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Streit um »World Hijab Day« in islamischen Ländern

Am Hafen von Bizerte, Tunesien
Am Hafen von Bizerte, Tunesien (Bild: Thomas v. der Osten-Sacken)

Während in Deutschland das Kopftuch als frei und feministisch empfohlen wird, wehren sich afghanische und iranische Aktivistinnen gegen die Zwangsverschleierung.

Am 1. Februar fand der sogenannte World Hijab Day statt. Inzwischen haben vor allem Aktivistinnen aus dem Iran deshalb einen #NoHijabDay alternativ ins Leben gerufen. 

In Deutschland erschien im Auftrag von ARD und ZDF ein Spot, über den Hannah Wettig schreibt:

»Das ist ein Werbe-Video in der Machart wie uns sonst die Regierung erinnert, uns anzuschnallen, Kondome zu nutzen oder nicht rassistisch zu sein. Bei solchen pädagogischen Maßnahmen wird am Schluss das entsprechende Ministerium genannt – und das ist irgendwie demokratisch zustande gekommen und hält sich auch meist an die Ideale des Grundgesetzes.

Hier sind nur die Logos von ARD und ZDF eingeblendet. Das öffentlich-rechtliche ergreift also von sich aus eine pädagogische Maßnahme, die Frauen das Kopftuch als besonders frei und feministisch empfiehlt.«

Wie umstritten dieser Tag auch in der sogenannten islamischen Welt ist, darüber berichtet Debbie Mohnblatt in Media Line:

»Am 1. Februar wird zum neunten Mal der World Hijab Day begangen. An diesem Tag werden Frauen auf der ganzen Welt, muslimische und nicht-muslimische, dazu ermutigt, einen Hijab zu tragen. Der Tag begann als eine Initiative zur Bekämpfung der Islamophobie. Dennoch äußerten viele muslimische Frauen ihre Unzufriedenheit mit der Kampagne und erklärten, der Brauch werde vielen von ihnen aufgezwungen und sollte nicht gefeiert werden.

In Afghanistan beispielsweise protestieren Frauen auf der Straße gegen die von der Taliban-Regierung erlassenen Vorschriften, die ihre Rechte einschränken, darunter das obligatorische Tragen des Hidschabs. Es kam zu Massenprotesten, bei denen einige Frauen ihre Burkas ablegten und sie als Zeichen des Widerstands auf öffentlichen Plätzen verbrannten. (…)

Viele dieser Frauen haben das Gefühl, dass die Taliban die Burka als Mittel benutzen, um sie aus der gesellschaftlichen Ordnung auszuschließen, und deshalb haben einige von ihnen ihre Burkas ausgezogen und bei den Demonstrationen verbrannt.

Zaryab Paryani und Tamana Ibrahimi, zwei Frauen, die genau das taten, wurden mitten in der Nacht von den Taliban aus ihren Häusern verschleppt, ihr momentaner Aufenthaltsort ist unbekannt, so die in Kabul lebende Anwältin Asra Stanikzai. (…)

Die sozialen Medien spielen in der Auseinandersetzung um die Zwangsverschleierung eine wichtige Rolle. Man findet dort Aktivismus für und gegen das Tragen des Hijabs, darunter umfangreiche Debatten über den World Hijab Day und den No Hijab Day sowie die Kampagnen #LetUsTalk und #DressedNotOppressed.

Die kanadische Schriftstellerin und Frauenrechtsaktivistin Yasmin Mohammed wuchs in einer muslimischen Familie in British Columbia auf. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie noch klein war. Ihre Mutter heiratete erneut und wurde die zweite Frau eines sehr religiösen Mannes, der Mohammed zwang, ab ihrem 9. Lebensjahr einen Hidschab zu tragen: Alles in meinem Leben änderte sich, als sie ihn in unser Leben ließ.‹ (…)

Niloufar Momeni, die sechzehn Jahre lang im Iran aufgewachsen ist und jetzt in Kanada lebt, wo sie als Sportjournalistin arbeitet, erzählte gegenüber The Media Line ebenfalls, dass sie als Kind gezwungen wurde, einen Hidschab zu tragen.

Im Iran habe keine Frau die Wahl, ob sie den Hidschab tragen wolle, erklärte sie. ›Sie zwingen dir ihre Ideologie auf. Es ist nicht richtig, von jemanden gezwungen zu werden, etwas für den Rest seines Lebens zu tun, nicht von deinem Vater, nicht von deiner Familie und schon gar nicht von der Regierung.‹ (…)

Viele dieser Frauen, die den Hidschab abgenommen haben, haben etwas gemeinsam. Alle erwähnten, dass der Hidschab unbequem ist und dass ihnen dadurch heiß ist und sie sich unschön oder gefangen fühlen. ›Es ist sehr warm, man kann nicht richtig atmen, man fühlt sich wie erstickt‹, sagte Momeni.

›Es ist eine sensorische Deprivationskammer; alle Sinne sind blockiert. Du kannst nicht sehen, riechen, hören oder richtig essen … Du fühlst dich wie ein Gespenst, das unter den Menschen herumläuft‹, fügte Mohammed hinzu.«

Artikel zuerst erschienen auf Jungleblog.

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