„Zwei sind genug“: Ägypten propagiert Familienplanung

„Die strauchelnde ägyptische Wirtschaft hat die Behörden dazu gebracht, sich explizit zum Thema Familienplanung und damit zu einer der privatesten Angelegenheiten in dem traditionellen muslimischen Land zu äußern. Die ägyptische Bevölkerung hat inzwischen die symbolische 100 Millionen-Grenze erreicht, und Präsident Abdel-Fattah el-Sissi hat nun die Kampagne ‚Zwei sind genug‘ initiiert. Die von den Vereinigten Staaten und den Vereinten Nationen unterstützte Kampagne unterscheidet sich von den strengen Regeln zur Begrenzung der Kinderzahl in China. Die Behörden wollen junge Paare eher dazu überreden, nur zwei Kinder zu haben. ‚Die beiden größten Gefahren, mit denen Ägypten sich konfrontiert sieht, sind der Terrorismus und das Bevölkerungswachstum, und dieses Problem bedroht die Zukunft unseres Landes‘, erklärte el-Sissi letztes Jahr bei einer Jugendversammlung. (…)

Neben der Werbekampagne für geringere Geburtenraten sieht die ‚Zwei ist genug‘-Initiative eine verstärkte medizinische Mütter- und Kinderbetreuung und finanzielle Beihilfen für etwa 1,15 Millionen Frauen in den ärmsten Familien des Landes vor. Die Aufforderung der Regierung, weniger Kinder zu gebären, kommt vor dem Hintergrund steigender Lebensmittel- und Transportkosten infolge eines dreijährigen Hilfsprogramms im Umfang von 12 Milliarden Dollar, das el-Sissi 2016 mit dem Internationalen Währungsfonds vereinbarte und das ihn zur Kürzung der staatlichen Subventionen für Benzin, Strom und Wasser und zur Abwertung des ägyptischen Pfunds verpflichtet. Um die finanzschwache Regierung in Kairo zu unterstützen, wird die US-amerikanische Agentur für internationale Entwicklung Ägypten im Laufe der nächsten fünf Jahre 19 Millionen Dollar zur Verfügung stellen, um staatliche Kliniken und gemeinnützige Gruppen zu unterstützen, die sich für Empfängnisverhütung und die gesundheitliche Versorgung von Frauen einsetzen. Der Bevölkerungsfonds der UNO hat dieses Jahr rund 6 Millionen Dollar für reproduktionsmedizinische Dienste in Ägypten bereitgestellt. (…)

Frauenrechtsaktivistinnen haben argumentiert, dass legale Abtreibungen dazu beitragen könnten, das Bevölkerungswachstum zu bremsen und die erhoffte Marke von durchschnittlich 2,4 Kindern pro Frau zu erreichen. ‚Die jungen Männer müssen bei der Bildungsarbeit berücksichtigt werden, und zusätzlich zu den Verhütungsmitteln müssen Abtreibungen eine legitime und legale Option für die Frauen sein‘, so Nada Nashat, die als Anwältin im Center for Egyptian Women’s Legal Assistance in Kairo tätig ist. Abtreibungen sind in Ägypten verboten. Frauen und Ärzten, die sie vornehmen, drohen mindestens drei Jahr Haft. Dass el-Sissi Abtreibungen legalisiert, ist unwahrscheinlich, da er ohnehin schon von den Islamisten Unter Druck gesetzt wird, weil er sich für die Gleichberechtigung der Kopten einsetzt und auf der Sinaihalbinsel den Islamischen Staat bekämpft. Regierungsvertreter räumten ein, dass Lücken in der Gesundheitsversorgung geschlossen werden müssten, um dem ‚Zwei sind genug‘-Programm zum Erfolg zu verhelfen.“ (Jacob Wirtschafter and Mina Nader: „Egypt pushes population control: ‚Two is Enough‘“)

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