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Syrien: Zerstörtes Wohnviertel als Kulisse für chinesischen Blockbuster

Regimetreue Soldaten in Hadschar al-Aswad nach der Rückeroberung. Die Ruinen der Stadt dienen jetzt als Kulissen für einen chinesischen Actionfilm. (© imago images/Xinhua)
Regimetreue Soldaten in Hadschar al-Aswad nach der Rückeroberung. Die Ruinen der Stadt dienen jetzt als Kulissen für einen chinesischen Actionfilm. (© imago images/Xinhua)

In einem Vorort von Damaskus, der von regimetreuen Truppen weitgehend zerstört wurde, wird unter Produzent Jackie Chan ein chinesischer Actionfilm gedreht.

Im Jahr 2015 sorgten spektakuläre chinesische Einsätze im Jemen für Aufsehen. Die chinesische Armee evakuierte zuerst fast 600 chinesische Staatsbürger, und dann noch einmal über 225 Menschen anderer Staatsangehörigkeit, darunter u. a. Pakistaner, Äthiopier, Italiener und Deutsche, aus dem immer tiefer im Blutvergießen des Bürgerkriegs versinkenden Landes. Die Menschen wurden an Bord eines Marineschiffs von Aden über die Bab-al-Mandab-Meeresstraße nach Dschibuti gebracht. Es war das erste Mal, dass die chinesische Armee eine Evakuierung fremder Staatsbürger durchführte.

Sieben Jahre danach dienen diese Aktionen als Vorlage für einen Propaganda-Blockbuster, in dem der chinesische Einsatz bei den Rettungsaktionen glorifiziert werden soll. Der Regisseur des Films sagte gegenüber Al-Monitor, der Film nimmt »die Perspektive von Diplomaten ein, die Mitglieder der Kommunistischen Partei sind, die in einem vom Krieg zerrissenen Land dem Kugelhagel trotzten und alle chinesischen Landsleute unversehrt auf das Kriegsschiff brachten«. Produziert wird der Film von niemand Geringerem als dem Weltstar Jackie Chan.

Der Jemen selbst kam wegen der dort herrschenden Sicherheitslage als Drehort für den Film nicht in Frage, also begab man sich auf die Suche nach einer Alternative. Fündig wurde man ausgerechnet in – Syrien.

Hadschar al-Aswad war einmal ein dicht besiedelter Vorort von Damaskus, gleich südlich des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk. Im Syrien-Krieg war die Stadt zuerst eine Hochburg der Freien Syrischen Armee, später fiel sie dem Islamischen Staat in die Hände. Die Rückeroberung durch regimetreue Truppen 2018 verlief so wie an vielen anderen Orten auch: Weite Teile von Hadschar al-Aswad wurden komplett zerstört, die Menschen mussten fliehen, die übriggebliebenen Ruinen sind heute fast unbewohnt. Jetzt dienen sie als Kulissen für die chinesische Filmcrew und die syrischen Komparsen.

Ehemalige Bewohner der Stadt können dem nichts abgewinnen. Einer, der in den Norden des Landes fliehen musste und heute mit seiner Familie immer noch in Flüchtlingszelten leben muss, erzählte Al-Monitor: »Meine größte Sorge ist, wie ich meine Familie ernähren kann. Unterdessen haben sich mein altes Zuhause und die Straßen meines Viertels in eine Filmkulisse verwandelt. Es ist traurig. Es ist, als würden sie über unsere Leichen tanzen. Wir sind Opfer des syrischen Regimes und die chinesische Crew tanzt über die Leichen der Menschen, deren Häuser zerstört und nun in ein Theater verwandelt wurden.«

Ein anderer ehemaliger Bewohner beklagt sich: »Anstatt unsere Häuser wieder aufzubauen oder uns die Möglichkeit zu geben, selbst dorthin zurückzukehren, beschloss die Regierung, unser Viertel als Filmkulisse zu vermieten. (…) Es ist für uns unmöglich, unsere Häuser zu erreichen, aber das chinesische Filmteam kann seinen Film problemlos auf den Trümmern drehen.«

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