Wird der Iran das nächste Nordkorea werden?

„Anfang des Monats testete Nordkorea eine ballistische Interkontinentalrakete (ICBM), die Alaska erreichen könnte. Es wird davon ausgegangen, dass Pjöngjang über Kernmaterial für bis zu 30 Atomwaffen und Raketen verfügt, die US-amerikanische Stützpunkte und Verbündete in Asien ohne Weiteres erreichen könnten. In einigen Jahren wird es auch über eine ICBM verfügen, mit der es die Vereinigten Staaten selbst bedrohen könnte. Damit würde Nordkorea neben Russland und China zum dritten Gegner der USA, der über die Fähigkeit verfügt, einen Atomkrieg gegen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zu führen. Wenn wir nicht umsichtig sind, könnte der Iran bald hinzukommen. (…) Im Rahmen des 1994 vereinbarten Agreed Framework verpflichtete sich Nordkorea, sein Plutoniumproduktionsprogramm einzufrieren, und erhielt im Gegenzug wirtschaftliche Unterstützung und andere Beihilfen. (…) Inzwischen wissen wir, dass Nordkorea geradezu von Tag eins an gegen die Vereinbarung verstoßen und mit Hilfe Pakistans ein Geheimprogramm zur Urananreicherung aufgelegt hat. (…) [Mit dem Iran] wurde 2015 der Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) vereinbart, den die Obama-Administration als eine ihrer herausragenden Leistungen pries. Im Gegensatz zum Agreed Framework, das Nordkorea die Herstellung von Kernbrennstoffen vollständig untersagte, hat der JCPOA dem Urananreicherungsprogramm des Iran internationale Legitimität gebracht. Das Abkommen setzt dem iranischen Anreicherungsprogramm zwar Grenzen, doch beginnen diese nach zehn Jahren (also in etwa acht Jahren) auszulaufen. (…)

Wenige Experten glauben daran, dass das Abkommen die atomare Bedrohung durch den Iran wird abwenden können. Bei einem kürzlich in Washington abgehaltenen Seminar haben neben mir auch mehrere andere Experten (darunter sowohl Befürworter als auch Gegner des Abkommens) Prognosen über die Zukunft der Vereinbarung abgegeben. Wir waren uns alle darin einig, dass der Iran beides auf einmal haben möchte. Er will, dass die Sanktionen zurückgefahren werden, möchte aber auch über ein robustes Atom- und Raketenprogramm verfügen. Mit einer Ausnahme gingen wir alle davon aus, dass der Iran das Abkommen bereits vor seinem Auslaufen unterlaufen werde. Der einzige Experte, der meinte, das Abkommen werde Bestand haben, argumentierte damit, die Mullahs hätten jedes Interesse daran, sich an das Abkommen zu halten, weil es sie so sehr begünstige. Es biete ihnen ein Jahrzehnt, in dem sie sanktionsfrei ihre Wirtschaft wiederbeleben können, um dann das Atomwaffenprogramm wieder aufzunehmen, wenn die Auflagen auslaufen. Kurzum: Optimistisch war keiner von uns.“ (Matthew Kroenig : „North Korea Tested an ICBM. Iran Is Next“)

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