Wirtschaftskrise im Iran verschärft sich: Zentralbankchef entlassen

„Die iranischen Machthaber sind darum bemüht, die sich intensivierende Wirtschaftskrise in dem Land in den Griff zu bekommen, die die Kaufkraft der Iraner massiv beeinträchtigt hat und die Teheraner Machtelite bereits unter Druck setzt, ehe die neuen US-Sanktionen überhaupt in Kraft getreten sind. Präsident Hassan Rohani löste am Mittwoch den Chef der iranischen Zentralbank ab, der schwer kritisiert worden war, weil es ihm nicht gelungen ist, den Absturz der iranischen Währung zu stoppen. Der halbamtlichen Mehr-Nachrichtenagentur zufolge unterzeichneten neunzig Parlamentsabgeordnete diese Woche eine Petition, die die Ablösung des Wirtschaftsministers fordert. All dies geschah vor dem Hintergrund hunderter Proteste in den letzten Monaten, die sich gegen steigende Preise, Korruption und Umweltschäden richten. Unterdessen bereitet die Trump-Administration die Verhängung von Sanktionen vor, die den Iran am Erwerb von Dollardevisen hindern sollen. Iraner erklären, es falle ihnen zunehmends schwer, ihre Miete und Lebensmittel zu bezahlen. Die Inflationsrate liegt bei zwölf Prozent und die Preise für importierte Güter wie Medikamente sind massiv angestiegen. Die iranischen Ölexporte sind im Laufe der letzten beiden Monate um acht Prozent gefallen und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei ungefähr 30 Prozent. (…)

Vielen Iranern geht die wirtschaftliche Lage näher als die schrillen Töne ihrer Machthaber und Präsident Trumps. ‚Wir brauchen Brot und Butter‘, so Mostafa Bayat, ein 30jähriger Einwohner Teherans. ‚Vor einem Krieg fürchte ich mich nicht. Ich habe nichts zu verlieren.‘ (…) Rohanis Ablösung von Zentralbankchef Valiollah Seif wenige Wochen vor dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit zeigt, wie ernst die Lage ist. Seif spielte bei dem Versuch der Regierung, nicht lizenzierte finanzielle Institutionen auszuschalten, von denen viele von religiösen und militärischen Körperschaften betrieben werden, eine entscheidende Rolle. Im Gegenzug hatten manche der betroffenen Institutionen den iranischen Devisenmarkt überflutet, um die Regierung zu diskreditieren. Dies habe die Entwertung des Rial beschleunigt, so Bijan Khajehpour, geschäftsführender Gesellschafter bei Atieh International, einer in Wien ansässigen Unternehmensberatung, die auf die Anbahnung von Kooperationen mit dem Iran spezialisiert ist.

Der offizielle Wechselkurs des iranischen Rial hat sich seit Anfang des Jahres in etwa halbiert und liegt jetzt bei 95.000 Rial für einen Dollar. Der Handel zum offiziellen Kurs ist den meisten Iranern nicht zugänglich und bildet daher eine wichtige Quelle der Korruption. Die Regierung hat in der jüngsten Zeit verschiedene Maßnahmen ergriffen, um der Unzufriedenheit Herr zu werden. So wurden fünf Mitarbeiter des Industrieministeriums verhaftet. Beschuldigt werden sie, wie die Medien vor Ort am Mittwoch berichteten, der Korruption und Unterschlagung, um tausende Luxuskarossen zu importieren. (…) Am 6. August treten neue US-Sanktionen in Kraft, die den Iran am Erwerb von Dollardevisen hindern sollen, und am 4. November folgen Sanktionen, die sich gegen iranisches Öl und internationale Finanzinstitutionen richten, die mit der iranischen Zentralbank zusammenarbeiten.“ (Sune Engel Rasmussen / Aresu Eqbali: „‚We Need Bread and Butter‘: Iranians Under Pressure in Flailing Economy“)

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