Latest News

Schock bei Wix: Was die Entlassungswelle über Israels Hightech-Branche verrät

Das israelische Hightech-Unternehmen wix entlässt rund 1.000 Mitarbeiter
Das israelische Hightech-Unternehmen wix entlässt rund 1.000 Mitarbeiter (© Imago Images / Pond5 Images)

Künstliche Intelligenz und der starke Schekel zwingen das israelische Hightech-Unternehmen Wix zur größten Entlassungsrunde seiner Geschichte.

Die Nachricht kam für viele Mitarbeiter überraschend. Ende Mai kündigte das israelische Hightechunternehmen Wix an, rund tausend Stellen abzubauen. Das macht etwa zwanzig Prozent der weltweiten Belegschaft aus. Für das Unternehmen ist es die umfangreichste Entlassungsrunde seiner Geschichte. Doch die Entscheidung betrifft weit mehr als nur einen einzelnen Konzern. Sie zeigt die Veränderungen auf, die derzeit die gesamte israelische Hightech-Branche betreffen.

Wix galt lange als eine der großen Erfolgsgeschichten des israelischen Technologiesektors. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt mehr als 5.200 Mitarbeiter, ein Großteil davon in Israel. Nun werden Hunderte Beschäftigte in Tel Aviv und an anderen israelischen Standorten ihre Arbeitsplätze verlieren.

KI und starker Schekel

Wix-Gründer und CEO Avishai Abrahami machte in seiner Mitteilung an die Mitarbeiter keinen Hehl daraus, dass künstliche Intelligenz (KI) eine zentrale Rolle bei der Entscheidung gespielt habe. Dabei geht es nicht nur um die Automatisierung einzelner Tätigkeiten. Vielmehr verändert KI zunehmend die Geschäftsmodelle vieler Softwareunternehmen. Produkte, für deren Entwicklung früher zahlreiche Entwickler, Designer oder Produktmanager benötigt wurden, können heute mit deutlich kleineren Teams erstellt werden. Branchenbeobachter sehen deshalb in der Entscheidung von Wix einen möglichen Wendepunkt für die gesamte israelische Softwareindustrie.

Dass Wix mit dieser Entwicklung nicht allein ist, zeigt ein Blick auf die internationale Technologiebranche. Auch Unternehmen wie Meta, Amazon oder Salesforce haben in den vergangenen Monaten Stellen gestrichen und dabei den Einfluss neuer KI-Technologien auf ihre Geschäftsmodelle hervorgehoben.

Im Gespräch mit einer israelischen Bekannten, die ebenfalls für ein Hightech-Unternehmen arbeitet, berichtet sie mir, dass sie ihren eigenen KI-Avatar erstellt hat, der auf die gleiche Weise wie sie selbst arbeiten und interagieren soll. Sie sagte mir, dass er sie wohl bald ersetzen wird und sie sich auf die Suche nach einem neuen Job machen müsse.

Die Entlassungen haben allerdings nicht nur mit künstlicher Intelligenz zu tun. Ein zweiter Grund liegt in der Entwicklung der israelischen Währung. So hat der Schekel gegenüber dem US-Dollar innerhalb eines Jahres massiv an Wert gewonnen und erreichte zuletzt den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Für Unternehmen wie Wix entsteht dadurch ein Problem: Die meisten Einnahmen werden in Dollar erzielt, während ein erheblicher Teil der Gehälter und Betriebskosten in Schekel anfällt. Dadurch sinken die Gewinne erheblich.

Die Herstellervereinigung Israels warnte bereits, dass die Kombination aus starkem Schekel und fehlenden politischen Gegenmaßnahmen weitere Unternehmen zu ähnlichen Schritten zwingen könnte. Besonders exportorientierte Firmen stehen unter Druck, da ihre Produkte auf dem Weltmarkt teurer werden und gleichzeitig die Personalkosten steigen.

Zwischen Unsicherheit und Anpassung

Tel Aviv ist das Zentrum der israelischen Technologieindustrie. Tausende Beschäftigte arbeiten in den Büros von Start-ups und internationalen Konzernen entlang des Rothschild-Boulevards, in Sarona oder im Norden der Stadt. Noch ist nicht abzusehen, wie viele weitere Unternehmen ähnliche Schritte gehen werden wie Wix. Gleichzeitig bleibt Israel einer der weltweit wichtigsten Standorte für Technologie und Innovation. Die Zahl der Neugründungen ist weiterhin hoch, Investoren zeigen trotz geopolitischer Unsicherheiten Interesse am Markt, und der KI-Sektor wächst rasant.

Die Entlassungen bei Wix markieren daher vermutlich nicht den Beginn eines Niedergangs, sondern den Anfang einer neuen Phase. Nicht die Zahl der verlorenen Stellen ist entscheidend, sondern die Erkenntnis, dass künstliche Intelligenz inzwischen nicht mehr nur Produkte verändert, sondern zunehmend auch die Struktur der Unternehmen selbst.

Dementsprechend versuchen nun einige Tel Aviver, sich vertrauter mit KI zu machen, um dadurch ihre Anstellungen zu sichern. Andere begeben sich in die Selbstständigkeit, da diese in der heutigen Zeit plötzlich sicherer wirkt als die Anstellung in einer angesehenen Hightech-Firma.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!