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Wissen ist Macht – außer in der arabischen Welt

Die Al-Azhar-Universität war einst ein Gelehrtenzentrum. Heute ist es um die Bildung in der arabischen Welt schlecht bestellt. (© imago images/YAY Images)
Die Al-Azhar-Universität war einst ein Gelehrtenzentrum. Heute ist es um die Bildung in der arabischen Welt schlecht bestellt. (© imago images/YAY Images)

Autoritarismus und rigide Islamauslegungen sind dafür verantwortlich, dass die arabische Welt im Bildungs- und Wissensbereich nicht vorankommt.

Vor beinahe fast zwanzig Jahren sorgte der erste einer Reihe von Berichten mit dem Titel »Arab Human Development Report«, die unter der Ägide der Vereinten Nationen erstellt wurden, für Aufsehen. Die von arabischen Wissenschaftern verfassten Berichte zeichneten ein schonungsloses Bild der Entwicklungsdefizite der arabischen Gesellschaften und identifizierten drei Hauptproblemfelder: Bildung, die Lage der Frauen und der Mangel an Freiheit.

Besonders drastisch stachen einige Vergleiche hervor, die in dem Bericht angestellt wurden. Jedes Jahr werden nur 330 Bücher ins Arabische übersetzt – und damit zum Beispiel gerade einmal ein Fünftel so viele wie jährlich ins Griechische übersetzt werden. Im gesamten vergangenen Jahrtausend wurden in der ganzen arabischen Welt nur rund 100.000 Bücher übersetzt, ungefähr so viele wie in einem Jahr ins Spanische.

In den zwei Jahrzehnten danach, so konstatiert die Neue Zürcher Zeitung in einer aktuellen Bestandsaufnahme, ist zwar viel passiert und die arabische Welt hat neben katastrophalen Kriegen wie im Irak und in Syrien auch einige positive Entwicklungen gemacht. Speziell die reichen Golfstaaten schneiden im internationalen Vergleich des »Human Development Index« sehr gut ab.

Auf dem Gebiet der Bildung und Forschung kann davon aber keine Rede sein. Arabische Universitäten sind international nur in seltenen Ausnahmefällen konkurrenzfähig, statt kritischem Denken und dem selbstständigen Arbeiten an Lösungen dominieren hier noch immer Frontalunterricht und Auswendiglernen. Die Universitäten sind unterfinanziert, die Arbeitsbedingungen der Akademiker schlecht. Wo Spitzenleistungen erbracht werden, beruhen sie in aller Regel auf zugekaufter Expertise aus dem Ausland.

Die Mängel schlagen im Fehlen technischer Innovationen zu Buche. Ägypten, das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt, brachte es im Jahr 2020 auf gerade einmal so viele registrierte Patente wie Albanien mit seinen nicht einmal drei Millionen Bewohnern. Nicht arabische, aber muslimische Länder wie die Türkei und der Iran bringen mehr Erfindungen hervor als die arabische Welt.

Auch an den wenigen Buchübersetzungen ins Arabische hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren kaum etwas geändert. Und kaum ein auf Arabisch veröffentlichtes Buch kommt über Auflagen von 3.000 Stück hinaus. In der Medienwelt herrschen religiöser Extremismus und staatliche Zensur. Um die Pressefreiheit ist es bis auf wenige Ausnahmen (etwa Tunesien und Libanon) ganz schlecht bestellt.

Dem ganzen Übel zugrunde liegen laut NZZ der allgegenwärtige Autoritarismus und der Mangel an Freiheit, der durch oft rigide Auslegungen des Islams noch verstärkt wird. »Die autoritären Herrscher haben kein Interesse daran, selbstständiges, kritisches Denken und autonomes Handeln zu fördern. Statt aufgeklärte, mündige Bürger, die Autoritäten und ihre Entscheidungen hinterfragen, bevorzugen sie gehorsame Untertanen. Eine unabhängige Zivilgesellschaft ist ihnen suspekt, kritische Forscher und Journalisten sehen sie als Bedrohung.«

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