Kurden haben die Absichten der USA falsch eingeschätzt

„Die Kurden haben die Absichten der Amerikaner im Laufe der Jahre wiederholt falsch eingeschätzt. Eine Reihe US-amerikanischer Präsidenten hat die Opposition der USA gegen eine Veränderung der Grenzen im Nahen Osten immer wieder bestätigt. Ebenso lang ist Washington in seinen Auseinandersetzungen mit der Sowjetunion, dem Iran, Saddam Hussein und dem Islamischen Staat darauf angewiesen gewesen, dass die Kurden verlässliche Verbündete bleiben. Dadurch gibt es eine gewisse Zweideutigkeit in den Signalen, die kurdische Anführer empfangen, oder meinen, empfangen zu haben. Nach 2003 haben zudem mächtige Spieler in Washington, darunter John McCain und Joe Biden, die Kurdische Regionalregierung (KRG) in der Gestaltung ihrer Beziehungen mit Bagdad unterstützt und eine gewisse Flexibilität in Sachen kurdischer Unabhängigkeit angedeutet. Und die Kurden, eine der größten Nationen ohne eigenen Staat, wollten dem Glauben schenken. (…)

Barzani mag gemeint haben, dies sei eine goldene Gelegenheit, davon zu profitieren, dass die Amerikaner ihre Aufmerksamkeit vom Islamischen Staat auf den Iran als Hauptbedrohung lenken. Er wollte zeigen, dass er in der neuen regionalen Konfrontation ein verlässlicher Verbündeter auf der Seite des USA, Israels, Saudi-Arabiens und der Türkei ist, und dadurch seine eigene Position in der Kurdenregion konsolidieren und einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit zu tun. Das war immer ein riskantes Spiel. Sollte Barzani gemeint haben, die Trump-Administration werde die Kurden aus einer Mischung aus Sympathie, Dankbarkeit und strategischer Notwendigkeit heraus unterstützen, hat er sich schwer getäuscht. Die USA haben die KRG (und im Norden Syriens die mit der PKK affiliierten Kurden) letztlich wie Sicherheitsunternehmen benutzt und bestehen auch weiterhin auf einem nominell geeinten Irak als erste Voraussetzung, um zu verhindern, dass der Iran die Kontrolle über die wirtschaftlich geschwächte und tief gespaltene kurdische Region erlangt. Die gegenseitigen Beziehungen basieren auf einem freiwilligen Missverständnis: Washington verzichtet absichtlich darauf, die Konditionen der US-amerikanischen Beziehungen zu den Kurden durchzubuchstabieren; im Gegenzug glauben die Kurden, dass diese Konditionen die USA schließlich dazu bringen werden, einen kurdischen Staat zu unterstützen. Die jüngsten Entwicklungen haben wieder einmal gezeigt, dass sie sich täuschen.“ (Joost Hiltermann: „The Kurds Are Right Back Where They Started“)

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