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Die strategische Zurückhaltung der Golfstaaten und der Iran-Krieg (Teil 2)

Auch die Sorge vor einem Überleben des iranischen Regimes prägt die Politik der benachbarten Golfstaaten
Auch die Sorge vor einem Überleben des iranischen Regimes prägt die Politik der benachbarten Golfstaaten (© Imago Images / NurPhoto)

Neben einigen kurzfristigen Auswirkungen wird der aktuelle amerikanisch-israelische Iran-Krieg auch langfristige Änderungen in der Politik der Golfstaaten nach sich ziehen.

Shimon Sherman

Die Haltung der – in Teil 1 beschriebenen – strategischen Neutralität der Golfstaaten ist untrennbar mit den widersprüchlichen Signalen verbunden, die während des Konflikts von Washington ausgingen. Ein Hauptfaktor, der die Zurückhaltung der Golfstaaten beeinflusst, ist der offensichtliche Wunsch der USA, die Zahl der Akteure zu begrenzen, die offensive Operationen starten. Dies zeigte sich deutlich, als US-Präsident Donald Trump kürzlich seine Haltung änderte und davon abriet, iranisch-kurdische Oppositionskämpfer in den Konflikt einzubeziehen, wobei er andeutete, nicht zu wollen, dass sie sich dem Kampf anschließen, da die Situation damit »zu kompliziert« würde.

Gleichzeitig sehen sich die Staatschefs der Golfstaaten mit erheblicher Unsicherheit hinsichtlich der langfristigen politischen Verpflichtungen Washingtons im Nahen Osten konfrontiert. Der Forscher am Jerusalem Institute for Strategy and Security Ariel Admoni merkte an, dass diese Unklarheit als primäre Abschreckung für eine militärische Beteiligung fungiere: »Ich glaube, ihre Einschätzung von Trump ist, dass er in einer Woche oder einem Monat das Interesse verlieren wird.« Die Golfstaaten gingen davon aus, dass das Regime in Teheran den Krieg wahrscheinlich überstehen wird und »wollen keinen Nachbarn angreifen, der in einer Woche oder einem Monat wieder im Sattel sitzt und mit dem sie kommunizieren müssen«.

Der Vizepräsident des Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs, Aviram Bellaishe, teilte diese Einschätzung, als er hinzufügte: »Das Paradoxe ist, dass die Golfstaaten auf beide entscheidenden Fragen – was die richtige Politik ist, wenn das Regime überlebt, und was die richtige Politik ist, wenn es nicht überlebt – keine zufriedenstellende Antwort aus Washington erhalten haben.«

Ein Gegengewicht zu diesen Anreizen bildet der intensive öffentliche Druck, den die Falken-Fraktion innerhalb des politischen Establishments der USA ausübt. Am 9. März forderte der republikanische US-Senator Lindsey Graham öffentlich ein militärisches Engagement der Golfstaaten und stellte die Rechtfertigung der laufenden Verteidigungspartnerschaften zwischen den USA und Saudi-Arabien infrage. Frustriert über die Evakuierung der amerikanischen Botschaft in Riad, erklärte Graham: »Amerikaner sterben und die USA geben Milliarden aus, um das terroristische iranische Regime zu stürzen. Hoffentlich werden sich die GCC-Staaten stärker engagieren, da dieser Kampf in ihrem Hinterhof stattfindet. Wenn nicht, wird dies Konsequenzen haben«, schloss er seine Ausführungen mit einem direkten Ultimatum.

Israel und die Golfstaaten

Während die kurzfristigen Auswirkungen des aktuellen Konflikts bereits einiges in Bewegung gebracht und verändert haben, dürften die langfristigen Auswirkungen noch tiefgreifender sein. Der aktuelle amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran wird mit Sicherheit den Verlauf der Abraham-Abkommen neu gestalten und eine krasse Diskrepanz zwischen den privat artikulierten Sicherheitserfordernissen und den öffentlichen politischen Realitäten der Golfstaaten schaffen.

Der Krieg hat gezeigt, dass Israel eine militärisch dominante Macht ist und Jerusalem und die USA als hochintegriertes regionales Verteidigungsnetzwerk agieren, was Israel zu einem unverzichtbaren Partner für Golfstaaten macht, sei es, um iranische Geschosse abzufangen, sei es, um ihre Beziehungen zu den USA zu stärken. Diese strategische Abhängigkeit steht jedoch in direktem Widerspruch zu heftigen innenpolitischen Gegenreaktionen. Bellaishe bemerkte: »Israel ist genau in dem Moment zu einem unverzichtbaren Sicherheitsfaktor geworden, in dem es zu einer fast unerträglichen politischen Belastung geworden ist.«

Die öffentliche Unterstützung für die arabisch-israelische Normalisierung hat einen nachweisbaren Dämpfer erlitten, angetrieben durch den langwierigen Krieg im Gazastreifen und die darauffolgende regionale Eskalation. In Saudi-Arabien sank die positive Einstellung gegenüber den Abraham-Abkommen laut Umfragedaten des Washington Institute for Near East Policy von 41 Prozent bei ihrer Einführung im Jahr 2020 auf nur noch dreizehn Prozent im Jahr 2025. Diese überwältigende innenpolitische Opposition setzt der Führung der Golfstaaten klare Grenzen.

Weil die strategischen Erfordernisse hinter verschlossenen Türen und die politischen Realitäten auf dem öffentlichen Parkett grundsätzlich unvereinbar sind, entwickelt sich die Architektur der Beziehungen zwischen den Golfstaaten und Israel weiter. So dürfte die Ära der öffentlichkeitswirksamen Diplomatie und der im Fernsehen übertragenen Normalisierungszeremonien durch eine Strategie der stillen Annäherung ersetzt werden. Um die mit öffentlichen Gipfeltreffen verbundenen innenpolitischen Kosten zu vermeiden, wird die regionale Zusammenarbeit in den Hintergrund verlagert werden.

Bellaishe stellte fest, die direkte Folge des aktuellen Konflikts bestehe darin, dass die Zukunft der Beziehungen zwischen Israel und den Golfstaaten wahrscheinlich nicht mehr in Form eines »Handschlags auf dem Rasen des Weißen Hauses« stattfinden werde, auch wenn sich diese Beziehungen als entscheidend erweisen. »Jeder öffentliche Gipfel, der die Staatschefs zwingt, offen zu erklären, womit sie sich nur privat einverstanden zeigen, verursacht politische Kosten« für die Golfstaaten. Jede öffentliche Erklärung über die Beziehungen werde »kostenlose Legitimität für die türkisch-katarische Achse« schaffen und eine problematische Realität schaffen, in der »Riad alles verliert, was Israel gewinnt, indem es öffentlich sagt, dass es Beziehungen zu Suad-Arabien hat«.

Shimon Sherman ist Kolumnist und berichtet über globale Sicherheit, Angelegenheiten des Nahen Ostens und geopolitische Entwicklungen. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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