Mena-Exklusiv

Ein Propagandacoup namens Jihad

Von Alex Feuerherdt

Ein zehnjähriges palästinensisches Mädchen ist der neue Star der Anti-Israel-Szene und wird durch die Medien und das Internet gereicht. Die infame Strategie seiner dahinter stehenden einflussreichen Großfamilie wird dabei ausgeblendet – auch im Weltspiegel der ARD, der das Kind kürzlich porträtiert hat. Dabei ist die Kenntnis genau dieser Strategie wesentlich, wenn man den medialen Erfolg von „Janna Jihad“ verstehen und einordnen will.

Der Spiegel hat sie als „jüngste Journalistin Palästinas“ vorgestellt, nahezu wortgleich hat das auch der Kurier getan, im Schweizer Tagesanzeiger ist sie „die jüngste palästinensische Reporterin“ und „die jüngste Kriegsreporterin der Welt“ sowie „das Kamerakind des Nahostkonflikts“ genannt worden, im Weltspiegel der ARD hieß es unlängst über sie: „Eine Kinder-Reporterin stoppt Soldaten“. Eine Menge Publicity und Ruhm also für ein gerade mal zehnjähriges Mädchen, das darüber hinaus auch von Al-Jazeera porträtiert wurde, dem britischen Boulevardblatt Daily Mail eine Story wert war und in den amerikanischen Vice News zu Wort kam. Die internationalen Medien stürzen sich regelrecht auf „Janna Jihad“, wie sie sich beispielsweise auf ihrer auffallend professionell gestalteten Facebook-Seite nennt, wo ihr mittlerweile über 220.000 Nutzer folgen. Bevorzugt dort, aber auch auf YouTube und Instagram veröffentlicht sie ihre selbst produzierten Videos und Fotos, die von Abertausenden angeklickt werden. Sie „kämpft mit ihrer Kamera gegen die israelische Besatzung“, meint anerkennend der Weltspiegel, der Janna auch ihren Berufswunsch begründen ließ: Sie wolle Journalistin werden, „um Palästina zu befreien“, sagte sie der ARD.

Ein niedliches kleines Mädchen, das sich mutig und nur mit einem Bildaufnahmegerät bewaffnet einer hochgerüsteten Militärmacht entgegenstellt – so etwas erwärmt die Herzen von Medien und Publikum natürlich, zumal dann, wenn es sich um ein palästinensisches Kind und israelische Soldaten handelt. Dass sie „mit Nachnamen Jihad heißt“ – also Heiliger Krieg –, sei bloß „Zufall“, beteuert die Autorin des Weltspiegel-Beitrags, Susanne Glass vom ARD-Studio Tel Aviv, gleich zu Beginn ihres Films. Doch da irrt die Korrespondentin, denn „Jihad“ ist in diesem Fall ein Nom de guerre, der somit keineswegs von ungefähr kommt. Jannas Nachname lautet vielmehr Tamimi, was Glass eigentlich bekannt sein müsste, schließlich nennt sie später den Zunamen von Jannas Mutter.

 

Ritualisierte Proteste aus Pallywood

Was die ARD-Korrespondentin ebenfalls wissen dürfte: Wer Tamimi heißt und wie Janna in Nabi Saleh lebt, einem palästinensischen Dorf im Westjordanland, gehört einer dort ansässigen Großfamilie an, die seit Jahren bekanntermaßen vor allem damit beschäftigt ist, Bilder zu inszenieren, die Israel als grausame und unmenschliche Besatzungsmacht erscheinen lassen sollen. Ihre Kinder setzt sie dabei gezielt als propagandistische Waffe ein. Wie das vonstattengeht, hat Georg M. Hafner vor einem Jahr in der Jüdischen Allgemeinen eindrücklich geschildert: Regelmäßig freitags machen sich Mitglieder des Tamimi-Clans gemeinsam mit anderen Bewohnern von Nabi Saleh in Richtung der nahe gelegenen, seit rund 40 Jahren existierenden israelischen Siedlung Halamish auf. Stets haben sie palästinensische Fahnen, Gasmasken, Steine und ihre Smartphones dabei, stets werden sie von einem Medientross begleitet, den es nach spektakulären Bildern dürstet.

tamimi_idfDie Proteste folgen einem festen Ritual: Die Demonstranten laufen einen Hügel hinab und auf die Soldaten zu, die irgendwann Tränengas einsetzen, während Kinder von der Spitze des Hügels aus Steine schleudern und werfen. Im August 2015 kommt es zu einem Zwischenfall, der weltweit bekannt wird: Als ein israelischer Soldat den zwölfjährigen Muhammad Tamimi, einen Cousin von „Janna Jihad“, festnehmen will, weil er Steine geworfen haben soll, versuchen mehrere palästinensische Frauen – darunter Jannas Mutter – und Mädchen, die Festnahme zu verhindern. Sie schreien, sie zerren und ziehen an dem Soldaten, sie schlagen mit den Fäusten auf ihn ein, die jugendliche Ahed Tamimi, Muhammads Schwester, beißt ihm sogar in die Hand. Er wehrt sich kaum, wohl weil er weiß, welche Bilder dann um die Welt gehen würden – schließlich ist er umringt von Menschen mit Kameras.

Der Soldat „verhält sich so, wie alle darauf vertrauen, dass sich ein israelischer Soldat verhält“, schreibt Georg M Hafner. „Er gibt keinen Schuss ab, nicht einmal einen zur Warnung. Man mag sich nicht vorstellen, wie eine vergleichbare Situation in einem anderen Konfliktherd der Region, in Libyen, Ägypten oder Syrien etwa, ausgegangen wäre.“ Fotos, die den Armeeangehörigen als brutalen Kinderquäler erscheinen lassen sollen, gibt es dennoch: Sie scheinen zu zeigen, wie er einen wehrlosen, weinenden Jungen – der an einem Arm auch noch einen Gipsverband trägt – im Würgegriff hält und mit einem Maschinengewehr bedroht. Auf den Kontext dieser Bilder wird nur in wenigen Medien hingewiesen, schließlich müsste man sonst kritisch thematisieren, dass solche Aufnahmen genau das Ziel gewesen sind. Wie Hafner berichtet, macht man sich selbst beim Roten Halbmond mit diesem Unterfangen gemein: „Gut gemacht“, lobt einer seiner Sanitäter Muhammad Tamimi dafür, dass dieser ein solch prächtiges Fotomotiv abgegeben hat. Und: „Wir haben sie“ – sie, die gewünschten Bilder. Auf ihrer Facebook-Seite feiert auch Muhammads Mutter den „Sieg“.

 

Gehirnwäsche und Indoktrination

Die Tamimis in Nabi Saleh sind Pallywood-Schauspielerinnen und -Schauspieler und schaffen es immer wieder, neue Ikonen der Anti-Israel-Propaganda hervorzubringen, die in den Medien und im Internet gefeiert werden. Die bissige Ahed Tamimi – die nicht nur Muhammads Schwester, sondern auch die Cousine von „Janna Jihad“ ist – hat es dabei mit ihren Auftritten zu besonderer Popularität gebracht. Immer wieder provoziert sie während der freitäglichen Demonstrationen israelische Soldaten, schreit sie medienwirksam an und versetzt ihnen auch schon mal Hiebe und Tritte. Wie sehr sie dabei darauf achtet, dass auch ja eine Kamera in der Nähe ist – damit eine etwaige Reaktion der Soldaten medial ausgeschlachtet werden kann –, zeigt besonders eindrucksvoll ein Video aus dem Jahr 2012, das zugleich deutlich macht, wie sehr die Soldaten ihrerseits darauf bedacht sind, sich nicht von ihr und anderen Kindern herausfordern zu lassen.

 

Nun scheint Janna ihrer Cousine allerdings den Rang abzulaufen – was jedoch ganz im Sinne des Tamimi-Clans sein dürfte. Denn Ahed nähert sich allmählich der Volljährigkeit und eignet sich damit nicht mehr ganz so gut als unschuldige Symbolfigur für den Kampf gegen die niederträchtigen Zionisten wie eine telegene Zehnjährige, die es zudem schon seit einigen Jahren gewöhnt ist, vor der Kamera zu stehen. Wie Ahed klagt auch Janna israelische Soldaten flammend an, während jemand die Szene dreht; sie weiß sich geschickt zu inszenieren und parliert sowohl auf Arabisch als auch auf Englisch, was sie gerade für internationale Medien besonders tauglich werden lässt. Janna tritt für ihr Alter bemerkenswert professionell und routiniert auf, weiß erkennbar um ihre Wirkung und sagt, etwa gegenüber Susanne Glass von der ARD, zitierfähige Sätze wie: „Das Leben hat mich zu der gemacht, die ich bin. Das Leben unter der Besatzung.“ Oder: „Wir alle bekommen hier direkt nach der Geburt den Widerstand eingepflanzt.“

Letzteres verweist tatsächlich auf die Wahrheit – allerdings in einem anderen Sinn als von Janna beabsichtigt: Der Satz zeugt vielmehr von einer beträchtlichen Gehirnwäsche. Was mit dem Mädchen geschieht, ist eine Form von Indoktrination; eingepflanzt wird ihm, wie zigtausend anderen palästinensischen Kindern, bereits sehr früh der Mythos von den bedauernswerten palästinensischen Ureinwohnern, den unmenschlichen israelischen Besatzern und der Pflicht zur „Befreiung ganz Palästinas“ – von den Juden nämlich. Aus diesem Grund ist „Janna Jihad“ auf dem Header-Foto ihrer Facebook-Seite auch mit einer Halskette zu sehen, an der ein großer Schlüssel baumelt – das Symbol für das angebliche Recht auf „Rückkehr“ der palästinensischen „Flüchtlinge“ in die auf israelischem Territorium befindlichen Häuser ihrer Urahnen, ja, das Symbol für das angebliche Recht der Palästinenser auf das gesamte Land überhaupt.

 

Was der Tamimi-Clan bezweckt

Ganz am Ende ihres Beitrags für den Weltspiegel zieht auch Susanne Glass in Erwägung, dass Janna ein Kind ist, „das geschickt als mediale Waffe im Kampf gegen Israel benutzt wird“. Aber das ist für sie nur eine Möglichkeit unter mehreren – und nicht etwa die schlüssigste Erklärung dafür, dass das Mädchen zum neuen Star der Anti-Israel-Szene geworden ist und durch die Medien gereicht wird. Von der bekannten Medienstrategie des Tamimi-Clans und seiner Berufsdemonstranten ist in Glass‘ Film an keiner Stelle die Rede, dabei kann sie nicht vernachlässigen, wer der Personalie „Janna Jihad“ und ihrem Erfolg auf den Grund gehen will. Vor allem die Publizistin Petra Marquardt-Bigman hat diese Strategie in mehreren Texten ausführlich analysiert; sie hat sich dafür durch unzählige Artikel, Interviews und Facebook-Postings der Tamimis gewühlt und dabei auch herausgefunden, dass es dem Clan keineswegs lediglich um friedlichen Protest geht, sondern er vielmehr bestrebt ist, zu einer dritten „Intifada“ beizutragen.

Bassem Tamimi beispielsweise, der Vater von Ahed und Muhammad, findet nichts dabei, dass Kinder Steine auf israelische Soldaten werfen und Frauen und Mädchen dazu als „menschliche Schutzschilde“ dienen. Zudem hat er, der von Amnesty International nach seinen Festnahmen auf Demonstrationen in den Jahren 2011 und 2012 als gewaltloser Gefangener und Menschenrechtsaktivist verteidigt worden war, auf Facebook seine Sympathie für die terroristischen Qassam-Brigaden zum Ausdruck gebracht. Auch eine antisemitische Lüge wie die Behauptung, Israelis stählen die Organe palästinensischer Kinder (und die Medien unterschlügen dies, da sie zionistisch beherrscht seien), hat Bassem Tamimi schon verbreitet. Seine Frau Nariman Tamimi wiederum hat unter anderem den Selbstmordanschlag auf die Pizzeria Sbarro in Jerusalem im August 2001 – bei dem 15 Menschen, darunter sieben Kinder, getötet und 130 verletzt worden waren – explizit als „integralen Bestandteil“ des palästinensischen „Widerstands“ gegen die israelische „Besatzung“ gerechtfertigt. An dem Attentat wesentlich beteiligt war Ahlam Tamimi; auch sie stammt aus Nabi Saleh. Noch heute ist sie stolz auf diese Mordtat, noch heute verehrt man sie in dem palästinensischen Dorf.

Das alles darf man nicht unterschlagen, wenn man über die angeblich von israelischen Soldaten traumatisierte „Janna Jihad“ berichtet, denn es ist wesentlich für ihren „Erfolg“ in Medien und Internet. Die Wahrheit ist: Palästinensische Propagandisten – darunter die engsten Verwandten – rauben einem Mädchen wie ihr die Kindheit und missbrauchen sie zum Zwecke des (Medien-)Krieges gegen den jüdischen Staat. Wer angesichts dessen Janna Tamimi trotzdem zur Sensation hochjazzt, ihr Attribute wie „jüngste Journalistin Palästinas“ und „jüngste Kriegsreporterin der Welt“ verleiht oder sie gar zur Ikone des „Kampfes gegen die Besatzung“ stilisiert, unterstützt diese Propaganda und diesen Missbrauch – und zwar auf das Schändlichste.

Ein Gedanke zu „Ein Propagandacoup namens Jihad

  1. Moulin

    Zum Thema „den Widerstand einpflanzen“:
    Ich habe kürzlich den Film „Gangsterläufer“ von Christian Stahl gesehen und
    war erstaunt, wie offen der Film und seine Protagonisten diese Mechanismen
    offenlegen – unfreiwillig allerdings. Eine palästinensische Flüchtlingsfamilie in Berlin, deren Söhne zu den bekannten Intensivtätern Berlins gehören, demonstriert hier, wie die (Gewalt-)Erfahrungen auf die nächste Generation wirken, aber auch: projiziert werden und die Wahrnehmung als Opfer/ ewig verfolgte Palästinenser auch den Kindern, die ja nun in Deutschland mit allen Chancen aufwachsen können, eingepflanzt wird.
    Dass auch der Antisemitismus in Deutschland Aufwind erfährt, muss nicht besonders betont werden.

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