteiligung an einem Autobombenanschlag in der Nähe des Nationalen Krebsinstituts in der Innenstadt von Kairo beschuldigten, bei dem zweiundzwanzig Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden. Die Behörden beschuldigten sie, einen Anschlag auf den ehemaligen Großmufti von Ägypten Ali Gomaa und die Ermordung des Generalstaatsanwalts sowie die des Leiters der Ermittlungen in Tamiya in der Provinz Fayoum im Jahr 2016 geplant zu haben.
Die im selben Jahr gegründete Bewegung erlitt in der Folge schwere Rückschläge, darunter die Zerschlagung ihrer Zellen und die Beschlagnahmung ihrer Waffenlager, was zu einem erheblichen Rückgang ihrer Aktivitäten führte. Im Jahr 2021 nahmen die USA die Hasm-Bewegung in ihre Liste der terroristischen Vereinigungen auf. Außerdem wurden die beiden in der Türkei wohnhaften Anführer Alaa Ali Muhammad (auch bekannt als Alaa al-Samahi) und Yahya al-Sayyid Ibrahim (auch bekannt als Yahya Musa) als Personen auf die Liste gesetzt.
Schließlich hatte der ägyptische Präsident Abdel Fattah el-Sisi im April 2023 während einer Veranstaltung mit der Armee im Sinai erklärt, der »Terrorismus in Ägypten sei beendet«.
Versuchte Wiederbelebung
Angesichts der jüngsten Ereignisse erklärte der Sicherheits- und Terrorismusforscher Ahmed Sultan gegenüber der saudischen Zeitung Asharq Al-Awsat, dass »die vom Innenministerium vereitelte Operation die ernsthaften Versuche von Hasm offenbart, ihre Aktivitäten wieder aufzunehmen«. Jene Person, die laut Aussage des Innenministeriums nach Ägypten eingedrungen sein soll, »hatte eine Führungsrolle inne, was bedeutet, dass andere Gruppen organisiert und mit der Ausführung des Plans beauftragt werden sollten«.
Die Ereignisse zeigten, dass Hasm immer noch nach dem altbewährten Prinzip der Zellenstruktur operiert, wobei Entscheidungen von außerhalb Ägyptens über verschlüsselte elektronische Anwendungen getroffen und an verstreute Gruppen weitergegeben werden. »Die Hasm-Bewegung ist nicht wirklich verschwunden und verfügt sowohl innerhalb als auch außerhalb Ägyptens noch immer über Zellen. Obwohl ihre derzeitige Fähigkeit zur Durchführung groß angelegter Terroroperationen aufgrund präventiver Sicherheitsmaßnahmen eingeschränkt ist, bedeutet dies nicht, dass sie nicht vorhat, solche Operationen durchzuführen.«
Darüber hinaus ist der Sicherheits- und Strategieexperte Samir Farag der Ansicht, die Muslimbruderschaft befinde sich in einer »vorübergehenden Ruhephase«, in der sie versuche, mittels externer Finanzmittel die Aktivitäten ihrer bewaffneten Flügel wiederzubeleben und neue Mitglieder zu rekrutieren. »Die Wiederbelebung des militärischen Flügels der Bruderschaft zielt darauf ab, die Moral der Kader der Organisation zu stärken und ihre Fähigkeit zu einem Comeback zu demonstrieren.«
Laut Farag sieht dieser Plan auch vor, die Schwächen des Sicherheitsapparats zu testen und vor allem zu versuchen, den Staat vor den für Ende des Jahres geplanten Parlamentswahlen in Verlegenheit zu bringen.






