Mena-Exklusiv

Zu Aleppo: Ein Zweizeiler des deutschen Außenamtes

Von Thomas von der Osten-Sacken

aleppo grafikNach entsprechender Kritik, tagelang nämlich herrschte dröhendes Schweigen, hat das deutsche Außenamt sich nun zu einem Zweizeiler zu Aleppo durchgerungen, und der klingt dann so:

„Seit mehreren Tagen ist Ost-Aleppo nun schon fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Die von der Opposition kontrollierten Stadtteile können nur unter Lebensgefahr erreicht werden, da die syrische Armee die Zugangswege blockiert.“

Merke: Hizbollah, Russen, iranische Revolutionsgardisten, schiitische Milizen, nein die gibt es nicht, auch wenn sie zusammen 90% der Angreifer ausmachen, sonst könnte man ja nicht so ganz äquidistant vor sich hin fabulieren. Außerdem könnte das als Kritik, ja gar als „Säberlrasseln“ gelesen werden, und das schadet schließlich der Dipliomatie und dem Dialog.

Die Bilder aus Aleppo zeigen“ – nicht etwa, dass ein grausamer Vernichtungskrieg im Gange ist und dass noch jedes Versprechen seitens der Russen, Iraner und Syrer, jede Zusage, die sie je gegeben haben, gebrochen worden ist – nein, die Bilder zeigen dem Berliner Außenamt „wie dringend eine Rückkehr zum politischen Prozess ist. Wir setzen uns deshalb weiterhin intensiv dafür ein, dass die Friedensgespräche in Genf so rasch wie möglich wieder aufgenommen werden.“

Auch die letzten Gespräche in Genf haben keinerlei Ergebnisse gezeitigt, weil Assad keinen Millimeter vons einen Maximalposition abrücken will. Wofür auch? Am Ende bekommen er und seine Verbündeten ja ohnehin, was sie fordern. Und in Genf wird dann erst dann wieder verhandelt, wenn die Opposition platt gemacht wurde und man dem kläglichen Rest eine Friedensordnung aufzwingen kann, die derweil John Kerry mit den Russen abspricht. Denn längst hat das Narrativ gesiegt, dass in Syrien nicht Assad das Problem ist, Steinmeier hat es gerade wieder in der FAZ erklärt, sondern der islamische Terrorismus. Und der hat heute ein rein sunnitischer zu sein, denn die schiitischen Milizen, die sind ja ‚unsere Verbündeten‘ – solange bis sie ihr erklärtes Ziel erreicht haben und das heißt, überall Islamische Republiken nach iranischem Vorbild zu errichten und Israel auszulöschen.

Aber humanitäre Hilfe soll, ja das steht da wirklich im Text des Auswärtigen Amtes, „auch in die von der Opposition gehaltenen Stadtviertel“ gelangen. Auch! Wie nett. Aber natürlich nur, wenn Assad, das heißt Russland und der Iran dem zustimmen.

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