Russland setzt auf sunnitische Soldaten in Syrien

„Putin hat in Syrien eine ganz neue Waffe eingesetzt: Tschetschenische und inguschetische Kommandotruppen aus dem unruhigen russischen Nordkaukasus. Bis vor kurzem wurden reguläre russische Truppen in Syrien überwiegend als Begleitcrew für die Flugzeuge eingesetzt, die im Land Luftangriffe fliegen. Von wenigen bemerkenswerten Ausnahmen abgesehen – der Einsatz von Artillerie und Spezialtruppen in der Provinz Hama sowie von Militärberatern bei den syrischen Streitkräften in Latakia – hat Moskau seine Bodeneinsätze bislang auf ein Minimum beschränkt. Somit repräsentiert der anhaltende Einsatz von tschetschenischen und inguschetischen Brigaden einen strategischen Umschwung seitens des Kreml. Russland hat nun in ganz Syrien seine eigenen, der sunnitischen Bevölkerung entstammenden Elitetruppen auf dem Boden. Diese verstärkte Präsenz erlaubt es dem sich dort langfristig eingrabenden Kreml, einen stärkeren Einfluss auf die Ereignisse im Land auszuüben. Diese Streitkräfte könnten eine entscheidende Rolle spielen, sollte es notwendig werden, gegen Handlungen des Assad-Regimes vorzugehen, die die weitergehenden Interessen Moskaus im Nahen Osten unterlaufen würden. Zugleich erlauben sie es dem Kreml, zu einem reduzierten politischen Preis seine Macht in der Region zu auszubauen. (…)

Der Einsatz der Kämpfer hat für Moskau einen weiteren erheblichen Vorteil. Die Bewohner des Nordkaukasus sind fast alle Sunniten und gehören damit dem gleichen Arm des Islam an wie die Mehrheit der syrischen Bevölkerung. Seit der Ankunft der ersten Einheiten im Dezember 2016 hat Moskau kontinuierlich versucht, die gemeinsame Religion und das gemeinsame Aussehen zu seinem Vorteil zu nutzen. Es ist bekannt, dass nordkaukasische Einheiten Handbücher verwenden, die Ratschläge enthalten, wie mit den örtlichen Bewohnern umzugehen sei. Dort wird ihnen beispielsweise geraten, das Wort ‚mukhabarat‘ (syrischer Geheimdienst) ausgiebig zu verwenden – also, mit Haft und anderen unerfreulichen Rückwirkungen zu drohen – falls sie auf Widerstand stoßen. Ein versöhnlicherer Ratschlag legt der tschetschenischen Militärpolizei nahe, gemeinsame muslimische Ausdrücke zu verwenden, um freundlichere Beziehungen zur Öffentlichkeit aufzubauen, und Anwohner bei Patrouillen mit verschiedenen religiösen Beinamen zu grüßen. Die vom tschetschenischen Großmufti vor einem syrischen Publikum in Aleppo vollzogene Konversion eines russischen Soldaten zum Sunnitentum stellte ein weiteres auf der gemeinsamen Religion der Syrer und der Soldaten aufbauendes Public-Relations-Manöver dar. (…) Mitte April schließlich gab der Direktor der Universität von Damaskus die Einrichtung eines Campus in Tschetschenien bekannt. Angesichts der religiösen und kulturellen Verbindungen, hofft Moskau darauf, dass seine neuen mehrheitlich muslimischen Brigaden bei der syrischen Bevölkerung besser ankommen werden als Soldaten, die ethnische Russen sind.“ (Neil Hauer: „Putin Has a New Secret Weapon in Syria: Chechens“)

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